HSBC und die Standortfrage Geht die britische Großbank von der Insel?

Die britische Großbank HSBC will bis zum Jahresende entscheiden, ob sie ihre Londoner Zentrale verlegt. Infrage kommen Standorte weit entfernt von Europa. Auch auf den britischen Finanzminister Osborne kommt es an.
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Die Großbank stellt die Standortfrage. Quelle: ap
HSBC in London

Die Großbank stellt die Standortfrage.

(Foto: ap)

LondonDie Wunschliste ist lang: Der ideale Standort für das HSBC-Hauptquartier müsse Unternehmen ein faires und wettbewerbsfähiges Steuersystem bieten, politische Stabilität sowie eine Regierung, die den Finanzsektor fördert. Die künftige Heimat sollte zudem so attraktiv sein, dass man die talentiertesten Mitarbeiter anziehen könne, und über eine Finanzaufsichtsbehörde verfügen, die globale Standards förderte.

Insgesamt hat HSBC am Dienstagvormittag bei einer Investorentagung elf Kriterien vorgestellt, die bei der Entscheidung, wohin die britische Großbank künftig ihre Zentrale verlegen könnte, eine Rolle spielen sollen. Bis zum Jahresende will das Geldhaus eine Entscheidung treffen. „Um den eigentlichen Umzug des Hauptquartiers danach über die Bühne zu bringen, werden wir weitere zwei Jahre brauchen“, sagte HSBC-Chef Stuart Gulliver.

Die Bank hat Ende April die möglichen Umzugspläne offiziell gemacht und dies unter anderem mit den zunehmenden Regulierungsauflagen in Großbritannien begründet. Die Regulierung fällt auf der Insel deutlich strenger aus als andernorts. Bankenmanagern drohen bei massiven Fehltritten Gefängnisstrafen. Doch das allein ist es nicht, was das Geldinstitut wegtreibt.

Die Bank würde wohl gerne den Ärger, den ihr die Affäre um die dubiosen Steuervermeidungsgeschäfte ihrer Schweizer Tochter in der Heimat beschert hat, hinter sich lassen, ebenso wie die ständige Kritik an den üppigen Boni und die Bankenabgabe. Diese lag zuletzt für HSBC bei knapp 670 Millionen Pfund (umgerechnet rund 910 Millionen Euro). Die Bank macht den Großteil ihres Geschäfts außerhalb von Großbritannien und hat bereits von einigen Jahren damit gedroht, London den Rücken zu kehren. Bisher hat das Geldhaus dies aber nicht wahr gemacht.

Die wertvollsten Namen der Bankenwelt
Platz 10: Banco Santander
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Die spanische Großbank Santander eröffnet das Ranking der wertvollsten Bankenmarken der Welt. Die Auswertung für das vergangene Jahr lieferte das Magazin „The Banker“. Bei der Bewertung der Marke spiele besonders der Geschäftsausblick (Gewinnprognose) und die Wahrnehmung von Risiken eine entscheidende Rolle. Viele Institute arbeiten an ihrem Markenwert, der sich nicht nur in Kundenvertrauen widerspiegelt, sondern auch in Eigenständigkeit und Innovation. Sprich: Eine starke Marke fällt im Wettbewerb auf. Die Spanier kommen auf einen Markenwert von 18,7 Milliarden US-Dollar, sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Das Markenrating ist AAA-.

Platz 9: Bank of China
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Die Bank of China zählt zu den vier riesigen Staatsbanken der Volksrepublik. Ihr Umsatz liegt bei über 300 Milliarden Yuan im Jahr. Das entspricht grob 40 Milliarden Euro. Im Boomland China haben die regulierten Institute reichlich zu tun. Die Bank of China wird zudem vom Finanzstabilitätsrat als systemrelevant überwacht und muss strenge Auflagen erfüllen. Der Markenwert beträgt rund 20,4 Milliarden Dollar, 22 Prozent mehr als zuletzt.

Platz 8: Agricultural Bank of China
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Die teilverstaatlichte chinesische Bank ist eine der größten ihrer Art. Die ABC hat schätzungsweise 320 Millionen Privatkunden und etwa 2,7 Millionen Geschäftskunden. Fast eine halbe Million Menschen arbeitet in knapp 24.000 Filialen. 2010 sammelte die Bank mit ihrem Börsengang 22,1 Milliarden Dollar ein. Ihr Markenwert beträgt 22,7 Milliarden Dollar, ein Plus von 28 Prozent.

Platz 7: JP Morgan Chase
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First, we take Manhattan: JP Morgan Chase sitzt in New York und ist nach Marktkapitalisierung die größte Bank der USA und nach Eigenkapital das zweitgrößte Finanzinstitut der Welt. Den Markenwert können da auch die hohen Handelsverluste – also Fehlspekulationen – aus dem Jahr 2012 nicht nachhaltig schmälern. Die Marke Chase ist rund 24,8 Milliarden Dollar schwer. Der Zuwachs beträgt sieben Prozent.

Platz 6: Bank of America
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25,7 Milliarden Dollar beträgt der Markenwert der Bank of America – noch, muss man sagen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Minus von vier Prozent. Das Fachmagazin „The Banker“, was die BoA 2008 noch als wertvollste Bankmarke führte, bescheinigt dem Finanzriesen, nach Eigenkapital das größte Institut seiner Art zu sein. Auch die Bank of America darf sich über das Prädikat „systemrelevant“ freuen – das stärkt natürlich das Markenvertrauen.

Platz 5: Citi
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Wie die BoA gehört auch die Citigroup zu den „Big Four“ der US-Banken. Zuletzt lag die Bilanzsumme des Riesen bei 1,88 Billionen Dollar, der Umsatz 76,4 Milliarden. Sie ahnen es – systemrelevant, streng kontrolliert. Der Markenwert beträgt 26,2 Milliarden Dollar, was einem Plus von sieben Prozent entspricht.

Platz 4: China Construction Bank
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China wächst buchstäblich in den Himmel. In den zahlreichen Millionenmetropolen kommen mit dem Industrie-Boom auch die Wolkenkratzer. Der Bauwirtschaft kommt das gelegen – und damit der China Construction Bank, die rund 27 Prozent aller Baukredite im Reich der Mitte vergibt. Der Markenwert liegt bei 26,4 Milliarden Dollar. Das sind stolze 39 Prozent mehr als im Vorjahr.

Als neuen Standort für die Zentrale zieht HSBC die alte Heimat Hongkong in Betracht und auch Länder wie die USA, Kanada und Singapur. Erst 1993 zog die 1865 in Hongkong gegründete Bank (das Kürzel HSBC steht für Hongkong and Shanghai Banking Corporation) nach der Übernahme der britischen Midland Bank nach London um. Investoren und Analysten gehen daher davon aus, dass ein Umzug nach Hongkong das wahrscheinlichste Szenario darstellt.

Einige Beobachter erwarten jedoch, dass der britische Finanzminister George Osborne möglicherweise mit einer für Mittwoch erwarteten Ankündigung die HSBC-Führung milde stimmen und die Chancen für eine Verlegung der Zentrale senken könnte. Medienberichten zufolge wird Osborne bei einem traditionellen Banker-Bankett am Mittwochabend ankündigen, dass er die Bankenabgabe überprüfen lassen und künftig nicht mehr für eine weitere Verschärfung der Finanzmarktregulierung plädieren wird.

Am Morgen hatte die Bank bereits bekanntgegeben, insgesamt 50.000 Stellen streichen zu wollen. Bei einem Investorentreffen am Dienstag nächster Woche sollen weitere Einschnitte verkünden werden, um die Kosten zu senken sowie Steuerung und Kontrolle der Bank zu vereinfachen.

Investoren konnte die Großbank indessen nicht überzeugen. Der Kurs von Europas größtem Geldhaus sank am Dienstag um bis zu 1,4 Prozent auf ein Vier-Wochentief von 610,80 Pence und entwickelte sich damit schlechter als der europäische Bankenindex. Den meisten Analysten gingen die Einschnitte nicht weit genug.

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1 Kommentar zu "HSBC und die Standortfrage : Geht die britische Großbank von der Insel?"

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  • Danach sollte man HSBC alle Möglichkeiten nehmen in der EU Geschäfte zu tätigen. Diese Verbrecher haben für Terroristen Geld gewaschen

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