Wall Street in New York

Schon lange wird über den Sinn und Unsinn von Quartalszahlen und kurzfristigen Ausblicken diskutiert.

(Foto: AP)

Initiative für Quartalsprognosen-Verzicht Warren Buffett und Jamie Dimon legen sich mit der Wall Street an

Der Star-Investor und der JP-Morgan-Chef fordern, dass börsennotierte Unternehmen künftig auf Quartalsprognosen verzichten. Mit der Initiative treffen sie einen Nerv.
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FrankfurtJedes Quartal das gleiche Spiel: Unternehmen legen ihre Zahlen vor und Analysten prüfen, ob ihre Erwartungen übertroffen wurden oder nicht und geben basierend darauf Kauf- oder Verkaufsempfehlungen für die Aktie ab. Warren Buffett und Jamie Dimon ist diese kurzfristige Sicht auf die Dinge schon lange zuwider. Sie legen zwar Quartalszahlen vor, geben aber keine Prognose, wie viel Umsatz und Gewinn sie in drei Monaten machen wollen.

Buffett, der Chef der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway und Dimon, der Chef von Amerikas größter Bank JP Morgan Chase wollen nun auch andere Vorstandschefs dazu animieren, ihnen zu folgen.

„Vierteljährliche Gewinnerwartungen zu kommunizieren führt unserer Erfahrung nach oft zu einem ungesunden Fokus auf kurzfristige Profite“, argumentieren Dimon und Buffett in einem Gastbeitrag im „Wall Street Journal“. „Die langfristige Strategie, Wachstum und Nachhaltigkeit bleiben dagegen auf der Strecke.“

Dimon und Buffett treffen mit ihrer Initiative einen Nerv. Schon lange wird über den Sinn und Unsinn von Quartalszahlen und kurzfristigen Ausblicken diskutiert. Die Zahl der Börsengänge geht zurück, weil sich viele Unternehmer nicht dem Druck aussetzen wollen, ständig Erwartungen von Analysten übertreffen zu müssen, um den Aktienkurs nicht zu gefährden.

Die Vorteile vierteljährlicher Gewinnprognosen

Gerade schnell wachsende Technologie-Unternehmen sind zuletzt von der Börse ferngeblieben. Dort ist es besonders wichtig, am langfristigen Erfolg zu arbeiten und sich nicht von kleinen Rückschlägen verunsichern zu lassen.

Kurzfristig einfach die vorgegebenen Zahlen zu erreichen, „sendet das falsche Signal“, betonte Buffett, der am Donnerstag gemeinsam mit Dimon dem US-Börsensender CNBC ein Interview gab, um seine Initiative zu verkünden.

Befürworter von vierteljährlichen Gewinnprognosen sagen, die eingespielte Praxis helfe dabei, Unsicherheiten zu beseitigen und klar mit der Wall Street zu kommunizieren. Das sei gut für die Aktie und reduziere Volatilität.

Eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey zeigte jedoch bereits im Jahr 2006, dass die Abwesenheit der Prognosen weder Auswirkungen auf die Volatilität noch auf die Bewertung der Aktie hat. Buffett (87) und Dimon (62) hatten bereits vor zwei Jahren dabei geholfen, Richtlinien für Konzernvorstände zu formulieren. Auch hatten sie die Vorteile von langfristigem Handeln betont.

Auch an anderer Stelle gibt es Überlegungen, was man gegen den Druck der Analysten tun kann. Silicon-Valley-Guru Eric Ries etwa hat eine „Long Term Stock Exchange“ gegründet. Das Start-up hat eine Genehmigung bei der Börsenaufsicht SEC beantragt, eine neuartige Börse ins Leben zu rufen. Die soll zunächst auf der Plattform des New Yorker Börsenbetreibers Investors Exchange (IEX) starten.

Dort sollen Unternehmen gehandelt werden, die sich unabhängig von Quartalsgewinnen und dem kurzfristigen Erfolgsdruck von Investoren machen wollen. Wer sein Unternehmen dort listen will, soll seinen Vorständen Anreize setzen, die den langfristigen Erfolg belohnen. Auch Aktionäre sollen einen Anreiz haben, Papiere lange zu halten, statt sie bei jeder kleinen Negativ-Meldung wieder zu verkaufen. So sollen sie etwa mehr Stimmrechte bekommen, wenn sie länger dabei bleiben.

Schon lange träumte Ries, der 2011 das Konzept des „Lean Start-up“ erfunden hat, von so einer Börse und konnte nun dafür auch prominente Unterstützer bekommen. Marc Andreessen, Mitgründer der Risikokapitalfirma Andreessen Horowitz, der frühere Twitter-Chef Dick Costolo und der AOL-Mitgründer Steve Case, haben in die LTSE investiert und sich mit unterstützenden Briefen an die SEC gewandt.

„Der Druck, die vierteljährlichen Erwartungen der Wall Street einzuhalten, führt zu einem fortwährenden Kampf gegen eine kurzfristige Perspektive“, schreibt etwa Dick Costolo, der Twitter 2013 an die Börse brachte und genau mit diesen Problemen kämpfte. Kleinanleger würden dadurch Investment-Möglichkeiten verpassen, weil schnell wachsende Unternehmen länger privat finanziert bleiben. Andreesen hält die Entwicklung für einen „gefährlichen Trend in den Kapitalmärkten.“

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