Hypo-Vereinsbank-Chef Weimer „Deutschland schießt sich selber ins Knie“

Hypo-Vereinsbank-Chef Theodor Weimer lässt Dampf ab: Auf die deutschen Banken kämen härtere Zeiten zu als gedacht. Schuld seien die schärferen Vorschriften der Regulierer, die viele kleine Banken kaputt machen würden.
18 Kommentare
Theodor Weimer, Vorstandsvorsitzender der Hypo-Vereinsbank, spricht Klartext. Quelle: dpa

Theodor Weimer, Vorstandsvorsitzender der Hypo-Vereinsbank, spricht Klartext.

(Foto: dpa)

FrankfurtAuf die Banken in Deutschland kommen aus Sicht von Hypo-Vereinsbank-Chef Theodor Weimer harte Zeiten zu. Die schärferen Vorschriften der Regulierer würden die Institute empfindlicher treffen als bekannt, sagte der HVB-Chef am Freitag bei einer Diskussionsrunde in Frankfurt. „Die Kosten sind exorbitant und werden das Geschäft verändern. Viele kleine Banken machen wir mit der Regulatorik und den IT-Anforderungen kaputt - das können die nicht mehr leisten.“

Auch große europäische Institute werden nach seiner Einschätzung nicht mehr so profitabel sein wie in früheren Jahren, da sie mehr Eigenkapital vorhalten müssen und kaum noch riskante Geschäfte eingehen. „Ich gehe davon aus, dass Banken strukturell nicht mehr als zehn bis zwölf Prozent Eigenkapitalrendite nach Steuern generieren können“, sagte Weimer. Die Unicredit-Tochter HVB, die im vergangenen Jahr mit einem Überschuss von 1,3 Milliarden Euro so viel Gewinn einfuhr wie keine andere Privatbank in Deutschland, sei von solchen Werten derzeit aber noch weit entfernt.

Die HVB habe Kapitalkosten von etwa zwölf Prozent, verdiene aber keine zwölf Prozent, sagte Weimer. „Ich zerstöre jedes Jahr - als ziemlich profitable Bank - 'shareholder value' in großem Maße. Das wird auf Jahre so sein und da bin ich nicht alleine damit.“ Eigentlich ist es die Aufgabe des Managements, den Gesamtwert des Unternehmens und damit auch das Aktionärsvermögen ('shareholder value') zu steigern.

Für europäische Banken ist dies aus Sicht von Weimer derzeit aber kaum möglich. Da wegen der regulatorischen Vorschriften auch noch große Unsicherheit herrsche, würden langfristig orientierte Investoren derzeit kein Geld in europäische Banken stecken, erklärte Weimer.

Für die Banken selbst seien viele Geschäfte wegen der härteren Auflagen im derzeitigen Umfeld nicht mehr attraktiv, sagte Weimer. „Wer heute noch Kommunalfinanzierung macht, hat das Geschäft nicht verstanden.“ Auch die Zahl an langfristigen Finanzierungen gehe deutlich zurück. Zudem müssten die Banken Teile der regulatorischen Mehrkosten an die Kunden weitergeben. Da sich deutsche Unternehmen stärker über Bankkredite finanzieren als in vielen anderen Länder, ist Weimer überzeugt, dass die deutsche Volkswirtschaft unter den härteren Vorschriften überproportional leiden wird. „Deutschland schießt sich im Moment selber ins Knie.“

Als Konsequenz aus der Wirtschafts- und Finanzkrise haben die Regulierer weltweit Vorschriften verschärft, um das Finanzsystem sattelfester zu machen und künftige Krisen zu verhindern. In Deutschland wurden 2008 mehrere Banken mit Staatsgeld vor dem Aus gerettet, weshalb der Druck auf die Branche besonders hoch ist.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • rtr
Startseite

Mehr zu: Hypo-Vereinsbank-Chef Weimer - „Deutschland schießt sich selber ins Knie“

18 Kommentare zu "Hypo-Vereinsbank-Chef Weimer: „Deutschland schießt sich selber ins Knie“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Cleopatra
    Liebe Banker, wenn Ihr meint, an der Grundlage der Erschaffung des Menschen, Euren Verstand ausgesetzt zu haben, um Euren Trieb nicht unter Kontrolle haben zu müssen, weil der den weiblichen Bedürfnissen nicht gerecht wird, dann sollten Sie Ihre Tätigkeit sofort einstellen. Denn die ungezügelte Triebtäterschaft der Banker, Landschaften, Unternehmen und arbeitende Personen in den Ruin zu fahren, sollte ein Fall der Staatsanwaltschaft werden. Unkontollierte Geistestätigkeit sollte in einer psychatrischen Klinik behandelt werden, wie bei Triebtätern so Land auf wie ab von Staatsanwaltschaften
    und Gerichten (Sicherheitsverwahrung) die richtige Lösung für diesen Personenkreis wäre. Beispiel wäre zum ersten Blessing und Müller von der Commerzbank. Die sollten aus dem Verkehr gezogen werden, da sie für die öffentliche Sicherheit und Ordnung eine potentielle Gefahr darstellen.

  • Die Anrede ist ja in Ordnung, aber bei dem Rest Ihres Statements möchte ich mich schütteln. Zunächst mal: es arbeiten hierzulande über 600.000 Menschen in diesem Wirtschaftszweig. Und deren Kernauftrag (wer ist eigentlich der Auftraggeber?) besteht darin Bankgeschäft zu betreiben, wie es sich heute darstellt. Ja, dazu gehört auch Investmentgeschäft(sind Sie sicher, dass Sie wissen, was sich hinter diesem Begriff alles verbirgt?) Bankgeschäft hat sich im übrigen über die Jahre entwickelt - von Apple verlangt auch niemand beim IMac stehen zu bleiben, sondern es ist umgekehrt, man erwartet, dass eine Entwicklung im Sinne des Unternehmens und seiner Stakeholder stattfindet. Den Rest kommentiere ich gar nicht.

  • wenn die Banken nicht begreifen, das sie deshalb existieren um Unternehmen und Bauherren zu finanzieren, dann koennen wir sie auch schliessen. Es waere vernuenftig wenn der Staat im Vorfeld des zu erwartenden Bankencrashs schon eigene Institute zu Beteiligungsbanken umbaut, zumindest schon die gesetzlichen Grundlagen schafft um dann aus den vielen arbeitslos werdenden "Bankern" fuer die Wirtschaft taetige Arbeitnehmer machen kann.

  • "Auch große europäische Institute werden nach seiner Einschätzung nicht mehr so profitabel sein wie in früheren Jahren, da sie mehr Eigenkapital vorhalten müssen und kaum noch riskante Geschäfte eingehen" Zitat Weimer.
    Lieber Bankchef, Sie haben es offenbar immer noch nicht verstanden: Sie sollen keine riskanten Geschäfte mehr auf Kosten der Steuerzahler machen, wenn, dann bitte mit Ihrem Eigenkapital.

  • Das sind ja mal richtig kompetente und sachkundige Beiträge hier. Scheint wohl so, dass ich nicht der Einzige bin, dem dieser ganze am Stammtisch gebohrene Regulierungskäse, der am Ende einen Wirtschaftszweig kaputt macht, stinkt. Übrigens: Ausgangspunkt der Finanzkrise war der politische Wille - every man shall have his own house. Dann kam das "stupid german money" und hat die Blase aufgepumpt - dieses german money kam ganz überwiegend aus Landesbanken, ind deren Gremien hochmögende Politiker und Ministeriale sitzen. So, ich geh in den Baumarkt: zum Holzhacken!

  • Ach Herr Weimer, jetzt wehren Sie sich doch nicht gegen die Vorgaben unserer krisenerfahrenen Politiker und Regulatoren, machen Sie einfach, was die von Ihnen verlangen. Und bitte keine fachlichen Argumente mehr, das wäre kleinkariert und rechtspopulistisch. Kaufen Sie lieber europäische Staatsanleihen, seien sie solidarisch! Die sind völlig risikolos. Und dann reichen Sie die bei der EZB ein und bekommen das Geld sofort wieder. Davon kaufen Sie wieder neue Staatsanleihen usw. Das machen Sie, bis ihre Bilanz fast platzt. Ist so ähnlich wie Bulimie. Erst genussvoll essen und dann kotzen. Natürlich wird Ihr Institut dabei etwas abmagern, aber ist doch egal. Dann rasieren sie eben erst ihre Aktionäre, dann ihre Fremdkapitalgeber und zum Schluss die kleinen Sparer. So geht europäische Solidaritiät, die Reichen zahlen das sicher gerne. Keine Sorge, das hat doch auch in Zypern schon prima funktioniert. Und abgewickelt wird Ihr Haus dabei sicherlich auch nicht, schliesslich sind sie ja systemrelevant.

    Europa braucht starke Banken! Seien Sie Vorbild! Ich wünsche Ihnen viel Glück und Spass mit den Regulatoren.

  • @Nachrechner
    Die Kontrolleure kontrollieren sich wie immer selbst. Dieser, wie von 'denendieahnungfehlt' schon beschriebene sprichwörtlich blinde Aktionismus ist von mir persönlich (ich arbeite in einer Bank) mittlerweile geradezu gefürchtet. Was allein im Wertpapierbereich seit Ende 2007 bis heute hin an Regularien aus dem Boden gestampft wurde, spottet jeder Beschreibung. Jeder Wertpapierkunde einer Bank kennt höchstens bruchstückhaft diesen ganzen Mist, den wirklich nur Bankinsider zur Gänze "genießen" dürfen. In höchstem Maße unausgegorene Vorschriften, die permanent nachreguliert werden müss(t)en, weil sich ganze Kontrollarbeitsbereiche in einer Bank überschneiden.
    Der Rest der Bankenwelt lacht sich über diese Schwächung unseres Bankenmarktes kaputt.

  • You load sixteen tons an' what do you get?
    Another day older and deeper in debt.
    St Peter don't you call me cause I can't go:
    I owe my soul to the company store.

  • Sie haben Recht! Besonders die Amerikanischen Banken haben, durch das Fehlen von Regulatoren, den Europäischen Banken gegenüber einen riesigen Wettbewerbsvorteil. Dieser schlägt sich auch schon gegenwärtig wieder in Rekordgewinnen nieder von denen die Europäischen Banken nur träumen können. Aber auch in Amerika kommt kaum etwas von dem FED Geld in der heimischen Wirtschaft an. Vielmehr wird mit Spekulationsgeschäften und Leerverkäufen mit gleichzeitigen Wetten auf fallende Kurse gegen Europa Geld verdient. Irgendwann werden das auch unsere dummen Politiker begreifen, spätestens wenn sie bemerken wie die Wirtschaft, mangels Kredite, bergab geht. Dann werden die Regulatoren wohl wieder auf gehoben.

  • Guten abend Jesus,

    du mußt lesen lernen:

    "Die HVB habe Kapitalkosten von etwa zwölf Prozent, verdiene aber keine zwölf Prozent, sagte Weimer. „Ich zerstöre jedes Jahr - als ziemlich profitable Bank - 'shareholder value' in großem Maße. Das wird auf Jahre so sein und da bin ich nicht alleine damit.“

    Macht ja nix Jesus, geh einfach übers Wasser.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%