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Instant Payments So könnte ein neues Bezahlsystem in Europa entstehen

US-Finanzdienstleister drohen, europäische Banken beim Geldtransfer abzuhängen. Das Mittel dagegen soll ein europäisches Zahlungssystem werden.
Update: 24.06.2019 - 08:55 Uhr 1 Kommentar
Für Echtzeitüberweisungen, auch Instant Payments genannt, gibt es seit Ende 2017 einen europaweiten Standard. Quelle: Cultura/Getty Images
Banking-App im Smartphone

Für Echtzeitüberweisungen, auch Instant Payments genannt, gibt es seit Ende 2017 einen europaweiten Standard.

(Foto: Cultura/Getty Images)

Frankfurt Seit Herbst ist Burkhard Balz Vorstand der Bundesbank, und schon kurz nach seinem Amtsantritt ist klar: Der ehemalige Europapolitiker hat eine Mission. Balz wirbt für die Idee eines einheitlichen europäischen Zahlungssystems. Und er drückt seit Jahresbeginn aufs Tempo: Die nächsten Monate – und nicht etwa Jahre – würden mit darüber entscheiden, welche Rolle europäische Anbieter im neuen globalen Spiel einnehmen könnten.

Eine europäische Bezahllösung dürfte die heimischen Geldhäuser stärken und sie gegenüber den US-Kreditkartenanbietern Mastercard und Visa unabhängiger machen – und damit auch von Tech-Giganten wie Apple und Google, mit deren Smartphone-Bezahlverfahren Apple Pay und Google Pay sich in erster Linie mit Mastercard- und Visa-Karten nutzen lassen.

Tatsächlich wird bereits an der möglichen Grundlage für ein neues europäisches Zahlungssystem gearbeitet. So hat eine bei der Europäischen Zentralbank angesiedelte Expertengruppe, die Teil des Euro Retail Payments Board (ERPB) ist, vergangene Woche einen Zwischenbericht vorgestellt. Das Ergebnis: Die Fachleute aus Banken, Zahlungsdienstleister und dem Handel wollen das Zusammenspiel von Echtzeitüberweisungen und speziellen, neuen Datenschnittstellen (APIs) regeln.

Dieses Regelwerk namens Sepa API Access Scheme könnte zum einen zur europaweiten Initiierung und Abwicklung von Zahlungen dienen und zum anderen die Basis für einen branchenübergreifenden Datenaustausch bieten.

Für Echtzeitüberweisungen, auch Instant Payments genannt, gibt es seit Ende 2017 einen europaweiten Standard. „Echtzeit“ heißt, dass der Betrag binnen zehn Sekunden auf dem Konto des Empfängers gutgeschrieben wird. Die Datenschnittstellen müssen Banken im Zuge der EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 bereitstellen – spätestens ab Mitte September. Auf Wunsch der Kunden müssen sie anderen Finanzdienstleistern wie Finanz-Start-ups darüber Zugriff auf die Konten der Kunden gewähren. Auf diese Weise können diese Zahlungen auslösen und Kontoinformationen abrufen.

„Die Zahlungsabwicklung über Datenschnittstellen in Kombination mit Echtzeitzahlungen kann die Grundlage für ein attraktives europäisches Zahlverfahren sein“, sagt Christian Schäfer, Co-Vorsitzender der Arbeitsgruppe und Verantwortlicher für das Produktmanagement im Zahlungsverkehr bei der Deutschen Bank. „Mit einer solchen Lösung wäre Europa unabhängig von anderen internationalen Zahlungsnetzwerken.“

Auch die Bundesbank hatte vergangene Woche in ihrem jüngsten Monatsbericht auf die ERPB-Arbeitsgruppe hingewiesen. Auch sie nannte die Option, ein auf Instant Payments basiertes neues Zahlungssystem aufzubauen.

Oliver Hommel, Experte für Zahlungsverkehr bei der Beratungsfirma Accenture, hält es für denkbar, dass eine Verknüpfung von Schnittstellen zur Zahlungsauslösung zusammen mit Instant Payment auch zu einer Basis für ein neues europäisches Zahlungsverfahren beitragen könne. Darauf müssten sich allerdings alle Akteure – Banken, Handel und Zahlungsdienstleister – verständigen und auch über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Einigkeit erzielen, meint Hommel.

Viele ungeklärte Fragen

Denn die große Frage, wer für den Aufbau des System und später für einzelne Zahlungen zahlt, ist noch nicht geklärt. Aus Hommels Sicht geht es bei dem Projekt erst einmal darum, für die neuen Schnittstellen „über verschiedene Partner hinweg einheitliche Standards zu definieren“. Für die die Technik gebe es bereits solche Standards, nicht aber für den Umgang mit operativen Problemen. „Haftungsfragen sowie Datenschutz sind sinnvoll, um einen verlässlichen Rahmen für alle Beteiligte zu schaffen.“

Deutsche-Bank-Experte Schäfer ist vom Ansatz überzeugt. Banken könnten dabei auch etliche neue Dienstleistungen anbieten. Zum Beispiel: „Eine Bank könnte gegenüber einem Online-Händler mit Zustimmung Kunden dessen Identität bestätigen und seine Adresse übermitteln, so dass der Kunde diese nicht mehr selbst im Online-Shop eingeben müsse. Damit würde das das Betrugsrisiko im Internethandel deutlich reduziert“, schildert er.

Einen genauen Zeitplan für die Umsetzung eines europäischen Zahlverfahrens mit Zusatzfunktionen gibt es noch nicht. Das Zielbild sei klar und alle Beteiligten seien sich einig, dass ein „dringender Bedarf für europäisches Zahlungssystem“ bestehe, so der Banker. „Deshalb gehe ich davon aus, dass es bei einer marktgetrieben Initiative unter Beteiligung aller relevanter Interessensvertreter deutlich schneller zu guten Lösungen für Kunden kommt wie über den Gesetzgebungsprozess.“ Eine erfolgreiche Marktlösung könne helfen, weitere Regulierung in dem Bereich vermeiden.

Doch auf dem Weg zu einem neuen Zahlungssystem gibt es etliche Hürde – nicht nur die Frage, wer welche Kosten trägt. Fraglich ist auch, wie viel Platz für mache herkömmlichen Zahlungsdienstleister in dem neuen System noch wäre. Schließlich verdienen manche der Firmen derzeit ihr Geld auch damit, Händler vor betrügerischen Zahlungen zu schützen oder für Zahlungen zu garantieren – was bei Echtzeitzahlungen aber kaum mehr nötig ist.

Klären müsste man auch, wie sich Bankkarten in ein neues Zahlverfahren einbauen ließen. In Deutschland gibt es mehr als 100 Millionen Girocards, besser bekannt unter ihrem alten Namen „EC-Karte“. Für die deutschen Geldhäuser ist die Girocard angesichts ihrer Verbreitung sehr wichtig, zumal ihr Onlinebezahlverfahren Paydirekt bisher eine Enttäuschung ist.

Auch der weitere Zeitplan der Arbeitsgruppe steht noch nicht fest. Einige Mitglieder sehen aktuell noch andere Prioritäten. Insbesondere die Fintechs wollen zunächst die Umsetzung der PSD2 hinter sich bringen, zuvor hätten sie keine Kapazitäten, um das neue Projekt voranzutreiben. Daher wollen die Experten ihre Arbeit nun erst fortsetzen, wenn die PSD2 umgesetzt ist.

Mehr: Sparkassen bieten Echtzeitüberweisungen an: Das müssen Sie zum Service wissen.

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1 Kommentar zu "Instant Payments: So könnte ein neues Bezahlsystem in Europa entstehen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ein europaeisches Bezahlsystem ist eminent wichtig. Haette schon bei der Einfuehrung des
    Euro kommen muessen. Nur so koennen wir uns ein wenig gegen die Erpressungen von
    Trump und Genossen wehren.