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HSBC-Chef Noel Quinn im Interview „Es wäre unklug, für 2019 keine Abkühlung zu erwarten“

Der Interimschef der britischen HSBC will das Geldhaus als globale Unternehmerbank profilieren – und wirbt verstärkt um deutsche Konzerne und Mittelständler.
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Europas größte Bank erwartet in Deutschland ein starkes Wachstum. Quelle: AFP
HSBC-Zentrale in London

Europas größte Bank erwartet in Deutschland ein starkes Wachstum.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Dass Noel Quinn derart schnell auf dem Chefsessel der größten Bank Europas landet, hätte er wohl selbst nicht geglaubt. Im Juli traf er sich mit dem Handelsblatt zum Gespräch an der Düsseldorfer Königsallee, in den Räumen der deutschen HSBC Trinkaus. Quinn kam mit dem Rollkoffer aus London.

Als Chef des globalen HSBC-Firmenkundengeschäfts war er eine wichtige Figur. Dass er kurz darauf Interims-CEO werden sollte, hätte trotzdem niemand erwartet: So war Quinn nicht einmal Mitglied des Board of Directors. Am vergangenen Montag beförderte ihn der machtbewusste Verwaltungsratschef Mark Tucker dennoch an die Spitze, nachdem der alte CEO John Flint in Ungnade gefallen war.

Der abrupte Wechsel kam bei Investoren nicht gut an, aber Quinn dürfte es gelingen, die Wogen zu glätten. Der 57-jährige Brite mit irischen Wurzeln gilt als zupackend und nahbar. Die Handelsblatt-Fragen beantwortete er noch in seiner alten Rolle – zum Wechsel auf den Chefsessel und zur politischen Krise in Hongkong wollte er im Anschluss nicht erneut Stellung nehmen.

Seine Vision einer HSBC als globaler „Unternehmerbank“ zeigt jedoch, wohin das Institut unter seiner Führung expandieren dürfte. Eines der ersten Ziele: der deutsche Mittelstand.

Das komplette Interview lesen Sie hier:

Herr Quinn, wie sieht Ihre Zukunftsstrategie für HSBC aus?
Unsere Strategie ist, die führende internationale Unternehmensbank zu sein. Es gibt andere Häuser, die zu Recht behaupten, eine internationale Bank zu sein. Wenn Sie sich aber deren Kundenstamm anschauen, sehen Sie nur eine begrenzte Reichweite.

Das müssen Sie erklären.
Diese anderen Banken kümmern sich um die Spitze des Eisbergs, um globale Unternehmen mit einem Jahresumsatz von einer Milliarde Dollar, fünf Milliarden Dollar oder darüber. Wir kümmern uns um ein sehr viel breiteres Band an Kunden. Wir können global jeden Kunden mit einem Umsatz ab 100 Millionen Dollar betreuen. Das macht uns einzigartig. Wir sind sehr viel tiefer im Unternehmenslager verankert als die meisten Wettbewerber.

Der Interims-Chef setzt strategisch auf das Firmenkundengeschäft. Quelle: HSBC
Noel Quinn

Der Interims-Chef setzt strategisch auf das Firmenkundengeschäft.

(Foto: HSBC)

Viele deutsche Mittelständler denken über Zukäufe oder einen Börsengang nach, Sie sind im Aktiengeschäft und bei M&A jedoch nicht unter den führenden Banken. Wie können Sie da Marktanteile gewinnen?
Noch einmal: Unser Ziel ist, die führende internationale Unternehmerbank zu sein. Daher versuchen wir gar nicht erst, den reinen Investmentbanken bei den Transaktions-Ranglisten hinterherzulaufen. Wir wollen nicht nur deshalb bei Deals dabei sein, um in den Vergleichstabellen aufzutauchen. Was wir wollen, ist, alle Bedürfnisse unserer Kunden zu erfüllen, und nicht, die führende internationale M&A-Bank zu sein. Wir bieten bereits heute viele Produkte an, aber ja, es gibt noch mehr zu tun. Gerade aktuell schauen wir uns zum Beispiel in Deutschland eine umfangreiche Liste an Unternehmen an, Name für Name, mit denen wir in einen tieferen Dialog eintreten wollen.

Erwarten Sie denn, angesichts der Schwäche der deutschen Großbanken hierzulande neue Kunden zu gewinnen?
Ich kann mit einiger Befriedigung sagen, dass wir unter dem Strich Kunden gewinnen. Wir gewinnen zunehmend an Geschäftsvolumen. Das ist eine Folge unserer Stabilität im Vergleich zu unseren Wettbewerbern. Natürlich versuchen wir, wie übrigens jeder Spieler in einem kompetitiven Markt, Geschäft von unseren Konkurrenten zu gewinnen. Seit 2013 haben wir zum Beispiel unser globales Geschäft mit deutschen Kunden um 19 Prozent gesteigert – pro Jahr. Innerhalb von sechs Jahren haben wir so unsere globalen Erträge mit deutschen Kunden verdoppelt.

Hilft Ihnen dabei auch die Schwäche der Konkurrenz? Die Deutsche Bank zum Beispiel wird unter ihrem neuen Chef Christian Sewing deutscher und zieht sich aus globalen Märkten zurück.
Die Entwicklung einzelner Wettbewerber kommentiere ich nicht. Aber was ich sagen kann, ist, dass ich stolz bin, dass wir die führende internationale Unternehmensbank bleiben werden. Das unterscheidet uns von der Konkurrenz. Wir haben seit Jahren ein stabiles Geschäftsmodell, das uns ermöglicht, in unser Business zu investieren, uns auf Wachstum und unsere Kunden zu konzentrieren. Das hat uns im Vergleich zu unseren Wettbewerbern in eine starke Position gebracht.

Nur wenige kennen Europas größte Bank so gut wie Sie. Wie hat sich HSBC in den vergangenen 30 Jahren verändert?
Die HSBC von vor 30 Jahren war sehr viel asienzentrierter. Heute hat HSBC einen breiteren geografischen Fokus. Wir sind nun in Lateinamerika aktiv, in Europa, verstärkt im Nahen Osten. Vor 30 Jahren hatte HSBC kein Retail-Geschäft in Großbritannien, bis wir 1992 die Midland Bank kauften. Gleiches gilt für Frankreich, wo wir 2000 CCF übernommen haben, oder Mexiko, wo wir 2002 Bital gekauft haben. Unsere Reichweite ist heute sehr viel globaler.

Welche Zukunftsprojekte verfolgen Sie für die kommenden Jahre?
Unsere Top-Priorität ist die Digitalisierung, sind Investitionen in unsere Systeme und Prozesse. Wir haben ein großes Investitionsprogramm in der Transaktionsbank aufgesetzt. Damit verbessern wir unsere digitalen Plattformen, um unsere Kunden besser zu betreuen, Neukunden schneller zu integrieren und den KYC-Prozess zur Kundenidentifizierung und Geldwäscheprävention zu vereinfachen.

JP Morgan hat schon eine eigene Kryptowährung aufgelegt, Goldman Sachs wendet sich per App an Endkunden. Ist HSBC nicht ziemlich spät dran?
Nein. Wir haben zum Beispiel schon vor 25 Jahren begonnen, das Onlinebanking für Firmenbuchhalter zu digitalisieren. In unsere digitale Corporate-Banking-Plattform HSBC Net haben wir soeben 300 Millionen Dollar investiert. Nun bieten wir das beste Onlinebanking für Buchhalter und Finanzchefs weltweit. Diese können auf einer globalen Plattform ihre gesamte Liquidität managen, ihren Bargeld- und Devisenbestand, und das per Desktop-PC oder Smartphone.

Wird es einen „HSBC Coin“ geben?
Als Institution werden wir keine Kryptowährung auflegen. Die Macht der Blockchain liegt in der Technologie, nicht in virtuellen Münzen. Geld rund um die Erde zu schicken ist einfach. Aber Informationen um die Erde zu schicken, den Papierkram, der die Transaktionen validiert, das ist die eigentliche Herausforderung.

Macht Ihnen die wachsende Gefahr von Handelskriegen Sorgen? Manche Beobachter sehen schon eine „Ära der Deglobalisierung“ heraufziehen angesichts eines US-Präsidenten, der sein Land im Konflikt mit der Welt sieht, und Abschottungsbemühungen in vielen Ländern.
Wir bei HSBC glauben nach wie vor an die segnungsreichen Kräfte des freien Handels. Und wir glauben, dass dieser große Vorteile für die Weltwirtschaft mit sich bringt. Daher sind wir starke Befürworter einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der globalen Handelsarchitektur. Letztere steht aktuell vor einigen Herausforderungen, und das wissen wir. Aber wir glauben nicht, dass die Vorteile des freien Handels so schnell verschwinden werden. Schon heute sind die nationalen Volkswirtschaften eng miteinander verflochten. Hier das Rad zurückzudrehen, wieder hin zu einem rein innerstaatlichen Handel, wird nicht gelingen.

Aber versucht nicht zum Beispiel China, die Handelsnation Nummer eins, sich weniger abhängig von der Welt zu machen?
China versucht derzeit, seine heimische Wirtschaft zu stärken, das ist richtig. Aber das ist ein ganz normaler Prozess in der ökonomischen Entwicklung. China ist weiterhin ein wichtiger Spieler des Welthandels, und zwar in beiden Richtungen: als zunehmender Importmarkt, schließlich wird das chinesische Wachstumsmodell immer stärker durch die Konsumentennachfrage getrieben. Und auch weiterhin als starker Exporteur.

Aber die globalen Aussichten verdüstern sich doch zunehmend – auch angesichts von Protektionisten, die rund um die Welt Zuspruch finden?
Es wäre unklug, für 2019 keine Abkühlung des Welthandels zu erwarten. Es gibt zu viele Spannungen im globalen Handel und innerhalb der globalen Politik, die nicht ohne Folgen für die Weltwirtschaft bleiben werden. Schon heute verlangsamt sich die Geschwindigkeit des globalen Handels. Bis vor Kurzem ist dieser doppelt so schnell gewachsen wie das Weltsozialprodukt. Nun wächst er eher im selben Tempo.

Was bedeutet das für HSBC?
Keine Institution, die stark in der Handelsfinanzierung involviert ist, ist immun gegenüber Handelsspannungen und -kriegen. Es wäre naiv zu denken, dass diese Entwicklungen keine Folgen für uns haben.

Könnte der Brexit einen Strich durch die weiteren Pläne in Europa machen? Ist ein Hard Brexit nun wahrscheinlicher, jetzt, da Boris Johnson, einer der größten „Brexiteers“, Premierminister ist?
Es wäre unklug für mich, jetzt den wahrscheinlichsten Ausgang des Brexits vorhersagen zu wollen. Was ich betonen will: Wir sind bereit für egal welches Brexit-Ergebnis. Wir sind vorbereitet auf einen Hard Brexit, einen geordneten Brexit oder auch eine Absage des Brexits. Wir haben uns so positioniert, dass wir unsere Kunden unabhängig vom Ergebnis betreuen können. Entweder durch unsere Banken, die wir bereits auf dem europäischen Kontinent betreiben. Oder, falls der Brexit ausfällt, im Rahmen unserer heutigen Struktur.

Herr Quinn, vielen Dank für das Interview.

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