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Identitätsdienst US-Investor sichert sich 30 Prozent an Fintech IDnow

IDnow gewinnt die amerikanische Beteiligungsfirma Corsair Capital als neuen Investor. Das Münchener Finanz-Start-up erhält 36 Millionen Euro.
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Die vier Gründer von IDNow sind seit dem Frühjahr zurück im Management. Quelle: IDnow
Dennis von Ferenczy, Sebastian Bärhold, Armin Bauer, Felix Haas (von links)

Die vier Gründer von IDNow sind seit dem Frühjahr zurück im Management.

(Foto: IDnow)

Frankfurt Der Münchener Finanz-Start-up IDnow hat am Montag den Einstieg eines neuen Investors bekannt gegeben: Der Anbieter von Videolegitimation, wie sie Banken zur Online-Kontoeröffnung nutzen, hat 36 Millionen Euro von der amerikanischen Beteiligungsfirma Corsair Capital erhalten.

Felix Haas, Executive Chairman von IDnow, bezeichnet die Investition gegenüber dem Handelsblatt als „klassisches Wachstumsinvestment“. „Mit dem Geld werden wir unsere Expansion beschleunigen und weiter in unsere Technologie investieren“, sagt er. Im Gegenzug für das Kapital hält Corsair nun 30 Prozent an IDnow, das zeigen Recherchen der Analyseplattform „Startupdetector“, die dafür den Handelsregisterauszug ausgewertet hat.

Der Auszug zeigt zudem, dass auch IDnow-Geschäftsführer Andreas Bodczek mit seiner Beteiligungsfirma Scalar Ventures weitere 0,83 Prozent der Geschäftsanteile an IDnow erworben hat. Er hatte das 2012 gegründete Unternehmen schon früh als Business Angel unterstützt. Er habe „aus persönlicher Überzeugung an das weitere Wachstum investiert“, sagte Bodczek nun.

Zum von ihm investierten Betrag wollte sich der IDnow-Geschäftsführer nicht äußern. In Relation zum Investment von Corsair ist jedoch davon auszugehen, dass für die Anteile rund 800.000 Euro gezahlt wurden.

Finanz-Start-ups sind bei Investoren beliebt. Entgegen eines internationalen Trends haben zuletzt insbesondere deutsche und europäische Start-ups aus der Finanzbranche hohe Millionensummen eingeworben.

Bei Investments in zwei- oder dreistelliger Millionenhöhe stammen die Geldgeber häufig aus Großbritannien oder den USA – wie Corsair. Die Beteiligungsfirma ist in Deutschland wenig bekannt. „Wir mussten uns auch erst über Corsair erkundigen, aber nach hervorragenden Referenzen haben uns Corsairs Investmentfokus in der Finanzbranche und das große internationale Netzwerk überzeugt“, sagt Haas.

Niederlassungen in Frankreich und Großbritannien geplant

Mit dem neuen Geld will IDnow in den nächsten Monaten zunächst Niederlassungen in Frankreich und Großbritannien aufbauen. Weitere europäische Länder sollen folgen. Zu einem möglichen Markteintritt in den USA habe man „noch keine aktive Entscheidung getroffen“, so Haas. Wettbewerber WebID Solutions dagegen arbeitet schon seit dem vergangenen Jahr an seinem Start in den USA.

Sowohl IDnow als auch WebID hatten sich zunächst auf das Video-Ident-Verfahren konzentriert. Damit können sich Nutzer etwa für eine Kontoeröffnung identifizieren. Sie führen ein kurzes Videotelefonat mit einem Mitarbeiter der Ident-Dienstleister, halten dabei ihren Ausweis vor die Kamera ihres Smartphones und nennen einige Daten zu ihrer Person.

Zu seinen mehr als 250 Kunden zählt IDnow unter anderem Banken wie Commerzbank, Bank of Scotland, BNP Paribas und N26, Telekommunikationsunternehmen wie Telefonica Deutschland sowie Fintechs wie Raisin, Smava und Wefox. 2018 hat es nach eigenen Angaben einen zweistelligen Millionenumsatz verzeichnet.

Bei der Weiterentwicklung seiner Technologie setzt IDnow insbesondere auf das sogenannte AutoIdent-Verfahren. Dabei werden Ausweisdokumente mithilfe von Künstlicher Intelligenz überprüft. „Kurzfristig wird Video-Ident davon sicher nicht abgelöst, aber perspektivisch können dadurch die Video-Gespräche verkürzt werden“, sagt Bodczek. Etwas ähnliches bieten auch Wettbewerber an.

Zweifel an „unmanipulierbaren Identitätsprüfung“

In seiner Mitteilung zum neuen Investor spricht das Unternehmen von seiner „unmanipulierbaren Identitätsprüfung“. Dass daran Zweifel berechtigt sind, hatten in den vergangenen Monaten die Fälle von Nutzern gezeigt, die von Betrügern mittels sogenanntem Social Engineering dazu verleitet wurden, das Video-Ident-Verfahren zu durchlaufen und ein Konto zu eröffnen – unter anderem bei der Smartphonebank N26. Laut Informationen der Finanzaufsicht Bafin war Verbrauchern unter anderem vorgegaukelt worden, dass sie das Video-Ident-Verfahren testen sollten.

Diese Formulierung „unmanipulierbar“ schränkt Bodczek auf Nachfrage auch etwas ein. „Hundertprozentige Sicherheit gibt es nie, allerdings haben wir auf die Social-Engineering-Fälle reagiert und stellen nun bei der Kontoeröffnung zusätzliche Fragen. Soweit ich weiß, gab es seitdem keine Betrugsfälle mehr.“

Im Frühjahr hatte IDnow sein Management-Team neu aufgestellt. Andreas Bodczek hatte die Position des Geschäftsführers übernommen. Co-Gründer Felix Haas ist seitdem als Executive Chairman für das Unternehmen aktiv und kümmert sich nach eigenen Aussagen um die Vernetzung der Firma sowie um Topkunden. Auch die anderen IDnow-Gründer – Sebastian Bärhold, Dennis von Ferenczy und Armin Bauer – haben wieder aktive Rollen im Unternehmen.

Mehr: Die Finanzaufsicht Bafin warnt vor Betrugsmaschen mit Video-Ident-Verfahren.

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