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Investment-Branche Für Fondsgesellschaften besteht ein Zwang zur Größe

Sinkende Gebühren und schwache Erträge belasten die Vermögensverwalter. Um gegen Indexfonds an der Börse bestehen zu können, bleibt nur ein Ausweg.
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Ein weiterer Altstar unter den Anleiheexperten verlässt die Finanzbranche. Quelle: Bloomberg
Bill Gross

Ein weiterer Altstar unter den Anleiheexperten verlässt die Finanzbranche.

(Foto: Bloomberg)

FrankfurtEin goldenes Jahrzehnt für die Fondsbranche geht zu Ende. Das zeigt sich am Abgang von Altstars wie Bill Gross, der mit Pimco einst ein Finanzimperium aufbaute. Im Februar zog der einstige König der Anleiheinvestoren die Konsequenz aus Misserfolgen bei Janus Henderson, zu denen er zuvor von Pimco gewechselt war. Nachdem immer mehr Kunden gegangen waren, zog sich Gross aufs Altenteil zurück.

Der Abgang des Fondsmanagers Gross steht für eine Zeitenwende: Fondsgesellschaften müssen sich neu erfinden. Sinkende Gebühren, schwache Erträge, mehr Transparenz und eine überstarke Konkurrenz der börsennotierten Indexfonds (ETF) machen denjenigen in der Branche das Leben schwer, die Vermögen aktiv verwalten.

Der enorme Wettbewerbsdruck führt dazu, dass Größe immer entscheidender wird. In Europa gab es deshalb in den vergangenen Jahren bereits milliardenschwere Megadeals. Die Unicredit-Tochter Pioneer wurde von der französischen Fondsgesellschaft Amundi übernommen, und Standard Life kaufte den Konkurrenten Aberdeen Asset Management.

Der Margendruck auf die Manager aktiv verwalteter Fonds ist dank der stark wachsenden, günstigen ETFs groß. „Sie müssen sich zusammenschließen, um über Größeneffekte Kosten zu sparen“, sagt Jan Richter, Senior Analyst beim Berater Fonds Consult Research.

Alternativ könnten Fondsgesellschaften Nischen belegen, um dort mit besonderem Wissen und innovativen Strategien auf Dauer erfolgreich zu überleben. Gerade bei den mittelgroßen Spielern sieht er auf Dauer aber große Probleme aufkommen.

Es ist die Vertreibung aus dem Paradies. Fast ein Jahrzehnt lang hatten sich die Vermögensverwalter in Erfolgen gesonnt. Die Börse kannte nur den Weg nach oben. Mit dem steigenden betreuten Vermögen, das inzwischen weltweit bei 80 Billionen Dollar angelangt ist, kassierten die Fondsmanager auch mehr Gebühren. Doch die guten Zeiten mit stetig steigenden Kursen neigen sich nach Ansicht vieler Experten dem Ende zu.

„Wer der aktuellen Rally hinterherjagt, ist zu spät dran“, sagt Fabrizio Quirighetti, Anlagestratege bei Syz Asset Management. Für ihn liegen die Bewertungen der Aktien bereits zu hoch, und die Wirkung der geldpolitischen Stimuli dürfte schon bald nachlassen.

Die Asset-Management-Branche wird nach Ansicht von Matthias Hübner, Partner bei Oliver Wyman, künftig nicht mehr automatisch wachsen. Aber: „Das Entscheidende ist der anhaltende Margenverfall“, betont er. Hinter den schrumpfenden Margen steht für ihn vor allem der Boom der passiven Anlagen wie den ETFs, die den Anbietern weit geringere Einnahmen bringen.

In Europa bezahlen Privatanleger für aktiv betreute Aktienfonds zwei Prozent Jahresgebühr. Indexfonds kosten oftmals nur ein Zehntel.

Amundi als einer der großen Asset-Manager hat jetzt sogar eine Reihe von ETFs aufgelegt, bei denen die jährlichen Gesamtkosten nur noch bei 0,05 Prozent liegen. Gleichzeitig gehen Großkunden immer offensiver in Gebührenverhandlungen. Pensionsfonds und Versicherer verhandeln hart um die Konditionen und erhöhen so den Druck auf die Gewinnmargen.

Das führt beispielsweise zu flexiblen Gebührenmodellen, bei denen eine feste Provision mit einem variablen Anteil kombiniert wird, der vom Anlageerfolg abhängt. Fidelity als einer der großen Asset-Manager der Welt hat im vergangenen Jahr eine solche variable Managementgebühr selbst für Privatanleger eingeführt.

Für die nächsten fünf Jahre rechnen Oliver Wyman und Morgan Stanley in einer Studie im sehr positiven Szenario mit einer Marge von 0,38 Prozent des verwalteten Vermögens. In einem schlechten Umfeld wären es nur 0,32 Prozent.

Der Druck, die Kräfte zu bündeln, wächst. Fusionen sind allerdings gar nicht so einfach. „Die Bereinigungen von Überschneidungen nach Fusionen dauern Jahre“, betont Richter. Das zeigten die Beispiele Standard Life Aberdeen und Amundi. Dort müssten die Fusionskosten erst noch verdient werden.

Große Übernahmen durch US-Fondshäuser erwartet Richter kurzfristig nicht. Europa ist ein gesättigter Markt, und viele Spieler wie Blackrock sind dort bereits gut aufgestellt. Sie expandieren lieber, indem sie auf Wachstumsmärkte in Asien setzen, oder sie engagieren sich verstärkt in alternativen Investments wie Private Equity. Da gibt es deutlich mehr zu verdienen.

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