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Hurrikan Katrina und die Folgen für die Rückversicherer Monte Carlo und das Spiel mit dem Risiko

Das Wetter passt: Wolkenbruchartiger Regen, dann klärt es allmählich auf und die Sonne über der Cote d’Azur legt die Bausünden des engen Fürstentums von Monaco schonungslos offen. Die Versicherungsmanager stört das nicht, die vom nahen Flughafen Nizza mit Helikoptern in Monte Carlo einschwirren. Minütlich werden es mehr. Seit 49 Jahren das gleiche Schauspiel. Doch diesmal liegt ein milliardenschwerer Schatten über dem Treffen.
  • Rita Lansch (Handelsblatt)

HB MONTE CARLO.Die Branche gibt sich äußerlich gewohnt locker: T-Shirt und Sonnenbrille statt Anzug und Krawatte. Doch manchen steht das Wasser bildlich bis zum Hals; nicht das verlockend glitzernde Mittelmeer, sondern die ölverseuchte Brühe in New Orleans. Hurrikan „Katrina“ und seine nachfolgenden Fluten dominieren die ganze Woche lang die Gespräche beim traditionellen Ausflug der Rückversicherungsfamilie zum so genannten „Rendezvous de Septembre“.

Rund um das Casino lecken sie sich gegenseitig ihre Wunden – ohne zu wissen, wie tief die tatsächlich sind. Die aktuellen Schätzungen der Experten reichen von 40 bis 60 Mrd. Dollar. Vor einer Woche sollten die Versicherungsschäden noch auf 20 bis 30 Mrd. Dollar begrenzt sein. Mit der Spanne wächst die Unsicherheit. Und die ist überall greifbar in diesen Tagen – auf den Pressekonferenzen der mächtigsten Versicherungskonzerne der Welt ebenso wie bei den großen Ratingagenturen oder auf den abendlichen Cocktailempfängen in den Nobelhotels rund um das Casino. Die bange Frage, wen hat es wie hart und wen am stärksten getroffen, bleibt so ungeklärt wie die Situation am Golf von Mexiko.

Erst nach und nach schmelzen die Ängste in der monegassischen Sonne. Dann geht der Verhandlungsmarathon schon zu Ende. Die Helikopter schwärmen wieder Richtung Nizza aus, die Insassen sind etwas zuversichtlicher als beim Hinflug. Zwar ist am Ende des Rendezvous keiner schlauer als zuvor, doch die Überzeugung eint sie: Gemeinsam meistern wir auch diese Katastrophe.

Gerade wegen der Psychologie sind Treffen wie dieses allen modernen Kommunikationsmitteln zum Trotz nicht mehr wegzudenken. Das Versicherungsgeschäft ist schließlich ähnlich stimmungsabhängig wie die Börse. Jeder kennt jeden. Die Welt der Rückversicherer ist kleiner als die reichlich 170 Mrd. Dollar Jahresumsatz vermuten lassen. Rückversicherer versichern nicht nur ihre Kunden, die so genannten Erst-Versicherer (die mit den Endkunden Policen abschließen), sondern zum Teil auch ihre eigene Konkurrenz. Fällt ein Glied in der Kette aus, droht eine Art Domino-Effekt.

So geschehen zuletzt vor genau vier Jahren, als Terroristen das World Trade Center in New York angriffen und anschließend noch eine Kapitalmarkt-Krise auslösten. Das zwang einzelne Versicherer zum Aufgeben, was dann wiederum deren Kunden mitriss und zum Teil in arge Finanznot brachte. Die Ratingagenturen haben damals fast die komplette Rückversicherungsbranche zurückgestuft.

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