HSBC Trinkaus Deutsche HSBC rechnet mit sinkendem Gewinn

HSBC Deutschland stellt sich auf härtere Zeiten ein. Die Chefin rechnet mit sinkenden Gewinnen – Grund ist ein Investitionsprogramm.
Update: 22.02.2018 - 15:18 Uhr Kommentieren
Deutsche HSBC-Chefin von Schmettow: „Rechnen mit weniger Gewinn“ Quelle: dpa
HSBC-Deutschland-Zentrale in Düsseldorf

HSBC Trinkaus gehört zur britischen Großbank HSBC.

(Foto: dpa)

DüsseldorfCarola von Schmettow nimmt kein Blatt vor den Mund. Die Vorstandschefin des Düsseldorfer Geldinstituts HSBC Trinkaus dämpfte bei der Bilanz-Pressekonferenz am Donnerstag die Erwartungen. 2017 sei für ihre Bank ein insgesamt erfolgreiches Jahr gewesen, allerdings habe das Niedrigzinsumfeld „mehr als in den Folgejahren zu schaffen gemacht“. 2018 könnte der Vorsteuergewinn sogar um durchaus zehn Prozent sinken, so die Gräfin.

Auf den ersten Blick legt HSBC Deutschland eine starke Bilanz vor: Die Bank hat Anteile auf dem hart umkämpften deutschen Markt gewonnen. Der Jahresgewinn vor Steuern stieg auf 251 Millionen Euro (2016: über 229 Millionen Euro).

Das Nachsteuerergebnis ist ebenfalls auf über 172 Millionen Euro (2016: 155 Millionen Euro) gewachsen, ein neuer Rekordwert in der eigenen Geschichte. Die Kernkapitalquote stieg auf 12,7 Prozent, womit die Bank gut gerüstet in die Zukunft geht. Besonders erfreulich ist die Eigenkapitalrendite vor Steuern von unverändert 11,8 Prozent – ein Wert, nach dem sich zahlreiche Konkurrenten sehnen dürften.

Blickt man ins Zahlenwerk, zeigen sich aber auch die Baustellen. Vor allem der Rückgang des Zinsüberschuss' belastet das Ergebnis, er sinkt auf 197 Millionen Euro (minus 6,4 Prozent). Hier schlagen die Niedrigzinsen und die harte Konkurrenz im Kreditgeschäft voll durch, nachdem der Überschuss im ersten Halbjahr noch konstant gehalten werden konnte. Während die HSBC hohe Kundeneinlagen aufweist und hier die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank nur begrenzt weitergeben kann, schöpfen die Kunden ihre Kreditlinien nicht einmal zur Hälfte aus.

Kompensiert wird das zum einen durch das Wertpapier-Handelsgeschäft, hier verzeichnet HSBC wie die Konkurrenz aufgrund volatilerer Märkte ein Plus von 6,6 Prozent und einen Überschuss von 83 Millionen Euro. Zum anderen konnte auch der Provisionsüberschuss gesteigert werden auf starke 482 Millionen Euro (plus 1,7 Prozent). Er umfasst die Gebühren der Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden sowie die Provisionen aus der Unternehmenskundenbetreuung. Der Verwaltungsaufwand (Sach- und Personalkosten) sank leicht.

„Mit unserem Provisionsüberschuss belegen wir einen Platz unter den zehn größten Banken in Deutschland“, erklärte von Schmettow, die die deutsche HSBC konsequent auf die Beratung von Mittelständlern und Großkonzernen mit Auslandsgeschäft getrimmt hat. „Doch selbst hier geben unsere Zahlen die Position nur unzureichend wieder.“ Denn das Gros des Geschäfts, das die eigenen Kunden im Ausland machten, tauche in den deutschen Zahlen nicht auf. Verbucht werde es vielmehr bei den Auslandstöchtern der HSBC-Mutter. Im Mittelstandsgeschäft sank der deutsche Provisionsüberschuss sogar – ein Warnsignal.

Bauchschmerzen dürften den Düsseldorfern neben dem sinkenden Zinsüberschuss vor allem zwei Effekte bereiten. Zum einen musste die Risikovorsorge sprunghaft gesteigert werden von rund vier auf knapp 24 Millionen Euro, Grund dafür sind zwei deutliche Wertberichtigungen. Zum anderen glänzt der Rekordgewinn deutlich weniger, rechnet man einen Sondereffekt heraus. 2017 hatte sich die HSBC von Finanzbeteiligungen getrennt. Der einmalige Veräußerungsgewinn betrug 35 Millionen Euro. Ohne ihn sinkt das Vorsteuerergebnis auf rund 216 Millionen Euro, was deutlich unter dem Vorjahreswert liegt.

Für 2018 rechnet die Bank bereits mit sinkenden Gewinnen. Grund sei ein großes Investitionsprogramm: Mehr als 100 Millionen Euro will die HSBC unter anderem in die IT investieren, um 2020 die Wertpapierabwicklung für die Commerzbank zu übernehmen.

Von dem großen Outsourcing-Deal versprechen sich die Düsseldorfer eine neue stabile Einnahmequelle im zweistelligen Millionenbereich. Zunächst kostet er jedoch Geld. Insgesamt will HSBC über 200 Leute neu einstellen, davon über 100 in Krakau. Zudem soll das eigene Kernbankensystem erneuert werden.

Trotz der teuren Investitionen soll die Dividende konstant bleiben. Ob das gelingt, wird sich 2018 zeigen. Mit erneuten Beteiligungsverkäufen werden die Düsseldorfer ihr Ergebnis nicht aufpäppeln können: Die in der Vergangenheit aufgebauten Finanzbeteiligungen sind fast vollständig verkauft. Zwar besitzt die Bank laut dem Vorstand noch Beteiligungen über 34,5 Millionen Euro, diese seien jedoch „betriebsbedingt notwendig“ und würden nicht offengelegt.

Die deutsche HSBC ist gemessen an der Bilanzsumme von rund 24 Milliarden Euro ein kleines Institut (die Deutsche Bank kommt auf knapp 1,5 Billionen Euro), hat als Teil der weltweiten HSBC-Gruppe aber Zugriff auf ein großes Netzwerk. Der Mutterkonzern wurde 1865 als Hongkong & Shanghai Banking Corporation gegründet und ist heute nach Marktkapitalisierung die größte Bank Europas. Sie hält knapp 81 Prozent an der deutschen Tochter. Die Landesbank Baden-Württemberg besitzt knapp 19 Prozent, der kleine Rest befindet sich in Streubesitz.

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