HSBC und Standard Chartered Großbanken prüfen Abschied aus London

Unmut über steigende Steuern: Europas größtes Geldhaus HSBC und die Großbank Standard Chartered denken laut über eine Verlegung ihrer Konzernzentralen nach. Beide Institute haben ihren Hauptsitz derzeit in London.
Update: 24.04.2015 - 15:39 Uhr Kommentieren
Die Großbanken HSBC und Standard stellen London als Hauptsitz in Frage. Quelle: dpa
Unmut über steigende Steuern in Großbritannien

Die Großbanken HSBC und Standard stellen London als Hauptsitz in Frage.

(Foto: dpa)

LondonDie in London ansässigen Großbanken HSBC und Standard Chartered drohen angesichts steigender Steuern in Großbritannien mit einer Verlegung ihrer Konzernzentralen. Aus Verärgerung über die wachsenden Abgaben haben Aktionäre einen Umzug ins Gespräch gebracht, beide Institute machen den Großteil ihrer Geschäfte in Asien. Bei HSBC, Europas größtem Geldhaus, wurde das Thema wegen der Jahreshauptversammlung am Freitag akut: Das Management werde prüfen, wo der Hauptsitz unter den neuen Bedingungen am besten angesiedelt werden könne, versprach der Verwaltungsratsvorsitzende Douglas Flint.

Beobachter halten im Fall eines Umzugs eine Rückkehr von HSBC nach Hongkong für naheliegend, wo das Institut vor rund 150 Jahren gegründet wurde. Es zog 1993 nach London, als es die Midland Bank übernahm. Standard Chartered hat seit der Fusion der Traditionsbanken Standard und Chartered im Jahr 1969 die Zentrale in der britischen Hauptstadt. Chartereds Geschichte begann im 19. Jahrhundert in Asien. Kandidat für einen neuen Hauptsitz von Standard Chartered dürfte Singapur sein, wo schon jetzt die meisten Geschäfte getätigt werden.

Die wertvollsten Namen der Bankenwelt
Platz 10: Banco Santander
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Die spanische Großbank Santander eröffnet das Ranking der wertvollsten Bankenmarken der Welt. Die Auswertung für das vergangene Jahr lieferte das Magazin „The Banker“. Bei der Bewertung der Marke spiele besonders der Geschäftsausblick (Gewinnprognose) und die Wahrnehmung von Risiken eine entscheidende Rolle. Viele Institute arbeiten an ihrem Markenwert, der sich nicht nur in Kundenvertrauen widerspiegelt, sondern auch in Eigenständigkeit und Innovation. Sprich: Eine starke Marke fällt im Wettbewerb auf. Die Spanier kommen auf einen Markenwert von 18,7 Milliarden US-Dollar, sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Das Markenrating ist AAA-.

Platz 9: Bank of China
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Die Bank of China zählt zu den vier riesigen Staatsbanken der Volksrepublik. Ihr Umsatz liegt bei über 300 Milliarden Yuan im Jahr. Das entspricht grob 40 Milliarden Euro. Im Boomland China haben die regulierten Institute reichlich zu tun. Die Bank of China wird zudem vom Finanzstabilitätsrat als systemrelevant überwacht und muss strenge Auflagen erfüllen. Der Markenwert beträgt rund 20,4 Milliarden Dollar, 22 Prozent mehr als zuletzt.

Platz 8: Agricultural Bank of China
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Die teilverstaatlichte chinesische Bank ist eine der größten ihrer Art. Die ABC hat schätzungsweise 320 Millionen Privatkunden und etwa 2,7 Millionen Geschäftskunden. Fast eine halbe Million Menschen arbeitet in knapp 24.000 Filialen. 2010 sammelte die Bank mit ihrem Börsengang 22,1 Milliarden Dollar ein. Ihr Markenwert beträgt 22,7 Milliarden Dollar, ein Plus von 28 Prozent.

Platz 7: JP Morgan Chase
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First, we take Manhattan: JP Morgan Chase sitzt in New York und ist nach Marktkapitalisierung die größte Bank der USA und nach Eigenkapital das zweitgrößte Finanzinstitut der Welt. Den Markenwert können da auch die hohen Handelsverluste – also Fehlspekulationen – aus dem Jahr 2012 nicht nachhaltig schmälern. Die Marke Chase ist rund 24,8 Milliarden Dollar schwer. Der Zuwachs beträgt sieben Prozent.

Platz 6: Bank of America
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25,7 Milliarden Dollar beträgt der Markenwert der Bank of America – noch, muss man sagen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Minus von vier Prozent. Das Fachmagazin „The Banker“, was die BoA 2008 noch als wertvollste Bankmarke führte, bescheinigt dem Finanzriesen, nach Eigenkapital das größte Institut seiner Art zu sein. Auch die Bank of America darf sich über das Prädikat „systemrelevant“ freuen – das stärkt natürlich das Markenvertrauen.

Platz 5: Citi
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Wie die BoA gehört auch die Citigroup zu den „Big Four“ der US-Banken. Zuletzt lag die Bilanzsumme des Riesen bei 1,88 Billionen Dollar, der Umsatz 76,4 Milliarden. Sie ahnen es – systemrelevant, streng kontrolliert. Der Markenwert beträgt 26,2 Milliarden Dollar, was einem Plus von sieben Prozent entspricht.

Platz 4: China Construction Bank
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China wächst buchstäblich in den Himmel. In den zahlreichen Millionenmetropolen kommen mit dem Industrie-Boom auch die Wolkenkratzer. Der Bauwirtschaft kommt das gelegen – und damit der China Construction Bank, die rund 27 Prozent aller Baukredite im Reich der Mitte vergibt. Der Markenwert liegt bei 26,4 Milliarden Dollar. Das sind stolze 39 Prozent mehr als im Vorjahr.

Ein Standard-Sprecher sagte, es gebe zwar keine konkreten Umzugspläne. Der Konzernsitz in Großbritannien stehe aber schon länger auf dem Prüfstand. Man werde der Meinung der Aktionäre Gehör schenken, nachdem die Bankensteuer unlängst abermals erhöht worden war. Auch werde genau beobachtet, ob eine weitere Anhebung geplant wird.

Für beide Institute zusammen wird dieses Jahr eine Abgabe von rund zwei Milliarden Dollar fällig, 2014 waren es noch 1,5 Milliarden. Die Bankensteuer wurde 2010 eingeführt, um die Institute an den durch die Finanzkrise ausgelösten Kosten für die öffentliche Hand zu beteiligen. Die Steuer wurde seitdem acht Mal erhöht. London ist der größte Finanzplatz Europas, was mitunter die Politik der britischen Regierung in EU-Regulierungsfragen stark beeinflusst.

Ein HSBC-Investor sagte, es handele sich bei den Überlegungen nicht nur um Säbelrasseln. Die Bank wolle deutlich machen, dass die Zentrale nicht zwangsläufig in London sein müsse.

Die Aussicht auf längerfristige Einsparungen bei einem Umzug trieb HSBC-Aktien rund drei Prozent in die Höhe. Analysten zufolge dürfte ein Umzug zunächst jedoch bis zu 2,5 Milliarden Dollar kosten. Standard-Chartered-Papiere lagen 0,9 Prozent im Plus.

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