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Investment-Boutique Investmentbank Moelis kritisiert Mitarbeiter, weil sie nachts nicht im Büro sind

Per Mail setzt ein Personaler der New Yorker Investmentbank Mitarbeiter unter Druck, bis nachts im Büro zu bleiben. Im Netz stößt das auf viel Kritik.
2 Kommentare
Die Bankenbranche ist schon seit Längerem in der Kritik, sich nicht genügend um das Wohlergehen der Mitarbeiter zu kümmern. Quelle: Imago/Westend61
Müder Mitarbeiter (Symbolbild)

Die Bankenbranche ist schon seit Längerem in der Kritik, sich nicht genügend um das Wohlergehen der Mitarbeiter zu kümmern.

(Foto: Imago/Westend61)

Viel Stress, lange Arbeitstage – der Job eines Bankers gilt als hart. Die kleine New Yorker Investmentbank Moelis & Co befeuert nun erneut die Debatte um die Arbeitsbedingungen in der Finanzbranche.

Im Branchenforum Wall Street Oasis veröffentlichte offenbar ein Mitarbeiter des New Yorker Geldhauses eine interne E-Mail eines Personalers an die Analysten. Darin schreibt der Personaler: „Ich bin gerade durch den Flur gegangen und habe die folgenden Personen an ihrem Platz gesehen“, und zählt anschließend elf Personen auf, deren Namen geschwärzt wurden. Der Haken an der Sache: Die E-Mail wurde nach Mitternacht verschickt.

„Ich weiß, dass ihr ALLE sehr hart arbeitet und mit mehreren Projekten sehr beschäftigt seid“, heißt es weiter. Es kämen ständig neue Mitarbeiter ins Haus. Deswegen sei die einzige Möglichkeit für ihn, zwischen den Mitarbeitern zu unterscheiden, zu sehen, „wer in den frühen Morgenstunden im Büro ist“.

Die Nachricht wurde von einem Moelis-Mitarbeiter ins Netz gestellt. Quelle: Screenshot Instagram
Moelis-Screenshot

Die Nachricht wurde von einem Moelis-Mitarbeiter ins Netz gestellt.

(Foto: Screenshot Instagram)

Moelis zählt zu den sogenannten Investment-Boutiquen, kleinen Spezialinstituten, die den großen Investmentbanken das Leben schwer machen. Die Bank hatte im vergangenen Jahr den Auftrag zur Vorbereitung des wohl größten Börsengang der Geschichte an Land gezogen – den des Ölkonzerns Saudi Aramco.

Der Personaler rät, bei einer hohen Arbeitsbelastung im Büro zu bleiben und nicht etwa von zu Hause aus zu arbeiten. Zum Schluss gibt er zu, dass diese Methode nicht perfekt sei und er immer ein offenes Ohr für Verbesserungsvorschläge habe.

Im Internet stößt die E-Mail auf harsche Kritik. „Genau das ist der Grund, warum die Leute nicht bei Banken arbeiten wollen“, schreibt ein Nutzer. „Wahre Folter“, kommentiert ein anderer. Andere nehmen den Verfasser der E-Mail jedoch doch auch in Schutz: Sein Verhalten sei der Kultur bei Moelis geschuldet, die von oben bestimmt werde.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Arbeitsbedingungen bei Moelis für Schlagzeilen sorgen. Im Mai 2015 beging ein junger Angestellter des Instituts Suizid, nachdem er extrem viel gearbeitet hatte. In seinem Blut wurden Spuren von Kokain und anderen Drogen gefunden.

Die Bankenbranche ist schon seit längerem in der Kritik, sich nicht genügend um das Wohlergehen der Mitarbeiter zu kümmern. In den vergangenen Jahren haben Suizide von Mitarbeitern bei verschiedenen Banken wie JP Morgan oder Russell Investment Management in Seattle für Aufsehen gesorgt. Im Januar 2014 hatte sich der ehemalige Deutsche-Bank-Manager William Broeksmit in London das Leben genommen.

Anschließend gab es im Bankensektor eine Reihe von Initiativen, um das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu verbessern. JP Morgan rief beispielsweise seine Mitarbeiter dazu auf, nur noch werktags zu arbeiten. Der Kulturwandel müsse jedoch vor allem auf den höchsten Ebenen akzeptiert werden, mahnten Experten damals an.

Aus den höchsten Ebenen von Moelis & Co. gab es bislang keinen Kommentar zu der geleakten E-Mail. Bei Wall Street Oasis meldete sich jedoch ein angeblicher Mitarbeiter zu Wort, der die Bank in Schutz nimmt. Die E-Mail hätte besser formuliert werden können, jedoch habe das Unternehmen sich „sehr bemüht“, die Arbeitsbedingungen der Analysten zu verbessern. Und gerade die harte Arbeit der Kollegen habe dafür gesorgt, dass Moelis sich innerhalb von nur einem Jahrzehnt von einer unwichtigen Firma zu einer „Top-Investmentbank“ entwickelt habe.

Nach einer aktuellen Erhebung belegt Moelis in der Rangliste der US-Investmentbanken mit den meisten Wochenarbeitsstunden den sechsten Platz: Die Analysten arbeiten in der Woche durchschnittlich 84,3 Stunden. Unter den Top-5 sind keine großen Banken, sondern kleinere Boutiquen. An der Spitze steht Lion Tree Advisors mit 90 Wochenstunden.

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2 Kommentare zu "Investment-Boutique: Investmentbank Moelis kritisiert Mitarbeiter, weil sie nachts nicht im Büro sind"

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  • die Frage ist doch - was machen die da so spät am Nachmittag ? Nach 3 Tagen auf Red Bull hat man zwar die Augen offen, aber richtig messerscharfes Nachdenken ist dann kaum noch möglich. Und solche Zombies basteln Excel-Tabellen, anhand derer etwas Wichtiges entschieden wird ???

  • "Nach einer aktuellen Erhebung belegt Moelis in der Rangliste der US-Investmentbanken mit den meisten Wochenarbeitsstunden den sechsten Platz: Die Analysten arbeiten in der Woche durchschnittlich 84,3 Stunden. Unter den Top-5 sind keine großen Banken, sondern kleinere Boutiquen. An der Spitze steht Lion Tree Advisors mit 90 Wochenstunden."

    Und wozu das Ganze? Wer regelmäßig 90 Wochenstunden "ableistet", merkt doch irgendwann nichts mehr!

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