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Deutsche Bank

Ein aktiver Banken-Chef, der das Mandat bei einem Konkurrenzinstitut wahrnimmt, ist mehr als unüblich in Europa.

(Foto: Reuters)

Interessenkonflikt Doppelrolle von Aufsichtsrat Zeltner wird zum Problem für die Deutsche Bank

Die Bankenaufsicht drängt die Deutsche Bank, den Interessenkonflikt eines Aufsichtsrats zu lösen: Jürg Zeltner soll sich für einen Job entscheiden.
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Frankfurt Die Deutsche Bank steuert auf einen Konflikt mit den europäischen Bankenaufsehern zu. Die Bankenkontrolleure wollen nach Handelsblatt-Informationen die Doppelrolle ihres neuen Aufsichtsrats Jürg Zeltner nicht akzeptieren: Zeltner ist im Hauptberuf Chef des Luxemburger Geldhauses KBL European Private Bankers. Die Aufsicht sieht darin einen schwer zu lösenden Interessenkonflikt. Sie dränge die Bank, diesen Konflikt abzustellen, sagten mit dem Sachverhalt vertraute Personen dem Handelsblatt. Es sei schwer vorstellbar, dass sich dieser Konflikt lösen lasse, solange Zeltner Deutsche-Bank-Aufsichtsrat und KBL-Chef bleibe, hieß es.

Die Einschätzung der EZB ist relevant, weil sie Banken-Vorstände und -Aufsichtsräte, die sie für ungeeignet hält, abberufen lassen kann. Sollte die Aufsicht sich gegen Zeltners Nominierung stellen, müsste er das Gremium verlassen.

Einen formaler Beschluss habe die EZB bislang aber nicht getroffen, sagten die Insider. Die Aufsicht übermittle ihre Unzufriedenheit bislang nur informell. Das passt ins Bild, denn die europäischen Bankenaufseher ziehen informellen Druck meist formalen Beschlüssen vor. Wie sie im Fall der Fälle entscheiden würde, ist damit offen. Am liebsten wäre es den Aufsehern wohl, wenn die Bank oder Zeltner von sich aus das Problem aus der Welt schaffen würde.

Die EZB und ein Sprecher Zeltners wollten die Informationen nicht kommentieren. Die Deutsche Bank verwies auf frühere Äußerungen, wonach ihr Nominierungsausschuss potenzielle Interessenkonflikte „geprüft und als gering eingeschätzt“ habe. Diese möglichen Konflikte „sowie deren Handhabung“, habe man der EZB ebenfalls angezeigt. Potenzielle Interessenkonflikte würden sich zudem in der Einstufung Zeltners als „nicht unabhängiges Mitglied des Aufsichtsrats“ bereits wiederfinden.

Dass Zeltner als „nicht unabhängig“ gilt, hat allerdings in erster Linie mit seinen Verbindungen zum Großaktionär aus Katar zu tun. Der katarischen Herrscherfamilie, die zwischen sechs und knapp zehn Prozent der Anteile an der Deutschen Bank hält, gehört die KBL-Muttergesellschaft.

Überlappung im Geschäft

In Finanzkreisen wird darauf verwiesen, dass die Bank auch in anderen Fällen Lösungen für die Interessenkonflikte von Aufsichtsräten gefunden hat. Der frühere Deutschland-Chef des Wirtschaftsprüfers PWC, Norbert Winkeljohann, etwa wirkte nicht an der Entscheidung bei der Wahl eines neuen Abschlussprüfers mit, wie der Geschäftsbericht des Geldhauses zeigt.

Und der Brite Richard Meddings, den Zeltner im August im Aufsichtsrat der Deutschen Bank ersetzte, war selbst Chef der britischen Privat- und Geschäftskundenbank TSB Bank – allerdings nur vorübergehend: Als der damalige Vorstandschef Paul Pester im Herbst 2018 nach einer gravierenden IT-Panne gehen musste, sprang Meddings ein, bis Debbie Crosbie im Mai 2019 das Ruder übernahm. Seither ist Meddings wieder nur Aufsichtsratschef der TSB.

Doch ein aktiver Banken-Chef, der das Mandat bei einem Konkurrenzinstitut wahrnimmt, ist mehr als unüblich in Europa. Der wichtigste Konfliktpunkt sind für die Bankenaufseher daher dem Vernehmen nach die Interessenkonflikte, die die Doppelrolle Zeltners als KBL-Chef und Aufsichtsrat der Deutschen Bank birgt. Denn Zeltner ist nicht nur Chef von KBL, sondern hat in das Institut auch „signifikant“ investiert.

Im – rechtlich unverbindlichen – EZB-Leitfaden zur Eignung von Vorständen und Aufsichtsräten fallen leitende Posten und finanzielle Interessen bei Konkurrenzfirmen unter „potenzielle wesentliche Interessenkonflikte“. Einen Rücktritt von seinem KBL-Posten oder einen Verkauf seiner Anteile hatte Zeltner gegenüber dem Handelsblatt im August aber abgelehnt.

Zwischen KBL und Deutscher Bank gibt es, anders als im Fall der TSB Bank, Überlappungen: Beide Institute buhlen etwa um Superreiche, also um so genannte „Ultra High Net Worth Individuals“, die mehr als 30 Millionen Dollar besitzen. Die KBL, der in Deutschland die Privatbank Merck Finck gehört, will kräftig expandieren. Auch die Deutsche Bank will die Vermögensverwaltung ausbauen und hat gerade erst mehrere Experten der Credit Suisse abgeworben, die auf die Betreuung von Superreichen spezialisiert sind.

Mehr: Auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner ist unter Druck. Investoren wollen eine weitere Amtszeit von ihm verhindern.

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