Identitätsdienste So wollen deutsche Unternehmen dem Facebook-Button Konkurrenz machen

Das Login in Onlineshops via Facebook ist komfortabel. Doch der US-Konzern ist so bei jedem Einkauf dabei. Deutsche Identitätsdienste treten dem mit neuen Allianzen entgegen.
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Verimi, NetID und Yes wollen dem Facebook-Button Konkurrenz machen Quelle: imago/photothek
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Login-Buttons sollen das Anmelden auf verschiedenen Internetseiten erleichtern.

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FrankfurtHier ein Login für den Onlineshop, da eines für das soziale Netzwerk und ein weiteres für das Medien-Abo: Viele Verbraucher können sich die verschiedenen Passwörter kaum merken und greifen – wenn möglich – auf den Login-Button von Facebook oder Google zurück, um sich immer wieder mit einem einzigen Login anzumelden.

Dieser Dominanz amerikanischer Unternehmen stellen sich in Deutschland gleich mehrere Identitätsdienste entgegen. Noch sind sie für Verbraucher kaum sichtbar, doch in den kommenden Monaten soll Bewegung in den Markt kommen: Schon Mitte Oktober will der Anbieter NetID starten, Verimi ist mit ersten Partnern bereits seit April live, und Yes will im vierten Quartal dieses Jahres mit einigen großen Sparkassen den Service aufnehmen.

Die Zielsetzung der drei Unternehmen ist unterschiedlich. So wollen NetID und Verimi nicht nur das Login vereinfachen, sondern Verbrauchern auch eine Übersicht bieten, wo sie welche Daten hinterlegt haben. Yes dagegen wirbt damit, dass es selbst keine Daten speichert und vielmehr im Auftrag des Verbrauchers als Vermittler agiert.

Dabei stellt es eine „gehärtete Identität“ bereit, mit der Nutzer beispielsweise auch Mobilfunkverträge und Versicherungen abschließen können, ohne sich erneut ausweisen zu müssen.

Entsprechend unterschiedlich sind auch die Partner der drei Unternehmen. Bei Yes sind das Kreditinstitute. Bekannt war bisher eine Zusammenarbeit mit den Sparkassen. „Wir wollen im ersten Quartal kommenden Jahres wirklich loslegen“, sagte Yes-Chef Daniel Goldscheider. „Es ist eine komplexe Aufgabe, Yes in das Onlinebanking einzubauen.“

Wie das Handelsblatt erfuhr, loten auch die deutschen Volks- und Raiffeisenbanken eine Zusammenarbeit mit dem Identitätsdienst aus. „Wir können bestätigen, mit Yes zu verhandeln. Die Verhandlungen laufen aber noch“, heißt es beim Bundesverband BVR. Die Genossenschaftsbanken bauen derzeit zwar ihren eigenen Authentifizierungsservice namens Cas auf, seien aber grundsätzlich für Drittdienste offen.

Sollten nach den knapp 400 Sparkassen auch die gut 900 Genossenschaftsbanken mit dem Start-up kooperieren, würde das Yes kräftig anschieben. Beide Bankengruppen führen zusammen mehr als 60 Millionen Girokonten – all diese Kunden könnten, sofern sie Onlinebanking nutzen, auch auf Yes zugreifen.

NetID hat prominente Investoren

Der Dienst NetID wurde von der Mediengruppe RTL Deutschland, Pro Sieben Sat 1 und United Internet ins Leben gerufen. Angeschlossen haben sich neben der Otto-Gruppe auch Händler wie Conrad Elektronik und Douglas, außerdem Medienhäuser wie Süddeutsche Zeitung und der Spiegel-Verlag, die Plattformen Immobilienscout24 und Autoscout24 sowie der Paketdienstleister DPD.

Hinzu kommt noch: NetID und Yes kooperieren. Damit werden einfaches Login und die Bereitstellung von Identitätsdaten kombiniert. Aus Sicht von Sven Bornemann, Chef der European NetID Foundation, ergänzen sich Yes und NetID. „Die konkrete Zusammenarbeit ist noch im Entstehen. Ziel ist es, für Kunden zum Beispiel den Bezahlprozess bei einem Onlinehändler so einfach wie möglich zu machen“, sagte er dem Handelsblatt.

Dem Wettbewerber Verimi dürfte das einen Dämpfer verpassen, denn dieser Dienst hat sich ebenfalls die Login- und Ident-Kombination zum Ziel gesetzt. Hinter der Initiative stehen mehrere Dax-Konzerne wie die Allianz, die Deutsche Bank und Lufthansa. Wie am Dienstagmorgen bekannt wurde, haben sich auch die Deutsche Bahn und Volkswagen Financial Services als Gesellschafter angeschlossen. Die Deutsche Bahn schaffe zurzeit die IT-seitigen Voraussetzungen für einen einheitlichen Login zu DB-Angeboten, so Stefan Stroh, Chief Digital Officer der Deutschen Bahn. Eine Integration sei in 2019 vorgesehen.

Die Volkswagen Financial Services hat nach Angaben von Stefan Imme, Chief Digital Officer der Volkswagen Financial Services AG, bereits mit der Einbindung von Verimi in digitale Dienste begonnen, „beispielsweise beim digitalen Parken oder bei Online-Angeboten der Volkswagen Bank“, weitere Zusatzdienste sollen 2019 folgen.

Anders als bei Yes müssen sich Nutzer aktiv bei Verimi registrieren und über den Video-Ident-Dienst WebID Solutions legitimieren. Wie viele Kunden es bereits gibt, will Verimi derzeit nicht verraten. Bis Mitte Juni hatten sich erst 13.000 Nutzer registriert. Zudem hatten Streitigkeiten bei Verimi für Irritationen gesorgt. Die Chefin Donata Hopfen verließ die Firma nur wenige Wochen nach dem offiziellen Start.

Dabei soll es Streit um Kompetenzen und Weisungsbefugnisse gegeben haben. Co-Geschäftsführer Holger Friedrich erläuterte den Wechsel an der Spitze von Verimi kürzlich unter anderem mit Auseinandersetzungen über die Ausrichtung des Unternehmens.

Offenbar gab es Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf die Verwendung von Nutzerdaten. „Daten entwickeln natürlich einen enormen Wert und darüber muss man energische Diskussionen führen“, so Friedrich. „Das Geschäftsmodell von Verimi funktioniert nur, wenn Kunden sich darauf verlassen können, dass ihre Daten tatsächlich vertraulich gehalten werden.“

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