Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Insurance Summit Versicherer gehen auf die Suche nach neuer Größe

Noch nie gab es so viele große Übernahmen in der Branche wie jetzt. Den Spekulationen über eine Liaison von Generali und Zurich erteilt der Zurich-Chef eine Absage.
Kommentieren
Zahlreiche Besucher beim Versicherungsgipfel in München. Quelle: Thorsten Jochim für Handelsblatt
Handelsblatt Insurance Summit

Zahlreiche Besucher beim Versicherungsgipfel in München.

(Foto: Thorsten Jochim für Handelsblatt)

MünchenThomas Buberl hat es vorgemacht. Stolze 15 Milliarden Dollar blätterte der Vorstandschef des Allianz-Rivalen Axa für den Sach- und Rückversicherer XL Catlin auf den Tisch, um die größte Übernahme des französischen Versicherers seit zwölf Jahren perfekt zu machen. Es sei eine einmalige strategische Gelegenheit, sagte Axa-Chef Buberl bei der Ankündigung des Deals, den die Aufsichtsbehörden im September durchwinkten.

An der Börse kam der Megazukauf zwar nicht so gut an, weil viele Investoren den Preis für den im Steuerparadies Bermuda beheimateten Versicherer als zu hoch empfanden. Doch dem Interesse an neuen Partnerschaften und Fusionen in der Branche tut dies keinen Abbruch.

Auffällig intensiv machen sich die großen Versicherer im Schatten einer sich in den USA abzeichnenden Zinswende auf die Suche nach neuen Allianzen und Beteiligungen. Europas größtem Versicherer Allianz wird bereits seit Längerem Interesse an einer großen Übernahme nachgesagt, erst vor wenigen Monate sinnierte Vorstandschef Oliver Bäte offen über eine „Fusion unter Gleichen“.

Auch die drittgrößte deutsche Versicherungsgruppe Talanx liebäugelt mit einem Zukauf in den USA, da der neue Chef Torsten Leue das Auslandsgeschäft weiter stärken will. Erst diese Woche kündigte der italienische Versicherer Generali an, dass er für Übernahmen offen ist.

Wie die italienische Tageszeitung „Repubblica“ jüngst berichtete, drängen die beiden Ankeraktionäre Leonardo del Vecchio und die Familie Caltagirone das Management von Generali zu einem Kauf oder einem Zusammenschluss mit einem gut aufgestellten Rivalen. Besonders häufig fällt in diesem Zusammenhang der Name des Schweizer Konkurrenten Zurich.

Grafik

Doch Zurich-Boss Mario Greco erteilte einer größeren Übernahme auf dem „Insurance Summit“ des Handelsblatts in München eine kategorische Absage: „Grenzüberschreitende, transformatorische Transaktionen werden für uns nie ein Thema sein“, sagte er am Donnerstag in München. Er glaube nicht an die Sinnhaftigkeit solcher Fusionen und Übernahmen. Zurich sei schon jetzt so global aufgestellt wie kaum ein anderer Versicherer.

Auch an Übernahmen von Versicherern durch Tech-Unternehmen wie Amazon oder Google glaubt der Zurich-Chef nicht. „Sie wollen nur unsere Kunden, sie wollen nicht das Geschäft.“

Die Spekulationen über Generali und Zurich haben allerdings einen tieferen Grund. Kaum ein Manager kennt Generali besser als Greco, der selbst lange Jahre den italienischen Konzern führte. Erst 2016 wechselte der 58-Jährige gebürtige Italiener auf den Chefsessel in der Schweiz. Greco brachte seinerzeit Generali auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise wieder auf Kurs.

Beim Insurance Summit handelt es sich um ein Gipfeltreffen der Branche. Quelle: Thorsten Jochim für Handelsblatt
Strategietreffen

Beim Insurance Summit handelt es sich um ein Gipfeltreffen der Branche.

(Foto: Thorsten Jochim für Handelsblatt)

Dennoch wurde das Unternehmen immer wieder als Übernahmekandidat gehandelt. 2017 liebäugelte bereits die größte italienische Filialbank Intesa mit einem Einstieg, verwarf jedoch den Plan aufgrund der Gegenwehr von Generali wieder.

Generali für Übernahme offen

Der neue Generali-Boss Philippe Donnet sieht sich nun jedoch eher als Jäger – und nicht als Gejagten. Er will, nachdem der Konzern in den vergangenen Jahren massiv umgebaut wurde und unter anderem sein deutsches Geschäft mit klassischen Lebensversicherungen veräußert, seinerseits auf Übernahmejagd gehen und überlegt sich Zukäufe im Ausland.

In den kommenden drei Jahren will der Konzern zwischen drei Milliarden und vier Milliarden Euro in organisches Wachstum und Zukäufe investieren, kündigte Donnet diese Woche an. Generali-Deutschland-Chef Giovanni Liverani gibt sich vor diesem Hintergrund angriffslustig. „Wir sind für jede mögliche Akquisition offen“, betonte der Manager in München. Deutschland sei einer der Märkte, in denen der Versicherer in den nächsten Jahren wachsen wolle.

So ähnlich sehen viele Konzerne die Lage. Denn die Branche ist dabei, sich grundlegend zu ändern. Die Digitalisierung, das anhaltende Niedrigzinsumfeld sowie neue Wettbewerber wie die jungen Insurtechs, junge technologiegetriebene Wachstumsunternehmen, setzen den etablierten Firmen zu.

Die Moderatorin führte durch das Programm der Veranstaltung. Quelle: Thorsten Jochim für Handelsblatt
Sina Mainitz

Die Moderatorin führte durch das Programm der Veranstaltung.

(Foto: Thorsten Jochim für Handelsblatt)

Größe wird in diesem Umfeld immer wichtiger, da die Margen in vielen Kerngeschäften schmelzen. So wird die Kfz-Versicherung 2019 in Deutschland voraussichtlich erstmals seit fünf Jahren ins Minus rutschen.

Kommt nun also die Zeit der großen Deals? Laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Willis Towers Watson zu Versicherungsübernahmen steigt die Größe der Transaktionen weltweit an. Die Übernahmen in der Branche hätten im ersten Halbjahr 2018 einen neuen Rekordwert erreicht, sagt Willis-Versicherungsexperte Michael Klüttgens.

Der Transaktionswert für globale Versicherungsübernahmen kletterte demnach in den ersten sechs Monaten dieses Jahres – getrieben von einigen Megadeals – auf etwa 37 Milliarden Euro. Dabei sank die Zahl der Übernahmen und Beteiligungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum zwar auf 84 Deals – doch darunter waren diesmal ungewöhnlich viele große Deals.

So notierten die Experten im ersten Halbjahr in diesem Bereich allein 14 Transaktionen im Wert von über 500 Millionen Euro.

Der Zurich-Boss (r.) schließt grenzüberschreitende Übernahmen aus. Quelle: Thorsten Jochim für Handelsblatt
Daniel Schäfer und Mario Greco

Der Zurich-Boss (r.) schließt grenzüberschreitende Übernahmen aus.

(Foto: Thorsten Jochim für Handelsblatt)

Hauptgründe für diesen Sprung ist laut der Untersuchung die Veränderung der Geschäftsmodelle. Da der regulatorische Druck zur Norm werde, entstünden neue Modelle und mehr Unternehmen versuchten, zu ihrer Kernstrategie zurückzukehren. So hätten einige Assekuranzen begonnen, unerwünschte Teile ihres Geschäfts zu veräußern, sodass größere Vermögenswerte wieder auf den Markt kämen, was auch Finanzinvestoren anlocke.

Die höheren Transaktionswerte und potenzielle Komplexität der Käufe und Fusionen führten jedoch auf der anderen Seite dazu, dass es länger dauere, bis die Deals abgeschlossen werden könnten. Doch den Übernahmehunger wird dies kaum bremsen. Klüttgens Prognose ist klar und deutlich: „Wir werden in Europa – und auch in Deutschland – stärkere Aktivitäten sehen.“

Startseite

Mehr zu: Insurance Summit - Versicherer gehen auf die Suche nach neuer Größe

0 Kommentare zu "Insurance Summit: Versicherer gehen auf die Suche nach neuer Größe"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%