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Interview Sparkassenpräsident Schleweis kämpft für eine XXL-Bank

Der DSGV-Chef drängt auf Zusammenschlüsse im öffentlichen Finanzsektor. Aus der Fusion von Helaba und Deka könnte eine Sparkassen-Zentralbank entstehen.
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Der DSGV-Präsident hat vor einem Jahr die Schaffung einer Sparkassenzentralbank vorgeschlagen. Quelle: Marko Priske für Handelsblatt
Helmut Schleweis

Der DSGV-Präsident hat vor einem Jahr die Schaffung einer Sparkassenzentralbank vorgeschlagen.

(Foto: Marko Priske für Handelsblatt)

Frankfurt Sparkassenpräsident Helmut Schleweis macht sich für eine umfassende Konsolidierung des öffentlich-rechtlichen Finanzsektors stark. Ein Zusammenschluss der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und des Fondsanbieters Deka soll dabei nur der erste Schritt sein. „Durch eine Fusion von Helaba und Deka würde ein Nukleus für ein Zentralinstitut entstehen“, sagt der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) im Handelsblatt-Interview.

„Die Bereitschaft und die Möglichkeit, weitere Banken aufzunehmen, sind da“, versichert er. „Das ist erst der Anfang.“ Vor einem Jahr hatte Schleweis angeregt, alle öffentlich-rechtlichen Spitzeninstitute zu einer Art Super-Landesbank zu verschmelzen, die er Sparkassenzentralinstitut nennt.

Bei den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg gebe es aktuell jedoch keine Bereitschaft, die BayernLB beziehungsweise die LBBW in ein Zentralinstitut einzubringen, räumt Schleweis ein.

Er will sich deshalb zunächst auf die Deka und die Helaba konzentrieren, die ganz beziehungsweise mehrheitlich in Sparkassenhand sind. Offiziell sollen beide Institute nur eine „vertiefte Zusammenarbeit“ prüfen.

Aber Schleweis macht deutlich, dass er mit einem Zusammenschluss rechnet. „Eine Fusion von Deka und Helaba würde zweifellos den größten Mehrwert schaffen.“ Ob der Plan des DSGV-Chefs aufgeht, ist unklar. In der Sparkassen-Finanzgruppe stehen viele hinter Schleweis, aber es gibt auch einflussreiche Akteure, die einer Fusion von Deka und Helaba kritisch gegenüberstehen.

Lesen Sie hier das ganze Interview:

Herr Schleweis, vor einem Jahr haben Sie die Schaffung einer Sparkassenzentralbank vorgeschlagen. Warum ist seitdem so wenig passiert?
Für ein solch großes Projekt sind Vorbereitungen und Gespräche notwendig. Wir haben die Zeit genutzt, um das Vorhaben anzupassen. Denn es hat sich herausgestellt, dass das erste Modell, das ich vor einem Jahr vorgeschlagen habe, sich so noch nicht umsetzen ließ, weil nicht alle Beteiligten davon überzeugt waren. Deshalb wird nun eine engere Zusammenarbeit von Deka und Helaba geprüft.

Sind Sie enttäuscht, dass sich der öffentlich-rechtliche Sektor nur zu diesem Minimalkonsens durchringen konnte?
Wir sind nie davon ausgegangen, dass eine Verschmelzung aller Spitzeninstitute auf einen Schlag gelingen kann. Es war klar, dass es sich um ein sehr komplexes Projekt handelt. Aber es war wichtig, die entscheidenden Fragen auszuloten. Gibt es einen Konsens, wo die Reise hingehen soll? Und wie weit will man gehen?

Einen solchen Konsens gab es nicht.
Es gibt einen Konsens, dass die Sparkassen ein Zentralinstitut brauchen. Aber wie groß es ist und aus welchen Teilen es besteht, wird sich erst auf dem Weg dahin entscheiden. Die Sparkassen wollen im Zielzustand 100 Prozent an dem Zentralinstitut halten. Aber das lässt sich bei den aktuellen Beteiligungsquoten nicht sofort verwirklichen. Es wären große Kapitalzuführungen nötig, um einzelne Länder aus ihren Landesbanken herauszukaufen. Deshalb ist klar: Wir müssen einen Schritt nach dem anderen machen.

Könnte die Sparkassen-Finanzgruppe denn realistischerweise mehrere Milliarden Euro aufbringen, um Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg aus ihren Landesbanken herauszukaufen?
Vorstellen kann man sich vieles. Aber ich will jetzt nicht darüber spekulieren, wie, wann und zu welchem Preis das möglich wäre.

Gibt es bei den Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern eine Bereitschaft, die LBBW beziehungsweise die BayernLB irgendwann in eine Sparkassenzentralbank einzubringen?
Aktuell sehe ich diese Bereitschaft nicht. Und ich respektiere, dass beide derzeit keine Notwendigkeit sehen, ihre Landesbanken in ein Zentralinstitut der Sparkassen einzubringen. Ich konzentriere mich deshalb auf das, was aktuell möglich ist: Durch eine Fusion von Helaba und Deka würde ein Nukleus für ein Zentralinstitut entstehen. Das Modell ist offen für andere. Die Bereitschaft und die Möglichkeit, weitere Banken aufzunehmen, sind da. Das ist erst der Anfang. Das wissen alle Beteiligten. 

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Wäre es naheliegend, im nächsten Schritt den Immobilienfinanzierer Berlin Hyp dazuzunehmen, der zu 100 Prozent in Sparkassen-Hand ist?
Wir sind vorbereitet für weitere Schritte. Aber wir sollten uns nun erst mal auf die Deka und die Helaba konzentrieren.

Die geplante Kombination von Helaba und Deka ist keinesfalls in trockenen Tüchern. Der DSGV hat Mitte Oktober zunächst kommuniziert, es werde eine vertiefte Zusammenarbeit „bis hin zu einer Zusammenführung“ geprüft. Später wurde der Zusatz „bis hin zu einer Zusammenführung“ wieder gestrichen. Warum?
Wir wollten deutlich machen, dass es eine ergebnisoffene Prüfung ist. Wir wollen das Ergebnis durch unsere Kommunikation nicht vorwegnehmen. Entscheidend für den Erfolg ist, dass alle Interessen ernst genommen werden.

Aber am wahrscheinlichsten ist aus Ihrer Sicht eine Fusion?
Ja. Durch die Rahmenbedingungen im Bankensektor, allen voran durch die dauerhaft niedrigen Zinsen, steigt der Druck auf Finanzinstitute, Skaleneffekte zu erzielen. Wir sind darauf angewiesen, dass Banken mit bestimmten Geschäftsmodellen eine gewisse Größenordnung erreichen. Eine Fusion von Deka und Helaba würde zweifellos den größten Mehrwert schaffen.

Die Sparkassen in Baden-Württemberg haben sich in der Vergangenheit gegen eine solche Fusion ausgesprochen, weil sie die Entstehung eines übermächtigen Konkurrenten für die LBBW verhindern wollten. Haben Sie Signale, dass der baden-württembergische Sparkassenpräsident Peter Schneider seine Meinung geändert hat und eine Fusion im Deka-Verwaltungsrat durchwinkt?
Ich fordere niemanden auf, jetzt einen Blankoscheck auszustellen. Eine Entscheidung kann man sinnvollerweise erst dann treffen, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen und die Prüfung abgeschlossen ist. Ich habe mir die Zahlen schon angesehen und bin überzeugt, dass ein Zusammenschluss großen Charme hätte. Ich glaube, dass die Argumente gut sind und die Ergebnisse der Prüfung eine zwingende Logik entfalten werden. Deshalb halte ich eine Zustimmung der Anteilseigner für erreichbar.

Es gibt also auch in Baden-Württemberg eine grundsätzliche Bereitschaft, sich eine Fusion anzuschauen?
Die Interessen der Sparkassen in Baden-Württemberg unterscheiden sich nicht von denen aus den anderen Teilen Deutschlands.

Bei der Deka und bei der Helaba stehen jeweils Chefwechsel an. Macht das eine Fusion einfacher oder schwieriger?
Ich kenne die handelnden Personen gut und bin überzeugt, dass die Sachfragen und die Zukunft der Institute die entscheidende Rolle in den Gesprächen spielen werden.

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Die Helaba ist Eigentümerin der Frankfurter Sparkasse. Ihr Ziel ist jedoch eine Sparkassenzentralbank ohne Beteiligung an einer Sparkasse. Heißt das, die Helaba muss die Frankfurter Sparkasse im Zuge der Deka-Fusion abspalten?
Zu einem Zentralinstitut der Sparkassen sollte keine eigentliche Sparkasse gehören, das stimmt. Aber das ist ein Thema, das man irgendwann in der Zukunft angehen kann. Ich sehe keine Notwendigkeit, die Frankfurter Sparkasse bei einer Fusion von Deka und Helaba unmittelbar herauszulösen. Das Gleiche gilt für die 1822 direkt. Ein Zusammenschluss von Helaba und Deka ist komplex genug. Da sollten wir die Komplexität nicht zusätzlich erhöhen.

Sie stehen seit 2018 an der Spitze des DSGV und setzen sich seitdem für eine Konsolidierung der Spitzeninstitute ein. Was treibt Sie an?
Ich habe mich auch schon vor meiner Zeit als DSGV-Präsident für eine Konsolidierung der Spitzeninstitute ausgesprochen. Dafür gibt es vor allem zwei Gründe: Wir brauchen ein Zentralinstitut, das die Bedürfnisse der Sparkassen und ihrer Kunden einheitlich und dauerhaft auf höchstem Niveau bedienen kann. Und wir können angesichts der Wettbewerbs- und Marktherausforderungen auch nicht davon ausgehen, dass alle Institute ihre Geschäftsmodelle einfach so wie in der Vergangenheit weiterfahren können. Ich halte es für richtig, zu einem Zeitpunkt zu handeln, zu dem wir sinnvoll und selbstbestimmt gestalten können.

Wie soll das Zentralinstitut konkret aussehen?
Das Zentralinstitut soll die Produkt- und Leistungspalette der Sparkassen dort gezielt ergänzen, wo dies einzelne Sparkassen nicht sinnvoll aus eigener Kraft können. Das gilt etwa bei der Betreuung vermögender Kunden, im Zahlungsverkehr und im Auslandsgeschäft. Außerdem soll sich das Institut im Rahmen von Konsortialkrediten an größeren Darlehen beteiligen, die Sparkassen nicht allein stemmen können. Deshalb muss das Zentralinstitut auch eigene Kreditkompetenz haben. Darüber hinaus kann die Bank auch eigene Kundenbeziehungen haben, allerdings nicht mit der breiten Privatkundschaft.

Soll das Institut weiter im Geschäft mit Dax-Konzernen wie BMW und Daimler mitmischen, wie dies viele Landesbanken heute tun?
Es ist nicht intendiert, aber auch nicht ausgeschlossen, dass das Zentralinstitut eigenständiges Geschäft mit Dax-Konzernen macht.

Rechnerisch käme eine Sparkassenzentralbank auf eine Bilanzsumme von rund 700 Milliarden Euro. Wie groß sollte das Institut denn aus Ihrer Sicht sein?
Die Größe ist für uns nicht das entscheidende Ziel. Die Bilanzsumme soll nur so groß sein, wie es nötig ist, damit das Zentralinstitut seine Rolle ausfüllen kann. Zudem sollten im Zuge eines Zusammenschlusses die Risiken und damit auch die Bilanzsumme heruntergefahren werden. Die Sparkassen wollen ein möglichst risikoarmes Geschäftsmodell.

Commerzbank-Vorstandschef Martin Zielke hat um eine engere Zusammenarbeit mit dem öffentlich-rechtlichen Sektor geworben. Warum haben Sie ihn abblitzen lassen?
Alle Verantwortlichen im deutschen Bankensektor tun gut daran, sich um die Themen zu kümmern, die sie direkt beeinflussen können. Von säulenübergreifenden Konsolidierungsfantasien halte ich nichts. Die haben in der Realität keine Chance auf Umsetzung.

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Manche Kritiker sagen, die Sparkassen-Organisation müsse erst mal die Rettung der NordLB abschließen, bevor sie eine Sparkassenzentralbank vorantreibt.
Beide Baustellen haben miteinander nichts zu tun, wenn man sich die Zeitschiene anschaut. Das Thema NordLB muss dieses Jahr noch gelöst werden. Bei einer möglichen Fusion von Deka und Helaba wird es dagegen wohl noch ein Jahr oder länger dauern, bis alle Fragen geklärt sind.

Gibt es bei der NordLB schon Signale, ob die EU-Kommission die angedachte Lösung genehmigt?
Die Gespräche sind recht weit gediehen, aber noch nicht abgeschlossen. Wenn die EU-Kommission eine Entscheidung getroffen hat, werden wir damit umgehen. Positiv ist aus meiner Sicht, dass die Bank ein Geschäftsmodell vorgelegt hat, das sie künftig verfolgen will. Es wird noch viel Arbeit sein, das umzusetzen.

Sollte die NordLB nach ihrer Restrukturierung an die Sparkassenzentralbank angedockt werden?
Der niedersächsische Finanzminister Reinhold Hilbers hat gesagt, dass er einer Konsolidierung aufgeschlossen gegenübersteht. Aber die NordLB muss erst einmal ihre eigenen Hausaufgaben machen. Es ist zu früh, sich jetzt mit einer Einbindung in ein Zentralinstitut zu befassen. Aktuell handelt es sich um zwei verschiedene Handlungsstränge, die parallel ablaufen.

Werden wegen der lange anhaltenden Niedrig- beziehungsweise Negativzinsen Sparkassen in Bedrängnis kommen?
Nein. Die Erträge im Zinsgeschäft werden stark zurückgehen. Aber die Sparkassen können mit dieser Herausforderung umgehen. Das ist nicht das Ende der Welt. Es ist auch eine Chance, Potenziale zu heben, die es bei den einzelnen Instituten und im Verbund noch gibt. Bei den Landesbausparkassen und Versicherungen hat es zuletzt bereits einige Zusammenschlüsse gegeben. Aber da ist noch mehr möglich. Die Entscheidung über weitere Schritte liegt natürlich bei den Eigentümern.

Herr Schleweis, vielen Dank für das Interview.

Mehr: Der oberste Sparkassenvertreter Helmut Schleweis hält wegen der Konjunkturabkühlung mehr öffentliche Investitionen für notwendig. Die Geldpolitik der EZB greift er scharf an.

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