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Interview Bafin-Exekutivdirektor Pötzsch: „Eine hohe Rendite bedeutet ein hohes Risiko“

Thorsten Pötzsch spricht im Interview über unseriöse Anbieter von Finanzanlagen, verdächtig hohe Renditen und betrügerische Offerten aus dem Ausland.
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„Der Einfallsreichtum der am Markt tätigen Unternehmen ist unerschöpflich“, sagt der Exekutivdirektor der Finanzaufsicht Bafin. Quelle: Bernd Roselieb / BaFin
Thorsten Pötzsch

„Der Einfallsreichtum der am Markt tätigen Unternehmen ist unerschöpflich“, sagt der Exekutivdirektor der Finanzaufsicht Bafin.

(Foto: Bernd Roselieb / BaFin)

Seit einem Jahr leitet der frühere Ministerialbeamte Thorsten Pötzsch bei der Finanzaufsicht Bafin ein Ressort, das für Bankenabwicklung, den Kampf gegen Geldwäsche sowie verbotene Kapitalmarktprodukte des schwarzen Kapitalmarkts zuständig ist. Von seinem Büro in der Frankfurter Innenstadt aus kann er nun Finanzmarktgesetze anwenden, an denen er zum Teil selbst mitgearbeitet hat.

Herr Pötzsch, Sie sind unter anderem dafür zuständig, sogenannte unerlaubte Geschäfte zu unterbinden – also solche, die verbotenermaßen ohne behördliche Genehmigung betrieben werden. Ist das ein großes Problem in Deutschland?Dieses Thema hat mich schon stark beschäftigt, als ich noch im Bundesfinanzministerium war. Damals habe ich an den entsprechenden Gesetzen mitgearbeitet. Seit ich bei der Bafin bin, haben wir einen starken Fokus auf die Verfolgung unerlaubter Geschäfte gelegt. Im vergangenen Jahr haben wir bereits 87 Verbote ausgesprochen. Das ist schon jetzt die höchste Zahl, die wir je hatten.

Um was für Fälle handelt es sich dabei?
Es geht nicht um Firmen, die erlaubnispflichtige Geschäfte betreiben, ohne die Erlaubnispflicht zu erkennen und darauf von uns hingewiesen werden. Solche Leute stellen ihre Tätigkeit dann meist bereitwillig ein oder beantragen eine Erlaubnis. Bei den 87 Fällen geht es nicht selten um harte Brocken, hinter denen kriminelle Energie steckt. Bei Betreibern unerlaubter Geschäfte reden wir häufig über anonyme, international tätige Netzwerke, die versuchen, hier Regelungen zu umgehen, oder die die Regeln schlichtweg ignorieren.

Um was für Angebote geht es dabei?
Der Einfallsreichtum der am Markt tätigen Unternehmen ist unerschöpflich. Eine Firma sammelte Geld ein, um Olivenhaine zu verkaufen, diese dann zu pachten und anschließend zum Einstiegspreis zurückzukaufen. Zudem haben wir mehrere Untersagungen gegen Firmen ausgesprochen, die binäre Optionen an Privatanleger verkauft haben ...

... darunter versteht man hochriskante Termingeschäfte, die wie ein Wettgeschäft funktionieren.
In diesem Kontext steht auch die aktuelle, auf der Internetseite der Bafin abrufbare gemeinsame Warnung von Bafin, Bundeskriminalamt und Landeskriminalämtern vor betrügerischen internationalen Online-Handelsplattformen. Auch im Geschäft mit Kryptowährungen und digitalen Börsengängen (ICOs) gibt es viele unerlaubte Geschäfte. Grundsätzlich kann man beobachten, dass es durch die Digitalisierung leichter geworden ist, grenzüberschreitend kriminellen Geschäften nachzugehen.

Wie kann man auf die Idee kommen, große Summen in undurchsichtige Geschäfte mit Olivenhainen zu investieren?
Bei einigen vernebelt die Aussicht auf hohe Renditen offenbar den Verstand – gerade in Zeiten des Niedrigzinsumfelds. Dabei sollte sich jeder Anleger bewusst sein: Eine hohe Rendite bedeutet ein hohes Risiko. Und eine exorbitante Rendite bedeutet ein exorbitantes Risiko eines Totalverlusts.

Worauf sollten die Verbraucher aus Ihrer Sicht achten?
Vorsicht ist angebracht bei Unternehmen, die damit werben, dass sie unter die Aufsicht der Bafin fallen – das aber nicht tun. Warnhinweise zu unerlaubten Geschäften finden Verbraucher auf der Internetseite der Bafin.

Welche Schäden entstehen durch solche unerlaubten Finanzgeschäfte?
Wir schätzen, dass wir uns in einem substanziellen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich bewegen – allein in den 87 Fällen, bei denen wir im vergangenen Jahr Verbote ausgesprochen haben.

Was tut die Bafin, um solche unseriösen Offerten einzudämmen?
Bei uns sind rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Erlaubnispflicht und unerlaubte Geschäfte zuständig – und sie haben viel zu tun. Eine Haupterkenntnisquelle ist das Internet. Zudem bekommen wir zahlreiche Hinweise, beispielsweise von Konkurrenten am Markt, den Verbraucherzentralen und einzelnen Bürgern. Wenn sich Verdachtsmomente ergeben, recherchieren wir im geschäftlichen Umfeld, werten Konten aus, machen auch Vor-Ort-Prüfungen oder führen mit richterlichem Beschluss, oft auch gemeinsam mit den Strafverfolgungsbehörden, Durchsuchungen durch. Anschließend sprechen wir Untersagungen aus, die wir konsequent durchsetzen.

Heißt das, dass die betrügerischen Firmen dann auch tatsächlich dichtgemacht werden?
In Deutschland in der Regel schon. Aber in vielen Fällen sitzen die Betrüger im Ausland. Wir können deren Tätigkeit untersagen, die inländischen Vermittlernetze zerschlagen und potenzielle Kunden warnen.

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