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Interview mit Hubertus Väth „Frankfurt liegt vorne – aber Paris hat sich zu einem formidablen Wettbewerber entwickelt“

Sieben Monate vor dem Brexit schlägt die Standortinitiative „Frankfurt Main Finance“ Alarm. Denn Paris macht beim Werben um Londoner Banken Boden gut.
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Londoner Bankenumzüge: Paris macht Frankfurt Konkurrenz Quelle: dpa
Frankfurter Skyline

Die Mainmetropole wünscht sich beim Werben um Finanzkonzerne aus London mehr Unterstützung aus der Politik.

(Foto: dpa)

FrankfurtIm März 2019 tritt Großbritannien aus der Europäischen Union aus. In London ansässige Finanzinstitute brauchen dann eine Tochter mit Banklizenz in der EU, wenn sie weiter Produkte und Dienstleistungen in den verbliebenen 27 Mitgliedstaaten verkaufen wollen. Neben Frankfurt werben auch Paris, Dublin und Amsterdam um die Ansiedlung von Finanzkonzernen aus London.

Mehr als ein Dutzend Banken hat sich inzwischen für Frankfurt entschieden. Doch in den vergangenen Monaten hat der Konkurrent Paris Boden gut gemacht, was viele vor allem auf das Werben von Präsident Emmanuel Macron zurückführen. Der ehemalige Investmentbanker weiß, wovon er spricht. Laut „Financial Times“ empfing Macron kürzlich Larry Fink, den Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, im Élysée-Palast. Wenig später sagten Blackrock und die ebenfalls umworbene US-Bank Citi der Zeitung zufolge dann zu, ihre Niederlassungen in Paris deutlich aufzustocken.

Hubertus Väth, der Geschäftsführer der Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance, sieht die Entwicklung mit Sorge. Doch er gibt sich zuversichtlich, dass die deutsche Finanzhauptstadt am Ende der größte Brexit-Profiteur sein wird. Väth setzt dabei auch auf Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Herr Väth, wie gut ist die deutsche Wirtschaft auf den bevorstehenden Brexit vorbereitet?
Viele Banken und Unternehmen erwarten eine Einigung beim EU-Gipfel im Oktober oder beim EU-Sondergipfel im November. Aber es ist mitnichten ausgemacht, dass es zu einer Vereinbarung über das künftige Verhältnis von Großbritannien und der EU kommen wird. Und wenn es keine Einigung gibt, ist die Zeit bis Ende März verdammt knapp. Unternehmen und Banken sollten deshalb schleunigst Vorkehrungen für einen harten Brexit treffen. Wir erwarten einen heißen Herbst.

Wie steht es um Frankfurt im Wettbewerb um Finanzkonzerne aus London, die nach dem Brexit eine neue Heimat suchen?
Aus unserer Sicht liegt Frankfurt vorne. Aber Paris hat sich zu einem formidablen Wettbewerber entwickelt – und das kostet Arbeitsplätze in Deutschland. Es hat weh getan, dass Paris und nicht Frankfurt den Zuschlag für die Ansiedlung der europäischen Bankenbehörde EBA bekommen hat. Und auch das engagierte Werben von Präsident Macron um Finanzkonzerne hat Paris Rückenwind verliehen.

„Es ist mitnichten ausgemacht, dass wir den Vorsprung, den wir uns bisher erarbeitet haben, bis zur Ziellinie retten können.“ Quelle: Pressefoto
Hubertus Väth

„Es ist mitnichten ausgemacht, dass wir den Vorsprung, den wir uns bisher erarbeitet haben, bis zur Ziellinie retten können.“

(Foto: Pressefoto)

Müssen Sie Ihre Prognose revidieren, dass in Frankfurt im Zuge des Brexits 10.000 neue Arbeitsplätze entstehen?
Nein, ich sehe weiterhin das Potenzial. Bisher sind 1500 bis 2000 neue Jobs in der Finanzbranche entstanden. Dabei handelt es sich nicht nur um Banker, sondern auch um Wirtschaftsprüfer, Anwälte, IT-Experten und Berater. Rund 40 Prozent der Arbeitsplätze wurden verlagert, für den Rest wurde vor Ort Personal eingestellt.

Warum sollten in den kommenden zweieinhalb Jahren gut 8000 weitere Jobs entstehen?
Zuversichtlich stimmt mich, dass in das Thema Euro-Clearing Bewegung gekommen ist. Die Marktanteile verschieben sich spürbar von London nach Frankfurt – und diese Entwicklung wird weitergehen. Am Ende wird die Zahl der zusätzlichen Arbeitsplätze in Frankfurt stark davon abhängen, wie das Verhältnis zwischen Großbritannien und der EU nach dem Brexit aussehen wird. Bisher versuchen die meisten Finanzinstitute, die Zahl der Umzüge so gering wie möglich halten. Aber dabei wird es im Falle eines harten Brexits nicht bleiben. Das volle Ausmaß der Veränderungen wird vermutlich erst 2021 sichtbar werden.

Tut die Bundespolitik genug, um Finanzkonzerne nach Deutschland zu locken?
Im September stehen in den Vorständen vieler wichtiger Banken Weichenstellungen an. Und es ist mitnichten ausgemacht, dass wir den Vorsprung, den wir uns bisher erarbeitet haben, bis zur Ziellinie retten können. Deshalb sind verstärkte Anstrengungen nötig. Der Auftritt von Olaf Scholz beim Banken-Gipfel und der Besuch von Angela Merkel kommende Woche in Frankfurt sind wichtige Signale. Wir freuen uns, dass die Unterstützung der Bundespolitik für den Finanzplatz jetzt visibler wird als in den vergangenen Monaten.

Herr Väth, vielen Dank für das Gespräch.

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