Innovationspreis „Diamond Star“ Zwei Preise, drei Gewinner

Zum zweiten Mal haben das Handelsblatt und Euroforum während der Bankentagung den Innovationspreis „Diamond Star“ vergeben. Gewonnen haben ein Fintech, eine Bank – und ein Mobilfunkanbieter.
Im Vorfeld der Preisverleihung hatte eine siebenköpfige Jury unter der Schirmherrschaft des hessischen Wirtschaftsministers Tarek Al-Wazir Fintec Systems sowie Entrafin und Lendstar in den Kreis der Finalisten gewählt. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Handelsblatt Jahrestagung - Banken im Umbruch

Im Vorfeld der Preisverleihung hatte eine siebenköpfige Jury unter der Schirmherrschaft des hessischen Wirtschaftsministers Tarek Al-Wazir Fintec Systems sowie Entrafin und Lendstar in den Kreis der Finalisten gewählt.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

FrankfurtOb als Dienstleister, Kooperationspartner oder Ideengeber, wenn es um die Zukunft der Bankbranche geht, führt an innovativen Finanztechnologiefirmen kein Weg vorbei. Trotzdem dürfte es den Fintechs nicht anders gehen als anderen Start-ups: Höchstens jedes Zehnte wird sich langfristig am Markt behaupten. Ein besonders aussichtsreicher Kandidat könnte das Münchener Unternehmen FintecSystems sein. Auf der Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“ wurde es am Mittwoch mit dem „Diamond Star“ in der Rubrik Fintech ausgezeichnet, eines 2015 ins Leben gerufenen Innovationspreises von Handelsblatt und Euroforum.

„Wir sind keine Bank, wir vergeben keine Kredite und machen kein Scoring, aber wir ermöglichen eine digitale Selbstauskunft innerhalb weniger Minuten“, umreißt Martin Schmid das Geschäftsmodell. Er ist einer von drei Geschäftsführern des jungen Unternehmens. Gegründet wurde das Fintech vor gut zwei Jahren von Stefan Krautkrämer und Dirk Rudolf, den ehemaligen Mitgründern des Bezahldienstes „Sofortüberweisung“, der vor zweieinhalb Jahren vom schwedischen Zahlungsdienstleister Klarna übernommen wurde.

„Wir nutzen den Online-Zugang der Verbraucher und erstellen damit eine vollautomatisierte und präzise Finanzanalyse zu seiner Kreditfähigkeit“, erklärt Schmid. In der Praxis müsse sich der Kunde dafür lediglich auf der Website des Kreditgebers mit seinen bekannten Online-Banking-Daten einloggen. Anschließend müsse er die Datenschutzhinweise von FintecSystems akzeptieren und dann würden die kreditrelevanten Umsätze würden identifiziert und ausgewertet. Gespeichert würden diese Daten von dem Fintech aber nicht.

Inzwischen arbeiten insgesamt 20 Mitarbeiter in München und in Linden bei Gießen. Zu den Kunden zählen etwa die Novum Bank auf Malta, die Berliner Solaris Bank und die auf Ratenkredite spezialisierte DKB-Tochter SKG Bank. Operativ arbeiten sie bereits kostendeckend, berichten die Geschäftsführer, Ende 2017 sollen schwarze Zahlen geschrieben werden. Deswegen soll die gerade abgeschlossene Finanzierungsrunde in siebenstelliger Höhe auch die letzte gewesen sein. Auf der Agenda steht als nächstes vor allem die Expansion ins weitere europäische Ausland, zu allererst nach Spanien.

Im Vorfeld der Preisverleihung hatte eine siebenköpfige Jury unter der Schirmherrschaft des hessischen Wirtschaftsministers Tarek Al-Wazir FintecSystems sowie Entrafin und Lendstar in den Kreis der Finalisten gewählt. Die drei Favoriten hatten sich dann am Mittwochabend dem Publikum vorgestellt, welches durch Applaudieren die Sieger bestimmte.

Das Fintech Entrafin ist ein Finanzierungsdienstleister, der die Finanzierung im Mittelstand revolutionieren will, indem er als Mittelsmann zwischen Käufer und Lieferant agiert. Dabei erhalte der Verkäufer sein Geld sofort, während dem Käufer ein bis zu 100-tägiges Zahlungsziel eingeräumt werde, erklärte Gründer Stefan Fenner.

Lendstar bezeichnet sich selbst als „soziale Finanz-App fürs Zahlen und Chatten unter Freunden“. Nutzer können ihren Freunden darüber Geld schicken und gemeinsame Rechnungen untereinander aufteilen. Kooperationen gibt es bereits mit Sparda-Banken und Genossenschaftsbanken. Die App sei bereits 100.000 Mal heruntergeladen worden, sagt Lendstar-Gründer Christopher Kampshoff.

Investments, Namen und Kooperationen 2017
ING startet Fintech-Fonds
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Die niederländische Bank ING hat am 25. Oktober bekannt gegeben, dass sie den 300-Millionen-Euro schweren Fonds ING Ventures gestartet hat, um damit in Fintechs zu investieren. Mit Fintechs zu kooperieren und in sie zu investieren gehöre zum Kern ihrer Innovationsstrategie. Weltweit hat die Bank nach eigenen Angaben in den vergangenen drei Jahren bereits 115 strategische Partnerschaften und Investments getätigt.

Deutsche Bank startet Digi-Venture-Fonds
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Die Deutsche Bank beteiligt sich mit knapp 25 Prozent am Fintech Dwins. Es ist das erste Investment des neuen Digi-Venture-Fonds der Privatkundensparte. Der Fonds soll in strategisch interessante Finanztechnologie-Unternehmen investieren und ist aktuell mit einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag ausgestattet. Ab Dezember sollen Deutsche Bank-Kunden den von Dwins entwickelten Finanzplaner „Finanzguru“ exklusiv nutzen können...

N26 will in die USA expandieren
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Die Smartphone-Bank N26 will ab Mitte 2018 in den US-Markt eintreten und Kunden dort ein Girokonto mit Karte, Überweisungen, Barabhebungen sowie einem speziellen Kundenbindungsprogramm anbieten. Nach Angaben des Berliner Finanztechnologie-Start-ups können sich US-amerikanische Kunden ab sofort in eine Warteliste eintragen. „Die USA sind ein spannender Markt für N26, der uns große Möglichkeiten eröffnet“, sagte Gründer und Geschäftsführer Valentin Stalf, der die Pläne am 23. Oktober in Las Vegas vorstellte...

Bux sammelt 10,6 Millionen Euro ein
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Die niederländische Börsen-App Bux hat 10,6 Millionen Euro von einem Investorengremium um den deutschen Fonds Holtzbrinck Ventures eingesammelt. Bux widmet sich einem sehr deutschen Problem: der weit verbreiteten Angst vor Aktien. Gründer Nick Bortot (Foto) will vor allem jungen Leuten die Börse spielerisch näherbringen. Das Amsterdamer Start-up soll bereits 1,2 Millionen Nutzer haben, ein Drittel davon in Deutschland und Österreich...

JP Morgan übernimmt WePay
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JP Morgan hat den Zahlungsdienstleister WePay übernommen. Wie am 18. Oktober bekannt wird, will die größte US-Bank damit wohl rund vier Millionen kleine Unternehmen besser in den hauseigenen Zahlungsverkehr integrieren...

Compeon erhält zwölf Millionen Euro
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Der auf Firmenkunden spezialisierte Kreditvermittler Compeon sammelt zwölf Millionen Euro ein. Wie die Vermittlungsplattform für Unternehmensfinanzierungen am 12. Oktober meldet, stammt das Geld von seinen Altinvestoren. Angeführt wurde die zweite Finanzierungsrunde von Tengelmann Ventures. Beteiligt sind daneben auch btov Partners und Dieter von Holtzbrinck Ventures – letztere gehört zur Verlagsgruppe Handelsblatt. Compeon bezeichnet sich selbst als Marktführer unter den digitalen Plattformen für gewerbliche Finanzierungen und kooperiert mit mehr als 220 Banken, Fördermittelanbietern und Spezialfinanzierern. Gegründet wurde das Fintech von Nico Peters, Frank Wüller und Kai Böringschulte (Foto: von links). Die Plattform ging Mitte 2013 an den Markt.

Element bekommt Bafin-Lizenz
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Das von dem Berliner Company-Builder Finleap gegründete Start-up „Element“ hat für sein Versicherungsgeschäft eine Lizenz von der Finanzaufsichtsbehörde Bafin erhalten. Wie das Fintech am 11. Oktober meldet, gilt die Erlaubnis für Schaden- und Unfallversicherungen, was Sach-, Haftpflicht-, Unfall- und Rechtsschutzversicherungen sowie das Reisegeschäft einschließt. Als möglichen Partner nennt Element neben anderen Start-ups aus der Versicherungsbranche – sogenannten InsurTechs – auch etablierte Marken und Händler sowie klassische Versicherungen und Vermittler. Geschäftsführer Sascha Herwig (links im Bild, mit Wolff Graulich und Henning Groß) war zuletzt Bereichsleiter bei der Nürnberger Versicherung.

Neben dem Fintech-Preis wurde am Mittwoch auch ein Diamond Star im Bereich Digital Retail Banking vergeben - und das gleich an zwei Unternehmen. Was die Banken nervös und die Fintechs hellhörig macht, hat die Jury überzeugt: Die Kooperation zwischen der Fidor Bank und Telefonica. Das in Deutschland eher unter den Marken O2 und E-plus bekannte Mobilfunkunternehmen hat rund 43 Millionen Kunden und steht nun mit seinem O2-Banking  vor der Herausforderung, diese auch als Bankkunden zu gewinnen.

Um eine eigene Banklizenz hat sich Telefonica nicht gekümmert. Als Partner für die Abwicklung des Bankgeschäfts konnte die Fidor Bank gewonnen werden. Fidor-Chef Matthias Kröner gründete die Internet-Bank im Jahr 2009 und gehört damit zu den Pionieren unter den Fintechs. Vor einem Monat übernahm die französische Großbank BPCE die Fidor Bank mit Sitz in München.

Telefonica und Fidor Bank wollen das Smartphone zur vollwertigen Bank machen. Das ist ein Ansatz, den das Fintech N26 (vormals Number 26) auch schon länger verfolgt. O2-Banking-Kunden können mit ihrer Mobilfunknummer Überweisungen vornehmen und kleinere Sofortkredite in Anspruch nehmen. Eine kostenlose Mastercard, die nur als Debitcard funktioniert, ist Teil des Pakets. Statt mit Zinsen werden Bankkunden mit zusätzlichem Datenvolumen für ihr Smartphone belohnt – je nach Nutzungsintensität liegt dieses Volumen zwischen 500 Megabyte und einem Gigabyte.

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