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Hernan Cristerna im Interview M&A-Experte von JP Morgan: „Wir müssen europäische Champions schaffen“

Der Co-Chef des globalen M&A-Geschäfts von JP Morgan erklärt, warum es in Europa nicht genug grenzüberschreitende Deals gibt – diese aber nötig sind.
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Der JP Morgan-Experte sieht das Glas im M&A-Geschäft halbvoll. Quelle: JP Morgan
Hernan Cristerna

Der JP Morgan-Experte sieht das Glas im M&A-Geschäft halbvoll.

(Foto: JP Morgan)

FrankfurtHernan Cristerna, der Co-Chef für das weltweite Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) bei JP Morgan, macht Station in Frankfurt. Seine Frau sei „Golf- und Ski-Witwe“, sagt der Freizeitsportler, der aber beim Stop-over keine Zeit findet für eine Runde auf dem Green im Taunus. Im Gespräch fordert der 54-Jährige mehr grenzüberschreitende Fusionen in Europa, sonst werde man abgehängt von China und den USA.

Herr Cristerna, es sieht nach einem schleppenden ersten Halbjahr im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen aus. Was sind die Gründe dafür?
Ich finde, das Glas ist halbvoll. Wenn man es positiv sieht, dann sieht der Auftakt 2019 vor allem deshalb schwach aus, weil die ersten Monate des Vorjahres sehr stark waren. Aber immerhin lag das Volumen im ersten Halbjahr über dem des vierten Quartals. Aber, und jetzt kommt das halbleere Glas, es gibt weniger Deals mit einem Wert von mindestens einer Milliarde Dollar. Die sind ein guter Indikator für die Gesundheit und Liquidität des M&A-Marktes.

In anderen Worten: Es gibt weniger Megadeals.
Ja, mit Ausnahme der USA. Dort finden wir relativ viele Transaktionen über zehn Milliarden Dollar und mehr. Abgesehen vom Deal zwischen dem saudischen Ölkonzern Aramco und dem Chemieunternehmen Sabic fanden die allerdings alle innerhalb der amerikanischen Grenzen statt. Das ist im Moment das Problem: Wegen der regulatorischen Hürden und der handelspolitischen Spannungen gibt es viel weniger grenzüberschreitende Deals.

Wie sieht es in Europa aus?
Hier gibt es viel Unsicherheit. Man denkt lieber zweimal nach, bevor man etwas anstößt.

Warum?
Wegen des Brexits, aber auch wegen der Konjunkturängste. Und wegen der regulatorischen Unwägbarkeiten.

Denken Sie dabei an die jüngsten kartellrechtlichen Entscheidungen?
Ganz genau. Wir wissen immer noch nicht, warum der Deal zwischen Siemens und Alstom zur Fusion des Bahngeschäfts blockiert wurde. Das wirkt nach und hat gravierende Auswirkungen auch auf Übernahmepläne anderer Firmen. Dabei ist es an der Zeit, europäische Champions zu schaffen.

Warum jetzt, gibt es Grund zur Eile?
Die Gefahr ist doch, dass Europa zerrieben wird zwischen einem expansionsfreudigen China und der „America first“-Agenda von US-Präsident Donald Trump. Im Fall von Siemens und Alstom haben wir viele Vorteile in dem Deal gesehen. Es gab dafür Unterstützung der Regierungen in Deutschland und Frankreich, trotzdem konnten Berlin und Paris sich nicht gegen Brüssel durchsetzen.

Welche Branchen sollten solche Champions hervorbringen?
Ich denke an Europa als Ganzes. Nicht an einzelne Branchen oder Länder.

Hat der Brexit einen Einfluss auf die M&A-Stimmung?
Ja, Großbritannien ist traditionell ein wichtiger M&A-Markt. Die Transaktionsvolumina gehen zurück, was auch natürlich ist angesichts der Hängepartie. Aber das bleibt auf die Insel beschränkt, es gibt keine Ansteckungseffekte auf andere Märkte.

Werden die Spannungen zwischen Peking und Washington dem grenzüberschreitenden Übernahmegeschäft einen Dämpfer versetzen?
Die Chinesen waren ein wichtiger Treiber für M&A-Transaktionen, jetzt stehen sie auf der Bremse. Die Übernahme des deutschen Roboterherstellers Kuka war der Wendepunkt in Europa. Man dachte, China würde eine Gegenleistung anbieten und danach seine Wirtschaft weiter öffnen. Aber das war nicht der Fall.

Halten sich nicht auch viele Vorstände zurück, weil sie eine Rezession fürchten?
Ganz im Gegenteil. Es gibt Topmanager, die sagen, da bieten sich Gelegenheiten. Sie glauben, dass die Schaffung von Synergien die Gewinne in einer Rezession unterstützt. Das Gegenargument lautet: Wenn die Kaufpreise in 18 Monaten um, sagen wir, 15 Prozent niedriger liegen, warum soll ich dann heute einen Deal machen? Aber vielleicht wird es gar keine Korrektur geben, sondern eine sanfte Landung der Konjunktur.

Warum?
Weil die US-Wirtschaft in guter Verfassung ist. Die Stimmung unter den Konsumenten ist unverändert gut. Zweitens ist auch die chinesische Wirtschaft wieder deutlich auf Wachstumskurs, und die Drosselung der Ratenkredite wurde teils aufgefangen, was ein „hard landing“ verhindert hat.

Werden wir mehr Käufe von börsennotierten Unternehmen und mehr Konzernabspaltungen sehen?
Die Zahl der Kampagnen aktivistischer Hedgefonds stagniert. In den USA gab es weniger Kampagnen, außerhalb Amerikas mehr. Jetzt suchen diese Investoren in Europa nach niedrig hängenden Früchten, die sie pflücken können. Das sind typischerweise Mischkonzerne. Wir haben in Europa jede Woche im Schnitt fünf hochkarätige Treffen mit Vorständen zu dem Thema, früher waren es so viel in einem Monat. Die Europäer haben lange gedacht, das bleibe auf die USA beschränkt. Aber das Engagement von Third Point bei Nestlé war ganz klar der Wendepunkt. In Zukunft werden mehr Unternehmen über eine Fokussierung und Straffung nachdenken, sei es über Börsengänge, Spin-offs oder Verkäufe von Konzernteilen.

Sind Ausgliederungen und Abspaltungen wie bei Siemens ein guter Schutz gegen diese Art von Investoren?
Siemens ist sicher ein gutes Beispiel, wie man vorbeugend aktiv werden kann. Wenn man von sich aus aktiv wird und selbst die Maßstäbe setzt, dann können einen Aktivisten nicht unter Zeitdruck setzen.

Sind die von den Aktivisten forcierten Abspaltungen auch für kapitalstarke Finanzinvestoren interessant?
Absolut, hier werden Private-Equity-Häuser in Zukunft verstärkt bieten.

Mehr: Globale Spannungen bremsen das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen von Firmen aus. Lesen Sie, wie Private-Equity-Fonds einen noch größeren Einbruch verhindern.

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