Höhere Gebühren drohen Wie Banken ihren Betrieb finanzieren wollen

Die niedrigen Zinsen setzen Banken unter Ertragsdruck, die Zeche zahlen die Kunden. Und es drohen weitere Gebühren. Dabei stufen die Institute laut einer Umfrage ihre Geschäftsaussichten so positiv ein wie lange nicht.
Update: 12.06.2017 - 18:37 Uhr 3 Kommentare
Kostenfreie Girokonten werden immer seltener. Häufig knüpfen Banken Bedingungen an den Verzicht auf Gebühren. Quelle: dpa
Kontoführungsgebühren

Kostenfreie Girokonten werden immer seltener. Häufig knüpfen Banken Bedingungen an den Verzicht auf Gebühren.

(Foto: dpa)

FrankfurtNeue Gebühren für das Girokonto, Gebühren für Überweisungen, Gebühren für das Geldabheben, Negativzinsen für hohe Guthaben – viele Banken haben auf der Suche nach neuen Ertragsquellen in den vergangenen Monaten wenig unversucht gelassen. Und an dieser Strategie wird sich so schnell nichts ändern, wie das aktuelle „Bankenbarometer“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) zeigt, für das 120 deutsche Kreditinstitute befragt wurden.

Praktisch jedes dritte Institut hat danach in diesem Jahr die Gebühren für Privatkunden erhöht oder plant so eine Maßnahme. 27 Prozent der Befragten schraubten an den Gebühren für das Girokonto, 19 Prozent erhöhten die Kosten für Überweisungen und immerhin 16 Prozent der Befragten haben Gebühren für das Geldabheben eingeführt oder werden das noch tun.

„Alle Banken müssen sich Gedanken darüber machen, wie finanziere ich meinen Betrieb“, sagte Dirk Müller-Tronnier, der das Banken- und Kapitalmarktgeschäft von EY leitet, am Montag in Frankfurt. „Früher war es möglich, mit hohen Zinseinnahmen andere Dienstleistungen quer zu subventionieren – das geht im aktuellen Niedrigzinsumfeld nicht mehr“, ergänzte er. Die Banken müssten sich fragen, wie sie ihren Betrieb finanzieren wollten. Gebühren lägen da nahe.

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Europas Banken stecken in der Krise. Doch ein genauer Blick auf die Kennzahlen zeigt: Das gilt nicht für alle Institute. Im Vergleich von Nettogewinn, Eigenkapitalrendite und Eigenkapitalquote schneiden einige Institute deutlich besser ab als andere.

Besonders interessant ist dabei das Verhältnis zwischen Kurs und Buchwert pro Aktie (KBV). Der Wert offenbart, inwieweit der Börsenwert einer Bank mit den Aktiva, also den Werten in den Büchern der Bank, übereinstimmt. Bis auf drei Banken liegt das KBV bei allen Geldhäusern unter 1, drastisch fällt dieser Wert bei der Deutschen Bank aus. Ein KBV unter 1 bedeutet, dass sich die Aktionäre entweder von einer Zerschlagung der Bank mehr Geld versprechen würden als von der Fortführung des Geschäfts, – oder, dass sie den Qualitäten der Bilanzen, also der verzeichneten Aktiva, nicht vertrauen. Im Folgenden werden die Kennzahlen für die wichtigsten europäischen Banken dargestellt, sortiert nach den Nettogewinnen im 2. Quartal 2017. Aktienkurse vom 3. August 2017

Platz 10: Commerzbank
2 von 12

Nettoverlust: 643 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: –3,1 Prozent

Eigenkapitalquote: 13 Prozent

KBV (Aktienkurs vom Stichtag/Buchwert pro Aktie): 0,50

(Quelle: Bloomberg)

Platz 11: Barclays
3 von 12

Nettoverlust: 1.440 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: –4,6 Prozent

Eigenkapitalquote: 13,1 Prozent

KBV: 0,63

Platz 7: RBS
4 von 12

Nettogewinn: 791 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 5,6 Prozent

Eigenkapitalquote: 14,8 Prozent

KBV: 0,66

Platz 9: Credit Suisse
5 von 12

Nettogewinn: 280 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 4,4 Prozent

Eigenkapitalquote: 13,3 Prozent

KBV: 0,88

Platz 8: Deutsche Bank
6 von 12

Nettogewinn: 447 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 3,2 Prozent

Eigenkapitalquote: 14,1 Prozent

KBV: 0,48

Platz 5: Société Générale
7 von 12

Nettogewinn: 1.058 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 9,5 Prozent

Eigenkapitalquote: 11,7 Prozent

KBV: 0,65

Viele Finanzinstitute gehen ausgesprochen kreativ vor beim Schaffen neuer Einnahmequellen. Neuester Fall: die Volksbank Meerbusch. Diese bietet wie praktisch jede Bank Überziehungskreditlinien an. Auf den Betrag, mit dem Kunden ins Minus gerutscht sind, erhebt sie Zinsen. Soweit, so üblich. Aber wäre es nicht lukrativ, auch auf den nicht genutzten Kredit eine Gebühr zu erheben? Die Meerbuscher Volksbanker haben über ein solches Entgelt für die Nichtnutzung eines Kredits nicht nur ernsthaft nachgedacht – sondern es im Handumdrehen eingeführt.

Kunden bekommen aktuell Briefe, die sie auf das neue Entgelt hinweisen: Dieses beinhaltet demnach, dass „wir Ihnen die Kosten in Höhe von 0,15% p.M. für die Bereitstellung, bezogen auf den Teil der Kreditlinie, den Sie nicht nutzen, ab dem 01.06.2017 in Rechnung stellen müssen.“ Die Volksbank begründet das mit den „verschärften Anforderungen der Bankenaufsicht an die Eigenkapitalausstattung der Kreditinstitute“. Die „Kosten für die Bereithaltung von Krediten“ verteuerten sich „schon seit einiger Zeit unaufhaltsam“, schreibt die Genossenschaftsbank ihren Kunden.

Ob die Strategie, immer neue Entgelte einzuführen, erfolgreich sein kann, ist Müller-Tronnier von EY zufolge allerdings zumindest fraglich. Schließlich würden Banken damit auch riskieren, Kunden zu verlieren. Alternativen stehen Bankkunden nach wie vor offen: Immerhin sagen 68 Prozent der Umfrageteilnehmer von sich, dass sie die Gebühren für Privatkunden nicht angehoben haben und dies auch nicht tun wollen.

Auch auf das Kreditgeschäft hat die Suche nach Ertragsquellen der Umfrage zufolge Einfluss. Obwohl der Wettbewerb um Kunden in Deutschland sehr hart ist, rechnen immerhin ungefähr 40 Prozent der teilnehmenden Banken, dass sie die Konditionen für Firmen- und Immobilienkredite in diesem Jahr „nach oben“ anpassen werden. Eine Minderheit von sechs bis sieben Prozent rechnet damit, dass sie die Konditionen für die Kunden verbessern werden.

Wenn Bankenverbände über die Lage ihrer Klientel sprechen, dann betonen sie derzeit häufig die vielen Probleme, die immer neue Regulierungsvorhaben und die niedrigen Zinsen verursachen. Tatsächlich zählen das Risikomanagement, Kostensenkungen und die individuellen zusätzlichen Kapitalpuffer, die Bankenaufseher von den Kreditinstituten verlangen, eine wichtige Rolle für jeden Bankenchef.

Doch das ist für die Mehrzahl der Banker selbst bislang kein Grund für Depressionen. Im Gegenteil: Zu den überraschenden Resultaten der Umfrage zählt, dass die befragten Institute ihre Geschäftsaussichten so positiv eingestuft haben sie nie seit EY mit dem Bankenbarometer 2008 begonnen hat.

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3 Kommentare zu "Höhere Gebühren drohen: Wie Banken ihren Betrieb finanzieren wollen "

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  • Heute rächt sich das Geschäftsmodell vieler Banken, die aufgrund des Wettbewerbsdruck kein Geld für die Dienstleistung verlangten, dabei aber auf anderem Wege wie niedrige Einlagenzinsen, lange Überweisungslaufzeiten etc versucht haben, diese Einnahmen zu ersetzen. (mit einer stillschweigenden Übereinkunft der Branche) Durch das Niedrigzinsumfeld, die Regulierung und die Digitalisierung und diese Einnahmequellen ausgefallen und es steht zu befürchten, dass diese selbst bei einem höheren Zinsumfeld so wie früher zurückkommen werden. Die Kosten sind aber geblieben und auch nur zum Teil durch die Digitalisierung auffangbar, zumal über die Regulierung neue Kosten hinzukommen. Insofern wird den Banken gar nichts anderes übrigbleiben, als die Produkte richtig zu bepreisen und für Konten beispielsweise Gebühren zu verlangen. Das ist im Rest der Wirtschaft eigentlich nichts Ungewöhnliches. Allerdings haben die Banken ihre Kunden eben über die Jahre weis gemacht, dass Bankdienstleistungen gratis sind (was sie aufgrund der stillschweigenden Zusatzverdienste nie waren ). Das fällt ihnen jetzt auf die Füße

  • Da hilft nur noch eines, das Cum und Ex-Geschäft muß ieider staatlich gefördert werden.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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