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Insurtech Versicherungs-Start-up Simplesurance wagt sich mit neuem Produkt nach Japan

Der Mikroversicherer Simplesurance, an dem die Allianz beteiligt ist, bringt mit Partnern eine neuartige Reiserücktrittsversicherung auf den Markt.
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Das Start-up wagt erstmals den Sprung nach Übersee. Quelle: Simplesurance
Simplesurance-Gründer Robin von Hein

Das Start-up wagt erstmals den Sprung nach Übersee.

(Foto: Simplesurance)

Frankfurt Über seine Pläne ließ Dominik Bark schon im vergangenen Herbst niemanden im Unklaren. „Durch unsere lange Expertise können wir die Ersten sein, die den Markt verändern“, sagte der Geschäftsführer des deutschen Start-ups Simplesurance damals zu den Überlegungen der jungen Firma für eine Expansion nach Japan.

Knapp ein Jahr später schafft der Mikroversicherer, zu dessen wichtigsten Investoren der Versicherer Allianz zählt, jetzt Fakten. Gemeinsam mit dem japanischen Versicherer Tokio Marine und der größten japanischen Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) startet das Berliner Insurtech ab Oktober mit einer neuartigen Reiserücktrittsversicherung in Nippon.

Für Simplesurance ist das ein wichtiger Schritt. Das Start-up wagt damit erstmals den Sprung nach Übersee.

Grundlage des Vorstoßes ist eine strategische Partnerschaft zwischen den Berlinern und Japans Versicherer Tokio Marine, der sich im vergangenen Oktober erstmals zusammen mit der französisch-deutschen Bank Oddo BHF im Rahmen einer Finanzierungsrunde über 11,5 Millionen Dollar an dem Insurtech beteiligt hatte. Der japanische Versicherungsmarkt funktioniere noch weitgehend offline, es gebe bisher kaum „digitale Prozesse“, begründete Simplesurance-Gründer Robin von Hein damals die Wahl von Japan als Ziel einer Expansion über die Grenzen Europas hinaus.

An den Start gehen die Berliner in Nippon nun mit – nach eigenen Angaben – Japans erster Reiserücktrittsversicherung bei schlechtem Wetter. Sie greife bei Flugstornierungen aufgrund widriger Witterungsbedingungen wie Stürmen oder Taifunen. Die Police wird unter dem Namen „Soramoyou“ in Verbindung mit der Flugbuchung auf der ANA-Website buchbar sein.

Fluggäste, die die Stornierungsversicherung abschließen, können demnach ihre Flüge bis maximal fünf Tage vor Abflug kostenlos stornieren, falls das Risiko besteht, dass der Flug aufgrund widriger Wetterbedingungen annulliert wird. „Wir hoffen, dass dies das erste von vielen Projekten mit Simplesurance sein wird, bei denen wir neue, effiziente Versicherungssysteme entwickeln werden, um unseren Kunden einen echten Mehrwert zu bieten“, erklärte Tokio Marine Managing Executive Director Fumiaki Yokoi.

Japan wird jedes Jahr von mehreren Taifunen getroffen. Erst vor wenigen Tagen hatte der Taifun „Faxai“ in der japanischen Metropole Tokio für Schäden und Verkehrsbeeinträchtigungen gesorgt.

Mindestens zwei Menschen starben, mehrere wurden verletzt. Mehrere Bahnverbindungen nach Tokio wurden daraufhin gesperrt, auf einigen Linien fuhren die Züge mit reduzierter Geschwindigkeit. Auch mehr als hundert geplante Flüge wurden wegen Faxai abgesagt.

Japan ist nur der Anfang

Japan soll nach Vorstellungen von Simplesurance nur der erste Schritt auf den Weg nach Asien sein. „Sieben Jahre nach der Gründung sind wir bereits in 28 europäischen Ländern tätig, jetzt haben wir den japanischen Markt erreicht“, betonte Simplesurance-Gründer von Hein. „Darüber hinaus prüfen wir derzeit verschiedene Optionen zur Expansion in Südostasien.“ Die Kooperation mit Tokio Marine sieht vor, in Japan und anderen asiatischen Märkten gemeinsam entwickelte neue Produkte an den Start zu bringen.

Die Berliner sind ein Mikroversicherer, dessen Software Kunden eine passende Versicherung anbietet, wenn dieser bestimmte Produkte kauft. Auf Websiten von Online-Anbietern vom Fahrradhändler bis hin zum Handyversender können Kunden so ihr gerade erworbenes Produkt sofort gegen Schäden versichern.

Das Start-up baut dabei das Versicherungsangebot direkt in die Website des Online-Händlers ein und gibt später die Aufträge an die Versicherungs-Gesellschaften weiter. Die Provision für den Abschluss der Policen teilen sich dann Händler und Simplesurance.

Für Endkunden betreiben die Berliner auch das Portal Schutzklick. Umsatz und Gewinnzahlen nennt das Start-up ebenso wenig wie die genaue Höhe der Beteiligung seiner Investoren.

Der Dax-30-Konzern Allianz war bereits 2016 bei Simplesurance eingestiegen. Mittlerweile betreut die Digital-Unit Allianz X die Anteile des Versicherers.

Auch bei einer Series-C-Finanzierung im Mai 2018 über 24 Millionen Dollar für Simplesurance führte der Investmentarm des Versicherungskonzerns die Finanzierungsrunde an. Auch der japanische Internetkonzern Rakuten beteiligte sich damals an dem deutschen Insurtech.

Nach eigenen Angaben nutzen über 2.500 Partner im E-Commerce Produkte von Simplesurance, darunter die Smartphone-Hersteller OnePlus und Huawei. Robin von Hein und Joachim von Bonin haben Simplesurance im Jahr 2012 mitgegründet.

Mit dem Sprung nach Japan übernimmt Simplesurance nun eine Vorreiterrolle unter den deutschen Insurtechs. Im Insurtech Radar 2019, einer Studie von Oliver Wyman und Policendirekt, heißt es, dass fast alle Versicherungs-Start-ups in Deutschland noch auf den Heimatmarkt fokussiert seien oder Geschäftsmodelle hätten, die sich nur schwer auf andere Versicherungsmärkte übertragen lassen.

Bisher hätten sich nur einige wenige Start-ups punktuell in andere europäische Märkte gewagt. „Das einzig wirklich international tätige deutsche Insurtech ist Simplesurance“, lautet das Fazit der Autoren. Gründer Robin von Hein wird das nicht ungern hören.

Mehr: Der digitale Versicherungsmakler Clark plant seinen Markteintritt in Österreich. Langfristig soll eine Expansion in weitere europäische Länder folgen.

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