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Interessenkonflikte Aufsichtsrat der Deutschen Bank kapituliert: Zeltner will zurücktreten

Rückschlag für die Deutsche Bank: Der Vertreter des Großaktionärs aus Katar verlässt das Gremium auf Druck der Aufsicht. Sie sieht Interessenkonflikte.
Update: 10.10.2019 - 18:13 Uhr Kommentieren
Die Aufsichtsbehörde sieht beim früheren UBS-Vorstand einen Interessenskonflikt. Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt
Jürg Zeltner

Die Aufsichtsbehörde sieht beim früheren UBS-Vorstand einen Interessenskonflikt.

(Foto: Bert Bostelmann für Handelsblatt)

Frankfurt Die Deutsche Bank hat hoch gepokert und verloren: Der frühere UBS-Vorstand Jürg Zeltner wird den Aufsichtsrat der Deutschen Bank nach Kritik der Bankenaufsicht wieder verlassen. Das bestätigten Insider dem Handelsblatt. Die Deutsche Bank, ein Sprecher Zeltners und die Bankenaufsicht wollten das zunächst nicht kommentieren.

„Nach den jüngsten Äußerungen aus Kreisen der Aufsicht war klar, dass er das Gremium verlassen wird“, sagte eine andere mit dem Sachverhalt vertraute Person dem Handelsblatt. Hintergrund für den Schritt ist der Widerstand der Bankenaufsicht, die sich an Interessenkonflikten Zeltners störte.

Der einstige Vorstand der Schweizer UBS ist heute Chef des Luxemburger Geldhauses KBL European Private Bankers. Es ist mehr als unüblich, dass aktive Bankvorstände im Aufsichtsrat von Konkurrenzinstituten sitzen. Erst Mitte August hatte die Deutsche Bank Zeltner, der die Interessen der Großaktionäre aus Katar vertritt, gerichtlich zum Aufsichtsrat bestellen lassen.

Das war ein voreiliger Schritt, wie sich nun zeigt: Die Frankfurter hatten es versäumt, im Vorfeld mit der Bankenaufsicht informell abzuklären, ob sie Zeltner als Aufsichtsrat akzeptiert. Die europäischen Bankenaufseher haben das Recht, Vorstände und Aufsichtsräte von Banken abzulehnen.

Offiziell muss eine Bank das zwar nicht im Vorfeld klären. Das Gesetz schreibt vor, dass entsprechende Anträge erst nach einer Bestellung bei den Behörden eingereicht werden. Doch bei Vorständen — und in kritischen Fällen auch bei Aufsichtsräten — werden solche Personalien vorab geklärt, wie mehrere Aufsichtsratsexperten dem Handelsblatt in den vergangenen Wochen bestätigt haben.

Dass es mit der Berufung Zeltners zu Problemen kommen könnte, ist keine Überraschung: Der Leitfaden der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Eignung von Vorständen und Aufsichtsräten führt leitende Posten und finanzielle Interessen bei Konkurrenzunternehmen als „potenzielle wesentliche Interessenkonflikte“ auf.

Zu große Interessenkonflikte

Beides trifft auf Zeltner zu: KBL European Private Bankers ist auf vermögende Kunden spezialisiert. Und er ist an der KBL, deren Mutter Precision von der EZB beaufsichtigt wird, außerdem „signifikant“ beteiligt. „Ich hätte der Deutschen Bank von dieser Berufung von vorneherein abgeraten. Das war keine gute Idee“, sagte kürzlich ein Aufsichtsrechtler dem Handelsblatt.

Zwischen Deutscher Bank und KBL gibt es Überlappungen, weil beide um Superreiche buhlen, also um sogenannte „Ultra High Net Worth Individuals“, die mehr als 30 Millionen Dollar besitzen. Die KBL, der in Deutschland die Privatbank Merck Finck gehört, will kräftig expandieren. Auch die Deutsche Bank will die Vermögensverwaltung ausbauen.

Diesen Konflikt hätte Zeltner bestenfalls dann lösen können, wenn er von seinem Chefposten zurückgetreten wäre. Und selbst dann hätte die Aufsicht noch gnädig über seine finanzielle Beteiligung an KBL hinwegsehen müssen. Doch diesen Schritt hat der Schweizer nie in Erwägung gezogen. „Jürg Zeltner wird nicht von seinem Posten bei KBL European Private Bankers zurücktreten und die Aufsicht hat ja sehr deutlich gemacht, dass sie die Doppelrolle nicht akzeptieren wird“, sagte ein Insider.

Die Bank hatte zwar von vornherein mögliche Interessenkonflikte eingeräumt, hielt diese aber für beherrschbar. „Alle potenziellen Interessenkonflikte, die sich aus seiner Tätigkeit und seiner Beziehung zu einem unserer Großaktionäre ergeben könnten, sind dem Aufsichtsrat und der Gesellschaft angezeigt worden“, hatte ein Sprecher im August noch gesagt. „Sie wurden vom Nominierungsausschuss geprüft und als gering eingeschätzt.“

Finanzkreisen zufolge gab es sogar ein Gutachten, das diese Sicht unterstützt hat. Die Bank war der Meinung, potenzielle Interessenkonflikte würden sich ja bereits in der Einstufung Zeltners als „nicht unabhängiges Mitglied des Aufsichtsrats“ wiederfinden. „Der EZB gegenüber wurden die potenziellen Interessenkonflikte sowie deren Handhabung ebenfalls angezeigt“, sagte ein Sprecher der Bank damals noch.

Einen vergleichbaren Interessenkonflikt hat es im Aufsichtsrat der Bank bislang aber noch nicht gegeben. Der Ex-Deutschland-Chef des Wirtschaftsprüfers PwC, Norbert Winkeljohann, durfte etwa nicht an der Entscheidung bei der Wahl eines neuen Abschlussprüfers mitwirken. Und auch der Brite Richard Meddings, den Zeltner im August beerbte, war interimistisch Chef der Privat- und Geschäftskundenbank TSB Bank.

Als der damalige Vorstandschef Paul Pester im Herbst 2018 nach einer IT-Panne gehen musste, sprang Meddings ein, bis Debbie Crosbie im Mai 2019 das Ruder übernahm. Doch seither ist Meddings wieder nur Aufsichtsratschef der TSB.

Noch kein Ersatz in Sicht

Doch einen dauerhaft aktiven Bankchef, der im Aufsichtsrat eines Konkurrenten sitzt, sucht man in den Aufsichtsräten anderer Banken zumindest in Deutschland vergebens. Für die Deutsche Bank ist der Abschied Zeltners ein Rückschlag, nicht nur wegen des Ärgers, den sich die Bank bei den Behörden damit eingehandelt hat. Denn ein adäquater Ersatz dürfte schwer zu finden sein. Zeltner war der einzige Aufsichtsrat, der bei der Schweizer UBS eine Großbank schon mal von innen erlebt hat.

Bislang gibt es Insidern zufolge noch keinen Ersatzkandidaten für Zeltner. Völlig frei ist die Bank bei der Suche nach Alternativen nicht. Bei der Frage der Nachfolge wird sich die Bank eng mit den Großaktionären aus Katar abstimmen müssen, die über zwei Fonds knapp zehn Prozent der Aktien kontrollieren und deren Vertreter im Aufsichtsrat Zeltner war.

Mehr: Boni sind in Verruf gekommen, der Trend geht Richtung Festgehalt für Kontrolleure. Die Dax-Unternehmen geben trotzdem weiter hohe Summen für ihre Aufsichtsräte aus.

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