Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Internationale Institution Weltbank-Kritiker David Malpass soll Weltbank-Chef werden

Seine Irrtümer waren spektakulär, seine Beförderung ist es erst recht: Der Weltbank-Kritiker David Malpass soll Chef der Organisation werden.
Kommentieren
Der Trump-Getreue will Bürokratie und Chinas Scheckbuchdiplomatie bekämpfen. Quelle: Bloomberg
David Malpass

Der Trump-Getreue will Bürokratie und Chinas Scheckbuchdiplomatie bekämpfen.

(Foto: Bloomberg)

Berlin Immer mit der Ruhe, bloß die Nerven nicht verlieren – David Malpass war sich seiner Sache sicher. Es gebe keinen Grund zur Panik, schrieb er im Wall Street Journal, allenfalls „Korrekturen an den Immobilien- und Kreditmärkten“, die den Aufschwung in den USA sogar „wahrscheinlich verlängern“ würden.

Zeilen wie diese, erschienen am 7. August 2007, gelten als Beweis für die Selbstblendung der amerikanischen Finanzindustrie. Malpass war Chefökonom der Investmentbank Bear Stearns, als er seinen Gastbeitrag formulierte, ein angesehener Fachmann für die Launen der Märkte.

Acht Monate später befand sich die US-Wirtschaft in der Rezession und Bear Streams am Rand der Pleite. Nur mit einem Notverkauf und Staatshilfen konnte die Bank gerettet werden.

Es sollte nicht die einzige Prognose bleiben, mit der Malpass in den vergangenen Jahren weit daneben lag. 2012 schlug er Alarm: Die Steuererhöhungen der Regierung von Präsident Barack Obama würden die USA in die Rezession stürzen. Ungeachtet seiner Warnung setzte sich die Erholung fort.

Nun jedoch steht Malpass vor einem Karrieresprung, der mindestens so spektakulär wie seine Irrtümer ist: US-Präsident Donald Trump will den 62-Jährigen als neuen Weltbank-Chef vorschlagen. Ausgerechnet Malpass, der sich zuletzt als einer der schärfsten Kritiker der Entwicklungsorganisation profiliert hat.

Der bisher als Unterstaatssekretär im Finanzministerium für Internationales zuständige Republikaner zählt die Weltbank zu einem weltweit „wuchernden Geflecht“ von Bürokratien, die „Schuldenberge“ produzierten, „ohne Probleme zu lösen“ .

Er wirft der Washingtoner Entwicklungsorganisation vor, eher an ihrem eigenen Wachstum, als an dem ihrer Klienten interessiert zu sein.

Nicht der erste schwierige Chef der Weltbank

Die Mitarbeiter der Weltbank haben in den vergangenen Jahren reichlich Erfahrungen mit schwierigen Chefs gesammelt. Von 2005 bis 2007 durfte sich der Irak-Kriegsarchitekt Paul Wolfowitz als oberster Entwicklungshelfer versuchen – zum Entsetzen der Belegschaft. Auch der kürzlich überraschend zurückgetretene Jim Kim, von Obama als Reformer installiert, war intern hoch umstritten.

Die Beförderung von Malpass jedoch dürfte vielen Weltbank-Angestellten wie eine feindliche Übernahme vorkommen. Denn der Republikaner kritisiert nicht nur den entwicklungspolitischen Status quo, er stellt auch die Prinzipien infrage, auf denen die internationalen Finanzorganisationen basieren: „Globalismus und Multilateralismus“, dozierte Malpass kürzlich im US-Kongress, seien „deutlich zu weit gegangen“.

Jetzt oder nie, werden sich daher all jene denken, die das europäisch-amerikanische Duopol an der Spitze von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank zerschlagen wollen. Traditionell überlassen die Europäer den Amerikanern die Führung der Weltbank, dafür gewähren die Amerikaner den Europäern die Berufung des IWF-Direktors. Der gewachsenen Bedeutung der Schwellenländer trägt dieses Gentlemen-Agreement aus den Nachkriegsjahren keine Rechnung.

Dennoch stehen die Chancen gut, dass Malpass von den Anteilseignern der Weltbank bestätigt wird. In Europas Hauptstädten hält sich die Bereitschaft, wegen der Personalie neuen Streit mit den Amerikanern anzufangen, in Grenzen.

Malpass fiel zwar im US-Wahlkampf als Trump-Unterstützer auf, gilt aber selbst nicht als America-First-Ideologe, sondern eher als Republikaner der alten Schule, also als einer, der auf die Magie von Deregulierung und Steuersenkungen vertraut. Damit können die Europäer leben, zumal sie erfreut zur Kenntnis genommen haben, dass sich Malpass im Finanzministerium der jüngsten Kapitalerhöhung für die Weltbank nicht verweigert hat.

Das zusätzliche Geld dürfte Malpass in seiner künftigen Rolle gut gebrauchen können. Denn noch schärfer als die Weltbank kritisiert er Chinas Scheckbuch-Diplomatie, insbesondere das Projekt der „Neuen Seidenstraße“, mit dem Peking seinen Einfluss auf den Welthandel stärken will. Mit neuen Kreditangeboten könnte er den Chinesen Konkurrenz machen – sofern er sich bei seinem Kreuzzug gegen die Weltbank-Bürokratie nicht verrennt.

Finance Briefing
Startseite

Mehr zu: Internationale Institution - Weltbank-Kritiker David Malpass soll Weltbank-Chef werden

0 Kommentare zu "Internationale Institution: Weltbank-Kritiker David Malpass soll Weltbank-Chef werden"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote