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Zeno Staub

„Der deutsche Kunde ist wählerisch.“

(Foto: picture alliance/KEYSTONE)

Interview Vontobel-Chef Staub: „Steuerflucht ist tot, aus und vorbei“

Der Chef der schweizerischen Bank spricht im Interview über das Ende des Bankgeheimnisses, die Zukunft der Geldhäuser und die Unsterblichkeit.
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Zum Gespräch mit dem Handelsblatt erscheint Zeno Staub gut gelaunt. Vielleicht liegt's an den Zahlen: Obwohl die Turbulenzen an den Märkten auch Vontobel zu schaffen machen, konnte das Institut seinen Gewinn im vergangenen Jahr steigern.

Herr Staub, vor zehn Jahren läutete die Schweiz das Ende des Bankgeheimnisses für Ausländer ein. Trauern Sie den alten Zeiten hinterher?
Nein. Das leidige Thema Steuerflucht ist tot, aus und vorbei. Natürlich mag es Kunden gegeben haben, die ihr Geld deshalb in die Schweiz gebracht haben. Aber Schweizer Banken wissen längst mit anderen Werten zu überzeugen.

Aber viele Institute in der Schweiz haben zu kämpfen, die Zahl der Anbieter sinkt Jahr für Jahr.
Tatsächlich erleben wir eine stille Konsolidierung. Manche Wettbewerber werden vom Markt verschwinden. Ich bin überzeugt, dass die Konsolidierung weitergehen wird und wir einer der Gewinner in diesem Prozess sein werden.

Was machen die Verlierer denn falsch?
Manche Privatbanken haben ihre Werteversprechen zu lange auf der langen Tradition und einem verzerrten Verständnis von „Swissness“ aufgebaut, das sich auf Diskretion beschränkt hat. Aber wer sein Geld einer Bank anvertraut, interessiert sich nicht für die Vergangenheit, sondern für die zukünftige Entwicklung.

Weshalb sollten Kunden ihr Geld ausgerechnet in die Schweiz bringen?
Weil die Schweiz ein einzigartiger Standort für erfolgreiche internationale Anbieter ist. Hier finden Sie Service und eine hohe Kompetenz in Investmentfragen. Die Schweiz steht für Qualität, Verlässlichkeit, eine stabile Währung, tiefe Inflation und stabile Staatsfinanzen. Aber nicht alle Institute wissen diese Vorteile gleichermaßen für sich zu nutzen.

Die Margen in Ihrer Branche leiden unter dem Siegeszug von passiven Produkten, also Indexfonds.
Stimmt. Denn natürlich gibt es Menschen, die sagen: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, und die einfach einen Index wie den Dax kaufen. Dann gibt es Zwischenprodukte, die aktives Management versprechen, aber eigentlich nur Indizes abbilden und eine heftige Gebühr verlangen. Dort rechne ich mit einer Bereinigung. Aber ich bin überzeugt, dass echte, aktiv gemanagte Fonds eine Zukunft haben, weil sie langfristig besser abschneiden können als Indizes.

Trotzdem bekamen die Vermögensverwalter die jüngsten Marktturbulenzen kräftig zu spüren. Sie doch auch.
Ja, aber eine gewisse Volatilität gehört an der Börse nun mal dazu. Wir kommen aus einer Phase, in der die ganze Welt an stabiles, synchrones Wirtschaftswachstum und die Unterstützung durch die Notenbanken geglaubt hat. Diese Phase ist vorbei. Aktien bieten nun mal deshalb eine Risikoprämie, weil ihr Wert nicht nur nach oben, sondern auch nach unten ausschlagen kann. Daran müssen wir uns erst wieder gewöhnen.

Vontobel hat im vergangenen Jahr zehn Prozent mehr verdient. Trotzdem bleibt die Dividende unverändert. Sind Sie knausrig, oder stellen Sie sich auf ein schlimmes Jahr ein?
Wir wollen uns nicht kurzfristig beliebt machen, sondern eine verlässliche und stabile Dividendenpolitik liefern. Unser Versprechen lautet, in normalen Geschäftsjahren mehr als die Hälfte des Gewinns auszuschütten, und das wollen wir in diesem Jahr tun. Außerdem haben wir 2018 eine große Akquisition erfolgreich umgesetzt.

Sie meinen den Zukauf der Privatbank Notenstein-La-Roche von der Schweizer Raiffeisen. Aber manche Kunden haben den Wechsel nicht mitgemacht.
Von den insgesamt 16,5 Milliarden Franken an Kundenvermögen von Notenstein ist rund eine Milliarde abgeflossen. Das ist für solche Transaktionen ein sehr guter Wert. Wir erwarten, dass es keine weiteren wesentlichen Abflüsse gibt und wir den Blick nach vorn richten können.

Kommt jetzt der nächste Deal?
Wir haben nie gesagt, dass man Vontobel-Aktionär werden soll, weil wir der beste Serien-Zukäufer sind. Wir wollen einen guten Job für unsere Kunden machen und überdurchschnittlich organisch wachsen. Und natürlich gehören Akquisitionen auch dazu, wo sie sinnvoll sind. Aber die Priorität liegt auf organischem Wachstum.

Also muss man nicht unbedingt zukaufen?
In unserer Branche hat sich in den vergangenen Jahren eine sehr einseitige Definition von Wachstum durchgesetzt. Um zu wachsen, wurden Kundenmanager abgeworben oder eingekauft. Dabei sollten wir Kunden ja mit unseren Produkten und Services für uns überzeugen. Sie würden sich ja auch kein iPhone kaufen, nur weil Apple bei Samsung die Verkäufer abgeworben hat, sondern weil sie sich für das Produkt begeistert haben. Und das ist unser Anspruch.

Vontobel wirbt auch in Deutschland um neue Kunden. Dabei gilt der Markt wegen der starken Konkurrenz eigentlich als „overbanked“. Wie wollen Sie in Deutschland wachsen?
Es stimmt, dass wir nicht das einzige Institut sind, das in Deutschland unterwegs ist. Der deutsche Kunde ist wählerisch und anspruchsvoll. Aber wir trauen uns da durchaus Wachstum zu. Wir verstehen uns als Investmentboutique, die ihren Kunden ausgewählte Spezialitäten anbietet.

Die Schweiz und die Europäische Union streiten über ein Rahmenabkommen, das auch den gegenseitigen Marktzugang regeln soll. Die Schweiz hadert mit dem Vertrag, und die EU hat der Schweizer Börse mit dem Boykott gedroht. Was steht dabei für Vontobel und andere Banken aus der Schweiz auf dem Spiel?

Bei Vontobel können wir unsere europäischen Kunden auch dann betreuen, wenn das Abkommen nicht zustande kommen sollte. Für den europäischen Raum verfügen wir über eine Vollbanklizenz in Deutschland, und unser Fondsgeschäft betreiben wir von Luxemburg aus.

Hand aufs Herz: Sind Sie für oder gegen das Rahmenabkommen?
Da werden auf beiden Seiten viele Ängste geschürt. Ich wünsche mir eine Welt, in der die Menschen an die Vorteile von Offenheit und gegenseitigem Handel glauben. Als Ökonom bin ich aber auch davon überzeugt, dass Handelspartner davon profitieren können, wenn sie sich ihre Unterschiede bewahren.

Das hört sich nach einem „Ja, aber“ an. Soll die Schweiz das Abkommen nachverhandeln?
Als CEO eines Unternehmens würde ich mir wünschen, dass beide Seiten die möglichen Chancen diskutieren, aber ihre Unterschiede respektieren. Der Föderalismus, die direkte Demokratie und der Steuerwettbewerb gehören zum Erfolgsmodell der Schweiz. Deshalb sollten diese Faktoren bewahrt werden.

Sie stehen seit acht Jahren an der Spitze von Vontobel und zählen damit zu den dienstältesten Bankchefs in Europa. Wie lange wollen Sie noch weitermachen?
Ich bin glücklich mit meinem Job und komme gern zur Arbeit. Ich weiß, dass ich nicht unsterblich bin – das ist niemand, Gott sei Dank –, aber Unternehmenschefs sollten mit einem zeitlich offenen Horizont agieren. Man trifft nur dann sinnvolle Entscheidungen, wenn man davon ausgeht, dass man deren Konsequenzen auch noch erlebt. Und solange mir mein Job Freude macht und der Verwaltungsrat dies unterstützt, mache ich gern weiter.

Herr Staub, ich danke Ihnen für das Gespräch.

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