Interne Untersuchung Deutsche Bank prüft Verkauf von Subprime-Autokrediten

Diesmal will die Deutsche Bank den Regulierern offenbar zuvorkommen: Das Geldhaus prüft, ob Angestellte beim Verkauf von Wertpapieren ehrlich zu ihren Kunden waren. Es geht um Subprime-Kredite – wie in der Finanzkrise.
Die Deutsche Bank will den Verkauf von Wertpapieren von riskanten Autokrediten überprüfen Quelle: AFP
Auto-Kredite geraten unter Verdacht

Die Deutsche Bank will den Verkauf von Wertpapieren von riskanten Autokrediten überprüfen

(Foto: AFP)

New YorkVertreter der Deutsche Bank AG gehen offenbar der Frage nach, ob Beschäftigte der Bank bei der Vermarktung von Wertpapieren, die mit riskanten Autokrediten unterlegt waren, gegenüber Kunden die Nachfrage nach den Papieren schönten und möglicherweise die Renditen für bestimmte Investoren drückten.

Die Bank untersucht in diesem Zusammenhang für die Kommunikation zwischen den betroffenen Beschäftigten und Investoren, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person, die sich Anonymität ausbat. Es solle festgestellt werden, ob bei der Vermarktung übliche Verkaufstechniken angewandt oder aber eine Grenze überschritten worden sei.

Untersucht werde überdies, ob bei der Zuteilung der Anleihen Großanleger zum Nachteil kleinerer Marktteilnehmer regelwidrig bevorzugt wurden.

Die interne Untersuchung der Deutschen Bank erfolgt vor dem Hintergrund einer verschärften branchenweiten Beobachtung der Handels- und Verkaufspraxis durch den Regulierer U.S. Securities and Exchange Commission. Die Behörde hat dabei die Märkte im Blick, auf denen Hypotheken, Autokredite und andere Kredite zu Wertpapieren gebündelt werden. Auf dem boomenden Markt für mit Autokrediten minderer Qualität unterlegte Instrumente sehen einige Regulierer Parallelen zu den Entwicklungen auf dem Markt für mit Subprime-Hypotheken unterlegte Anleihen aus dem ersten Jahrzehnt des Jahrhunderts.

Die Deutsche Bank fungierte 2015 in den USA als Underwriter für gebündelte Autokredite im Volumen von 6,79 Mrd. Dollar. Sie war damit nach Bloomberg-Daten in dem Markt mit einem Gesamtumfang von 102 Mrd. Dollar der achtgrößte Akteur. Amanda Williams, eine Sprecherin der Bank, wollte sich nicht zu der Meldung äußern.

Eine geschönte Darstellung der Nachfrage verleitet beim Vermarktungsprozess für Anleihen Investoren unter Umständen, niedrigere Renditen zu akzeptieren. Die Zuteilung der Titel an bevorzugte Kunden kann zudem gegen das Gebot der Gleichbehandlung verstoßen und einige Investoren von der Transaktion ausschließen. Derartige Methoden, die bei anderen Kapitalmarkttransaktionen als Mittel zur Erlangung von Aufträgen gelten, sind auf den Anleihemärkten schon in der Vergangenheit untersucht worden.

Diese Banken sind groß – und daher gefährlich
Klasse 1
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Der Finanzstabilitätsrat teilt die Banken in fünf Klassen ein. In der ersten Klasse befinden sich laut der vorgesellten Liste 18 Banken, die nicht als besonders systemrelevant gelten – eine mehr als im Vorjahr. Sie müssen nur ein Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Unter diesen nicht besonders gefährlichen Banken befinden sich Geldhäuser wie die Schweizer Großbank UBS, die Société Générale, die Santander, Credit Agricole, die Royal Bank of Scotland und die Bank of China. Neu hinzugekommen in diese Gruppe ist die US-Bank Morgan Stanley, die im Vorjahr noch einen höheren Kapitalpuffer vorhalten musste.

Klasse 2 – Morgan Stanley
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Die amerikanische Großbank Morgan Stanley landet auf Platz 11. Sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Seit der weltweiten Finanzkrise konzentriert sich Morgan Stanley stärker auf die Vermögensverwaltung. Damit soll das Geschäft weniger schwankungsanfällig werden.

Klasse 2 – Mitsubishi UFJ FG (MUFG)
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Die Mitsubishi UFJ FG (MUFG) muss ebenfalls 1,5 Prozent Kapital als Zuschlag vorhalten. Zu der japanischen Holdinggesellschaft gehört die Bank of Tokyo-Mitsubshi UFJ. Die Bankengruppe gehört im japanischen Leitindex Nikkei neben Toyota, Toshiba und Sony zu den Schwergewichten. Japanische Banken wie die MUFG profitieren derzeit von der extrem expansiven Geldpolitik der japanischen Notenbank. Sie erzielen bessere Ergebnisse als ihre schwächelnden Konkurrenten in Europa.

Klasse 2 – Goldman Sachs
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Auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird als „systemisch“ eingestuft, sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Im Sommer litt die Bank unter der Flaute an den Märkten. Ein florierendes Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen (M&A) konnte das dritte Quartal nicht retten: Der Nettogewinn brach um mehr als ein Drittel ein.

Klasse 2 – Credit Suisse
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Die zweitgrößte Schweizer Großbank Credit Suisse gilt als gefährlicher als ihr Konkurrent UBS. Der neue Chef der Bank, Tidjane Thiam, baut das angeschlagene Institut derzeit kräftig um. Er kündigte eine Kapitalerhöhung, einen Sparplan und einen Vorstandsumbau an. Aufschlag: 1,5 Prozent.

Klasse 2 – Bank of America
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Das größte Kreditinstitut der USA, die Bank of America, landet auf Platz 7 (Aufschlag: 1,5 Prozent). Die Bank hat die Finanzkrise überstanden und schreibt inzwischen wieder schwarze Zahlen.

Klasse 3 – Deutsche Bank
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Die Deutsche Bank ist das einzige deutsche Geldhaus, das vom Finanzstabilitätsrat als systemrelevant eingestuft wird. Sie muss zwei Prozent Kapital vorhalten. Der britische Neu-Chef John Cryan greift momentan durch und zeigt mit einem umfangreichen Stellenabbau und dem Streichen der Dividende Härte.

Es ist nicht gesagt, dass die Deutsche Bank in den genannten Bereichen aus staatlicher Sicht in irgendeiner Form gegen Regeln verstoßen hat. Das Justizministerium und andere staatliche Regulierer interessieren sich verstärkt für die Finanzierung von Autokäufen, seitdem die Verschuldung in diesem Bereich auf über eine Billion Dollar hochgeschossen ist.

Das Interesse von Investoren für Subprime-Autokredite schafft einen "Markt, der reif für Betrug und einen plötzlichen Anstieg von Vergehen ist", schrieb Craig Weiner, Partner bei der Kanzlei Robins Kaplan LLP, in einem Aufsatz, der eine gewaltige Klagewelle auf den Markt für entsprechende Wertpapiere zukommen sieht.

Überschrift des Artikels im Original: Deutsche Bank Said to Probe Sales of Subprime Auto Securities

  • Bloomberg
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