Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Investmentbank Ex-Deutsche-Bank-Vorstand Marcus Schenck wird Partner bei Perella Weinberg

Aus Frust über die Sparpläne hat der Topmanager die Deutsche Bank verlassen. Jetzt heuert er bei der US-Beratungsfirma Perella Weinberg an.
Kommentieren
„Ich möchte lieber wieder näher am Spielfeld stehen.“ Quelle: Dominik Pietsch für Handelsblatt
Marcus Schenck

„Ich möchte lieber wieder näher am Spielfeld stehen.“

(Foto: Dominik Pietsch für Handelsblatt)

Düsseldorf Mitten im Gespräch klingelt das Smartphone. Es ist Marcus Schencks Freund und ehemaliger Kollege Christian Sewing, Vorstandschef der Deutschen Bank. Schenck lässt es klingeln. In der nächsten Stunde muss er sich schließlich mit seiner beruflichen Zukunft beschäftigen. Und die liegt nicht bei der Deutschen Bank, die er im vergangenen Frühjahr verlassen hat – nachdem klar geworden war, dass die von ihm damals geleitete Investmentbank nur noch schrumpfen soll.

Die Zukunft, sie besteht für den 53 Jahre alten Bankmanager aus Wachstumsplänen und nicht aus Sparprogrammen. Ab Februar nächsten Jahres wird Schenck als Partner bei der stark wachsenden Investmentbank Perella Weinberg in London starten, wie er im Gespräch mit dem Handelsblatt verrät.

Nach zehn Jahren bei großen Konzernen – als Finanzvorstand beim Energiekonzern Eon und als Co-Vizechef bei der Deutschen Bank – will der Düsseldorfer zu den Wurzeln seiner Investmentbanker-Karriere zurück. „Ich möchte lieber wieder näher am Spielfeld stehen“, sagt der ehemalige Goldman-Sachs-Banker. „Ich will etwas machen, bei dem Wachstum eine Rolle spielt, Inhalte zentral sind und ich unternehmerisch etwas gestalten kann.“

Etwas aufbauen wollte Schenck einst auch bei der Deutschen Bank. Der damalige Vorstandschef Anshu Jain und Aufsichtsratschef Paul Achleitner warben ihn 2015 mit dem klaren Mandat von Goldman Sachs ab, die Deutsche Bank im europäischen Investmentbanking wieder zu alter Größe zu bringen.

Nach dem Zwischenschritt als Finanzvorstand sollte Schenck ab dem Sommer 2017 als Chef der Investmentbank loslegen. Das tat er auch. Doch sein Enthusiasmus wurde ausgebremst, als immer mehr klar wurde, dass sich die Bank diesen Wachstumskurs nicht mehr leisten kann. Damit zeichnete sich auch ab, dass sein im Privatkundengeschäft groß gewordener Co-Vizechef der Bank, Christian Sewing, Vorstandschef werden würde – und nicht er.

Verbittert ist Schenck darüber nicht – im Gegenteil. „Ich schaue überhaupt nicht negativ auf die Zeit bei der Deutschen Bank zurück“, sagt er. „Es war eine extrem spannende und bereichernde Erfahrung. Ich war damals allerdings angetreten, um die Bank wieder als den europäischen Wettbewerber im Investmentbanking zu etablieren. Heute ist klar, dass das nicht mehr die richtige strategische Stoßrichtung für die Bank ist. Deshalb bin ich auch richtigerweise nicht mehr da.“

Stattdessen also Perella Weinberg. Mit der Entscheidung hat er sich Zeit gelassen. Nach dem Abschied bei der Deutschen Bank Ende Mai verbrachte er zwei Monate mit der Familie im Ferienhaus an der Cote d’Azur, fing erstmals das Golfspielen an. Erst im Herbst begann Schenck zu überlegen, wie es weitergehen soll. Mehrere Angebote aus der Industrie lehnte er ab. Stattdessen entschied er sich dafür, zu einer der Beraterfirmen zu gehen, deren Geschäftsmodell sich an den Anfängen des Investmentbankings orientiert: langfristige Kundenbeziehungen, eine exklusive Partnerschaft – und Öffentlichkeitsscheu.

Perella Weinberg ist jedoch nicht irgendeine Beraterfirma. Vor zwölf Jahren von dem ehemaligen Morgan-Stanley-Banker Joseph Perella und dem einstigen Goldman-Sachs-Manager Peter Weinberg gegründet, gilt sie als Edeladresse im Investmentbanking. Wie einige andere unabhängige Beratungsfirmen auch hat Perella von den zuletzt wieder stark wachsenden großen Fusionen und Übernahmen (M&A) profitiert.

Seit der Gründung 2006 ist die Mitarbeiterzahl auf 650 angewachsen. An diesem Dienstag wird in Paris das zwölfte Büro weltweit eröffnet. Und mit Dietrich Becker leitet ein Manager das Europageschäft, der als einer der besten deutschen M&A-Banker gilt.

Becker und Schenck kennen sich, seitdem sie Ende der 90er-Jahre bei Morgan Stanley respektive Goldman Sachs an dem Aufbau des europäischen Luftfahrtkonzerns EADS mitgearbeitet haben. Auch bei Eon waren sie sich über den Weg gelaufen – Becker als Berater und Schenck als Finanzvorstand. Perella Weinberg hat Eon zuletzt unter anderem beim 43 Milliarden Dollar schweren Kauf von Innogy beraten. „Ich freue mich darauf, mit Marcus in Klientengespräche zu gehen, weil er aufgrund seines Hintergrunds wertvolle zusätzliche Perspektiven einbringen wird“, sagt Europa-Chef Becker.

Planspiel Börsengang

Schenck soll unter anderem Finanzdienstleister, Industriekunden und Energieunternehmen beraten. Außerdem soll er bei der Weiterentwicklung der noch relativ jungen Partnerschaft mitwirken. „Marcus wird uns nicht nur als M&A-Berater helfen, sondern auch bei der Frage, wie man eine mittlerweile stark gewachsene Organisation weiterentwickelt. Wenn wir darüber nachdenken, wie wir uns in den nächsten zehn Jahren aufstellen wollen, dann wird seine Erfahrung sehr hilfreich und wichtig sein“, sagt Becker.

Zu diesen Zukunftsplänen könnte auch ein Börsengang gehören. Derzeit lotet Perella nach Angaben aus Finanzkreisen diese Option aus. Für Schenck ist es nach eigenen Worten aber zweitrangig, ob Perella börsennotiert ist oder nicht. Ihm geht es vor allem darum, dass er das bestehende Geschäft in Europa und besonders in Deutschland ausbauen will. Und wenn das klappt, sei zukünftig auch eine Präsenz in Deutschland denkbar: „Irgendwann kommt sicherlich der Punkt, an dem wir darüber nachdenken müssen, ob wir nicht auch in Deutschland ein Büro haben sollten“, sagt Schenck.

Mit seinem Wechsel zu Perella liegt er im Trend: Seit der Finanzkrise haben viele Topleute den Großbanken den Rücken gekehrt und sind zu kleinen Beratungsfirmen wie Greenhill, Evercore, Lazard, Moelis oder eben auch Perella gegangen. „Bei großen Banken sind Topleute oftmals stark mit internen Themen beschäftigt und können kaum noch das machen, wofür sie eigentlich Banker geworden sind“, sagt Becker. Auch viele der Kunden sind denselben Weg gegangen und haben damit allein im ersten Halbjahr den Marktanteil der sogenannten Boutique-Firmen in Europa auf fast 50 Prozent hochgeschraubt.

Firmen wie Perella bewegen sich dabei weitgehend abseits der öffentlichen Wahrnehmung – was Schenck durchaus gefällt. „Ich finde es sehr charmant, wieder weniger in der Öffentlichkeit zu stehen und mich auf das zu konzentrieren, was ich am liebsten mache“, sagt er. Noch ein Grund, um dem Job bei der Deutschen Bank nicht nachzutrauern.

Startseite

Mehr zu: Investmentbank - Ex-Deutsche-Bank-Vorstand Marcus Schenck wird Partner bei Perella Weinberg

0 Kommentare zu "Investmentbank: Ex-Deutsche-Bank-Vorstand Marcus Schenck wird Partner bei Perella Weinberg"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote