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Interview mit Friedrich Metzler Von Metzler: „Immer die gleichen Fehler“

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Brauchen wir eine Bad Bank, in der alle faulen Kredite und toxischen Wertpapiere gesammelt und danach abgebaut werden?

Wir als Metzler brauchen diese glücklicherweise nicht. Die Bad Bank ist möglicherweise für die Banken ein praktikabler Weg auf dem Weg zu normalen Verhältnissen. Vergessen Sie bei diesen Überlegungen aber nicht, dass gerade die privaten Banken in Deutschland sich noch gut behauptet haben. In anderen Ländern sind die Verwerfungen viel einschneidender. Für Deutschland gilt: Es dauert seine Zeit, bis das Vertrauen unter den Banken wieder zurückkehrt. Gerade im Interbankenmarkt, wo sich die Institute gegenseitig Geld leihen, kommt die Entspannung nicht von heute auf morgen.

So lange sollen die Notenbanken Geld in den Markt pumpen?

Ja, das muss wohl sein. Es stellt sich aber schon die Frage, wann die Zentralbanken wieder das Geld verknappen können. Denn auf Dauer müssen sie das, ohne Frage. Wir müssen wieder weg von dem vielen vagabundierenden Kapital. Das hat die letzte Finanzblase und deren Platzen auf das Deutlichste gezeigt. Aber grundsätzlich stehen wir wohl oder übel unter Umständen erst einmal vor deflationären und dann mit hoher Wahrscheinlichkeit vor inflationären Zeiten. Daran gibt es nichts zu rütteln.

Kommt es zu einer Fusionswelle bei den Banken?

Da sind wir doch schon mitten drin bei den großen Instituten. Schauen Sie in die USA, wo etwa die Bank of America Merrill Lynch gekauft hat und Bear Stearns und Washington Mutual in JP Morgan Chase aufgingen. Und in Deutschland ist mit der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank und den Einstieg der Deutschen Bank bei der Postbank auch einiges in Bewegung. Für uns selbst kann ich mir in Deutschland allerdings keinen Fusionskandidaten vorstellen. Unser Geschäftsmodell als Investment- und Vermögensverwaltungsbank zeigt sich äußerst tragfähig. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben wir uns an die Zeit erinnert, in der es in Deutschland einen funktionierenden Kapitalmarkt gab, und unverdrossen auf dessen Renaissance und die Aktienanlage gesetzt, als dies noch lange kein Thema war. Wir bekamen recht.

Liegt der Strickfehler der Banken im Gehalts- und Bonisystem?

Ich sehe das auch kritisch. Unsere Mitarbeiter bekommen keinen Bonus, der sich lediglich am kurzfristig messbaren Geschäftserfolg ausrichtet. Es kommen auch andere Faktoren wie die Teamarbeit, die strategische Weiterentwicklung der Bank oder der langfristige Erfolg zum Tragen. Grundsätzlich sollte in unserer Industrie der größte Teil der an feste Formeln geknüpfte Vergütungen zwei bis drei Jahre stehen bleiben und nicht bar ausgezahlt werden. Abzüge greifen, sobald die Erwartungen mittelfristig nicht erfüllt werden. Ohnehin sind manche, in der Vergangenheit gezahlten, exorbitanten Vergütungen für mich nicht vermittelbar.

Werden die Banken künftige Krisen vermeiden nach den jüngsten Erfahrungen?

Solange es Kapitalmärkte gibt, wird des auch Übertreibungen geben – nach oben wie unten. Die Fehler sind immer die gleichen. Modelle, Regelwerke und feste Schemata schaffen eine vermeintliche Sicherheit. Der gesunde Menschenverstand ist aber durch nichts zu ersetzen.

Das Geheimnis der Langlebigkeit

Das Bankhaus

Seit 334 Jahren ist das Bankhaus Metzler in Familienbesitz. Die Entwicklung des Instituts war über die Jahrhunderte immer eng mit der Geschichte der Gründerfamilie verbunden. Als wichtigstes Ziel der Metzlers galt immer, die Unabhängigkeit des Bankhauses zu bewahren. Das gilt bis in die heutigen Tage. Das Bankhaus ist ursprünglich aus dem Tuchhandel hervorgegangen. Der aus Sachsen eingewanderte Benjamin Metzler gründete das Unternehmen 1674 in Frankfurt. Schrittweise wurden der Warenhandel und das Geldgeschäft gekoppelt.

Die Person

Der 65-jährige Friedrich von Metzler zählt zu den wenigen Bankern, denen trotz der Finanzkrise noch Vertrauen geschenkt wird. Mit neun Partnern führt er B. Metzler seel. Sohn & Co in der elften Generation. 1971 stieg Metzler mit seinem Vetter Christoph in die Geschäftsleitung der Bank ein. Angesichts von einigen Jahren Erfahrung bei Banken in London, New York und Paris sowie bei der Deutschen Bank in Düsseldorf gab er dem Bankhaus eine angelsächsische Prägung. Trotz aller mathematischer Modelle setzt er auf den gesunden Menschenverstand.

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