„Hochspekulativ“ Mirow warnt vor Euro-Austritt Griechenlands

Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone sei riskant, warnt Thomas Mirow von der Osteuropabank EBRD. Allein schon die Debatte sei gefährlich. Es drohe ein Kundenansturm auf die Banken mit unkalkulierbaren Folgen.
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Thomas Mirow, Präsident der Europabank EBRD. Quelle: Reuters

Thomas Mirow, Präsident der Europabank EBRD.

(Foto: Reuters)

Der Chef der Osteuropabank EBRD, Thomas Mirow, hat vor einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone gewarnt. "Ich halte die Debatte über einen Euro-Austritt und eine Rückkehr Griechenlands zur Drachme für hochspekulativ und gefährlich. Niemand weiß, welche Reaktionen ein solcher Schritt auslösen würde", sagte Mirow im Interview mit dem Handelsblatt.

Die damit verbundene Risikodynamik wären erheblich, argumentiert der frühere Finanzstaatssekretär der Bundesregierung. "Investoren außerhalb Europas würden den Austritt Griechenlands aus der Währungsgemeinschaft als Grund sehen, generell die Architektur des Währungsraums infrage zu stellen", sagte Mirow weiter. Eine solche Debatte wäre verheerend für die Zukunft der Euro-Zone. "Ganz zu schweigen von den Gefahren eines möglichen Bank Run."

Der EBRD-Chef geht davon aus, dass Griechenland über Jahre Hilfe benötigt. "Es geht dort nicht nur um ein paar Reformen. Es müssen grundlegende Strukturen überhaupt erst aufgebaut werden. Es fehlt an einem funktionsfähigen Staatswesen. Das lässt sich nicht in ein paar Monaten aufbauen, das dauert Jahre", sagte Mirow. Leider sei bisher die politische Unterstützung der griechischen Parteien für Regierungschef Papademos nicht so umfassend wie die der italienischen Parteien für Monti.

"Daran muss sich dringend etwas ändern, weil die Euro-Staaten zu Recht die Umsetzung von Reformen zur Voraussetzung für weitere Hilfsleistungen machen. Ohne Subsidiarität kann es keine Solidarität geben", betonte Mirow.

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48 Kommentare zu "„Hochspekulativ“: Mirow warnt vor Euro-Austritt Griechenlands"

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  • Man sollte sich keine Illusionen machen. Die dt. Schulden sind jetzt schon nicht abzutragen. Wer das noch immer glaubt, glaubt auch an den Osterhasen.
    http://www.hartgeld.com/filesadmin/images/cartoons/AN-schuldenrueckzahlung-de.jpg

  • Um zu verhindern dass "generell die Architektur des Währungsraums infrage gestellt wird" wäre eben eine Änderung dieser Architektur notwendig.
    Eine Währungsunion unter so ungleiche Mitgliedern, ohne Fiskalunion und teilweise Verzicht auf Steuerhoheit, ist nicht lebensfähig und früher oder später zum Scheitern verurteilt. Bitte an Merkozy weiter sagen weil deren Vorgänger tragen die Verantwortung für die jetzige Euro-Architektur.
    Diese Architektur begünstigt die stärkere Eurowirtschaften auf Kosten der Schwächeren, Anstelle der wünschenswerte Konvergenz erleben wir eine Divergenz der Wirtschaften, gerade wegen dieser mangelhafte Architektur. Kein Rettungsschirm kann groß genug sein um die Euro-Fehlkonstruktion zu retten.

  • Nicht nur in der Schweiz... Das Geld fließt einfach an die griechischen Eliten, die sich weiter bereichern, und das Geld rasch ins Ausland, gerne nach Deutschland, schaffen. Warum die Finanzwelt das Europrojekt skeptisch sehen soll, wenn es ein Wirtschaftszwerg wie Griechenland nicht schafft - was seit 2 Jahren allen bekannt ist -, wird wohl auf immer ein Geheimnis sein. Was die Finanzmärkte wirklich verunsichert, ist, daß in Europa Recht & Gesetz nicht mehr gelten: nach den Maastricht Verträgen hätte Griechenland Pleite gehen müssen, die Versicherungen hätten ihren Teil bezahlt, und alles wäre den bekannten, vorhergesehenen Gang gegangen. Da kommen die Politiker und versprechen, dass kein Euroland je pleite gehen wird (Warum? Qui bono?) - und wittern Morgen-luft und wollen nun genau wissen, wie das gehen soll. Den ersten Akt haben wir ja schon gesehen: Die EZB verleiht Geld für 1%, die Banken kaufen die Staats-anleihen, und mit den Zinsgewinnen heilen sie ihre Eigenkapitalausstattung... Das Problem ist: Es gibt keine einzige politische Kraft, kein einziges Medium, das sich gegen diesen €-Wahnsinn stemmt.

  • @-thorwald - "Der Euro war von Anfang an überstürzt eingeführt worden und namhafte Ökonomen wie Milton Friedman warnten bereits bei seiner Einführung, dass die Gemeinschaftswährung ein politischer Wunsch sei, dem die ökonomische Fundierung - sprich: wirtschaftliche Konvergenz des Währungsraumes fehle. Er hat nur zu recht behalten", wie wahr, aber er hätte klagen sollen. Das hat 1999 eine kleine Gruppe von Ökonomen und Juristen um den Währungstheoretiker Wilhelm Hankel (in der öffentlichen Diskussion seinerzeit als „Spinner“ bezeichnet) vor dem BVerfG gegen die Einführung des Euro als Gemeinschaftswährung getan und zwar mit den Argumenten, die heute leider zu Fakten geworden sind. Das BVerfG hat die Klage als unzulässig mit Hinweis auf die bestehenden EU-Verträge, nach denen eine Währungsunion grundsätzlich vorgesehen sei, ohne weitere Begründung zurückgewiesen und so verschleiert, ob nach dem Grundsatz "Fachidiotie" oder "Wes Brot ich ess`, des` Lied ich sing`" entschieden worden ist. Und heute versucht die gleiche Gruppe mit zwei Klagen gegen ESM (Europäischen Stabilitätsmechanismus) und Griechenlandhilfe wegen Verletzung der No Bail Out- Klausel, Aufgabe der Etathoheit (nach bereits erfolgter Aufgabe der Währungshoheit 1999) und Aufgabe des Prinzips der Unabhängigkeit der Notenbank, zu klagen. Diesmal vielleicht im Lichte des Lissabon-Urteils des BVerfG mit mehr Erfolg, zumindest einer Entscheidungsbegründung. Die Unterstützung in der Öffentlichkeit ist diesmal sehr groß; die „Bürger-Genossenschaft“ (John Rawls) beginnt zu begreifen, daß man endlich die Systemfrage stellen muß.

  • @-Mazi - Die großen Vermögen Griechenlands und Italiens bereits komplett. Die haben ja schon die Europäer unverholen aus ihren schweizer Asylen aufgefordert, ihren Ländern keinen Cent mehr zu überweisen, weil das alles "à fonds perdu" wäre. Das deutsche NettoGesamtvermögen (Geld und Sachwerte) wird auf ca. 10 Bio. Euro geschätzt, davon rd. 70% in der Hand von 10% ganz Reicher. Das, so hat man sich schon im Zuge der Erbschafts- und Vermögennsteuer-Reform 2008/2009 unter der Hand zugeflüstert, sei schon komplett im außereuropäischen Ausland, also dem europäischen Fiskus entzogen. Der Rest deckt nicht mal die deutschen Schulden von rd. 7 Bio. Euro; 2,0 Bio. Euro aus aufgenommenen Krediten (ohne Rettungsschirm-Verpflichtungen) und 5,0 Bio. Euro gegenüber den Sozialkassen (für Renten, Pensionen, Krankheit, Pflege etc.). Letzteres stünde zur Schuldentilgung der eigenen Schulden zur Verfügung, wenn man genügend Leute findet, die komplett auf Rente oder Pension verzichten und nur von ihren Ersparnissen lebten. Für Deutschland ermittelt solche Zahlen Herr Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen an der Uni Freiburg. Aber auch in USA gibt es solche Berechnungen: Herr Prof. Dr. Kotlikoff (Uni Boston) ermittelt die US-Schulden mit 11 x 12 Bio. US$ = ca. 130 Bio. US$. Aber das ist ein amerikanisches Problem, ich denke, wir haben mit unserem Eigenen vollauf genug, insbesondere mit solchen Leuten wie Mirow an den Bankschaltern.

  • @Humanist, schön formuliert. Viele hätten schweigen sollen um sich den Anschein von bedächtigen, also denkenden Menschen zu erhalten. Unsere "Elite" mit gutem Beispiel voran.

  • „Wer selbst nichts erkennt, noch fremden Zuspruch bedächtig bei sich erwägt, der ist wohl unnütz unter den Menschen", wird im 4.Jh. v.Chr. Hesiod in der Nikomachischen Ethik des Aristoteles zitiert: Nach dieser Regel, die ich für bedenkenswert halte, wäre Mirow schon "weg vom Fenster". Davon würden wir alle profitieren.

  • Verheerend für die Euro-Zone wäre nicht ein Austritt von Staaten, die eindeutig gegen bereits vereinbarte Stabilitätskriterien verstoßen haben und auch gegenwärtig keine ernst zu nehmenden Maßnahmen gegen weitere Verstöße unternehmen, verheerend wäre eine Zustimmung zum vorgelegten Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) in der Form eines uns Deutschen bereits hinlänglich bekannten Ermächtigungsgesetztes (1933), die auch einen eindeutigen Verzicht auf das fundamentale Verbot internationalen Finanzausgleichs enthält, d.h. keine No Bail Out –Vereinbarung mehr, und eindeutig die Unabhängigkeit der Zentralen Notenbank (EZB) aufhebt. Einen eindeutigeren Weg in eine EU-SchuldenUnion gibt es nicht mehr: Da wirken doch die „Subsidiaritätsappelle“ von Mirow lächerlich. Es sei denn, Herr Mirow bemüht sich mal um den Nachweis, daß eine Währungszone, die in den eigenen Schulden erstickt, eine gesunde, zum Mindesten heilbare Währungszone ist. Fehlt nur noch, daß Mirow das Exportmärchen (von ach so segensreichen Euro für die Exporteure) an seine "Empfehlungen" anhängt. Interessant allenfalls für Leute, die wirklich Geld und das schon längst dem europäischen Fiskus entzogen haben, wie ihre griechischen und italienischen Kollegen das bereits praktizierten, und zusätzlich die Europäer aufforderten, ihren Ländern keine weiteren Kredite mehr einzuräumen. Die brauchen aber den Rat von Mirow nicht.
    Nein: Im Grunde genommen geht es hier um die dringende Korrektur einer erneuten politischen Eselei um die Jahrtausendgrenze, nämlich die Schaffung einer Währungszone gegen alle Regeln ökonomischer Vernunft, um eine politische Union zu erzwingen. Ich habe hier nicht den Eindruck, daß Mirow das bereits begriffen hat, es sei denn, er überspielt das sehr geschickt.

  • "Es müssen grundlegende Strukturen überhaupt erst aufgebaut werden. Es fehlt an einem funktionsfähigen Staatswesen."

    Herr Mirow haben Sie das jetzt schon gelernt oder wußte Sie dies schon unter Ihrer früheren Chefin? Weshalb haben Sie ihr das nicht im Vertrauten gesteckt?

    Wenn Sie Griechenland ein funktionsfähiges Staatswesen absprechen, wie konnte Griechenland dann dem Euro beitreten. Wie konnte Deutschland sich weiter verschulden um einem (mit Ihren Worten) nicht funktionsfähigen Staatswesen ein Überleben zu sichern.

    Wenn Sie so elementare Aussagen machen, wo nimmt Frau Merkel die Sicherheit her, dass der Staat mit dem gegebenen Geld vertrauensvoll umgehen kann?

    Ist eigentlich schon bekannt wie viel von dem Geld schon in der Schweiz gelandet ist?

  • Literaturempfehlung meinerseits

    Michael Lewis, The Big Short,derzeit Nr.1 Beststeller aus den USA.

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