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Investmentbanking Die Party der Investmentbanker ist vorbei

Das Investmentbanking steht unter Druck. Selbst die erfolgsverwöhnten französischen Institute müssen kräftig sparen. Ein schlechtes Omen für den Finanzplatz Europa.
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BNP und SocGen: Die Party der Investmentbanker ist vorbei Quelle: Bertrand Gardel/hemis/laif
Bankenviertel La Défense

Die Pariser Institute haben das Investmentbanking stark ausgebaut.

(Foto: Bertrand Gardel/hemis/laif)

FrankfurtBescheidenheit scheint keine Stärke von französischen Bankern zu sein. „Wenn du Investmentbanker bist, muss dir klar sein, wie anders Paris ist. Wir arbeiten härter. Und wir arbeiten besser. London ist zweite Liga“, sagt einer dieser Banker voller Selbstbewusstsein. Seinen Namen will er allerdings lieber nicht in der Zeitung lesen. Im Finanzviertel La Défense, dessen Türme am Fluchtpunkt der Champs-Élysées in den Himmel wachsen, denken viele ähnlich.

Ganz besonders gilt das für die Investmentbanken und ihre Händler. Mochte die Zunft in den Jahren nach der Krise in Frankfurt, Zürich oder Mailand einen schweren Stand haben – in Paris ging das risikoreiche Geschäft mit Aktien, Anleihen und Rohstoffen erst richtig los.

Und dabei stellten sich die Franzosen zunächst schlauer an als die Konkurrenz. 2017 kletterte allein der Gewinn der Großbank BNP Paribas auf 11,3 Milliarden Euro – das Investmentbanking trug fast so viel zu den Profiten bei wie das gesamte Retailgeschäft.

BNP kontrollierte fünf Prozent des Welthandels mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen und überholte den Londoner Platzhirsch Barclays; im Aktienhandel wuchs man um 1,2 Prozentpunkte und damit schneller als Goldman Sachs. Analysten riefen BNP bereits zum „JP Morgan Europas“ aus, zum Pendant der hochprofitablen Wall-Street-Bank. Und auch die Konkurrenz von Société Générale (SocGen) und Crédit Agricole schlug sich so gut, dass die Franzosen bald als „die unüblichen Verdächtigen“ galten, die regelmäßig die Erwartungen übertrafen.

Für die „Regenmacher“ in Paris, die Händler der großen Banken, hätte die Party ewig weitergehen können. Doch so schnell, wie sie begann, ist sie auch schon wieder vorbei. Die neuen Zahlen, die BNP und SocGen diese Woche vorlegten, kratzen heftig am guten Image, vor allem im Investmentbanking. Auch La Défense entkommt nicht den chronischen Niedrigzinsen und der strikteren Regulierung.

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Es waren herbe Verluste, die BNP-Chef Jean-Laurent Bonnafé am vergangenen Mittwoch verkündete: 2018 brach der Vorsteuergewinn der Investmentbank gegenüber 2017 um 21 Prozent ein. Vom früheren Ziel, im Investmentbanking ein Drittel der Erträge zu erwirtschaften, ist BNP meilenweit entfernt. Die Einnahmen im Handel mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen brachen im vierten Quartal um 15 Prozent ein, im Aktienhandel sogar um 70 Prozent.

Auch bei der SocGen steht ein dickes Minus zu Buche. Der Nettogewinn der Investmentbank sank gegenüber 2017 sogar um ein Viertel. Viele Aktivitäten lohnen sich im volatilen Marktumfeld schlicht nicht mehr. Sowohl das mittelfristige Wachstums- als auch das Renditeziel würden verfehlt, teilte SocGen mit. BNP Paribas dampfte ebenfalls seine Mittelfristziele ein.

Und das, obwohl die Banken sonst gut dastehen: BNP verzeichnet für 2018 Erträge von 42,5 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 7,5 Milliarden Euro, die Kapitalrendite liegt bei 9,6 Prozent. SocGen meldet Erträge von 25,2 Milliarden Euro, einen Gewinn von 3,8 Milliarden Euro und eine Rendite von 9,7 Prozent. Das sind Zahlen, nach denen sich die Deutsche Bank mit einem mageren Gewinn von 267 Millionen Euro und einer Minirendite von 0,5 Prozent sehnen würde.

Wie passen die Hiobsbotschaften über verfehlte Ziele der französischen Banken zu den weiter sprudelnden Gewinnen? Der Zusammenhang ist einfach. Im Grundsatz sind Frankreichs Banken solide und stützen sich auf einen starken Heimatmarkt. Im Unterschied zu Deutschland, wo Deutsche Bank und Commerzbank mit Sparkassen und Genossenschaftsbanken konkurrieren, beherrschen fünf große Häuser den Wettbewerb und setzen hohe Preise durch. Globalen Entwicklungen entgehen sie dennoch nicht.

Geschäfte auf eigenes Risiko

„Die französischen Banken leiden wie alle europäischen Institute unter dem Niedrigzinsumfeld. Das macht das klassische Bankgeschäft weniger profitabel“, erklärt Renaud Beaupain, Investmentbankingexperte und Direktor an der IESEG School of Management in Lille. Außerdem hätten die Pariser wie viele Institute den „Megatrend der Zukunft“ verschlafen, das digitale Banking. Laut einer Erhebung des Ratinghauses S&P hat Frankreich nach Spanien die meisten Bankfilialen je Einwohner.

Um trotzdem wachsen zu können, verschrieben sich die Geldhäuser in den vergangenen Jahren dem Investmentbanking, insbesondere dem Handelsgeschäft. Die Banken spornten ihre Berater und Händler zu Höchstleistungen an, mit dem Ziel, näher an die US-Vorbilder heranzukommen.

Erwirtschaftete BNP 2014 noch 22 Prozent der Erträge im Investmentbanking, waren es 2017 schon über 27 Prozent. SocGen steigerte den Anteil von 19 auf über 24 Prozent, Crédit Agricole von 13 auf rund 17 Prozent. Und die Ausbaupläne waren noch ambitionierter. Anfang 2016 erklärte BNP-Chef Bonnafé: „Mittelfristig wollen wir zwei Drittel im Retailbanking und mit internationalen Finanzdienstleistungen verdienen und ein Drittel mit dem Investmentbanking.“

Ausgebaut wurde nicht nur das Firmenkunden- und Beratungsgeschäft. Auch der Handel mit Aktien, Anleihen und Rohstoffen wuchs schnell, sogar der Bereich, der nach der Finanzkrise besonders verrufen war: das „Prop Trading“, der Handel auf eigene Rechnung. Die Franzosen stießen hier in eine Lücke vor. Europäische Konkurrenten wie Deutsche Bank, UBS und Credit Suisse zogen sich aus dem Bereich zurück oder waren wie im Fall der Finanzriesen Unicredit und Santander nie groß eingestiegen.

Regulierungsvorgaben waren kein Hindernis. Zwar verbietet die „Volcker Rule“ seit 2015 allen Banken mit US-Niederlassung den Eigenhandel. Auslandsbanken, deren „Prop Trading“ in keiner Weise die USA betrifft, dürfen ihn nach der „Totus Rule“ („Totally outside the USA“) aber weiterbetreiben. In der EU fehlt ein einheitlicher Rechtsrahmen, nachdem die Vorschläge der Liikanen- Kommission versandet sind.

Dafür gilt in Frankreich seit 2013 ein Gesetz, das die Abtrennung des Eigenhandels vorschreibt. Das sogenannte SRAP soll verhindern, dass Kundeneinlagen riskante Aktivitäten querfinanzieren. BNP und SocGen lagerten in der Folge den Eigenhandel in die Töchter Opera und Descartes aus – die Party ging weiter.

Investmentbanking

70

Prozent

betrug der Einbruch im Aktienhandel bei BNP Paribas im vierten Quartal 2018 gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Quelle: BNP

„Die Großbanken wollten schlicht alles machen, vom klassischen Bankgeschäft bis hin zu den komplexesten Teilen des Investmentbankings“, bilanziert Jean-Edouard Colliard, Finanzprofessor der École des hautes études commerciales (HEC) in Paris. „Dabei ist häufig unklar, ob diese Ausweitung getrieben war von echten Skaleneffekten und Verbundvorteilen oder vom Wunsch, als ‚too big to fail‘ zu erscheinen oder ein Imperium aufzubauen.“

Anfang 2019 folgt nun das böse Erwachen: Die Händler liefern nicht mehr, was nicht nur den Gewinn der Investmentbanken belastet, sondern auch eine neue Strategie erfordert. Die Folge sind empfindliche Kürzungen, Bonus-Nullrunden und Entlassungen. BNP will in der Investmentbank bis 2020 insgesamt 1,1 Milliarden Euro an Kosten einsparen und das eingesetzte Kapital um zwölf Milliarden Euro verringern.

SocGen plant Kürzungen von 500 Millionen Euro bei den Kosten und acht Milliarden Euro beim Kapital. Global-Markets-Chef Frank Drouet muss seinen Hut nehmen. Und die Eigenhandelssparten Opera (BNP) und Descartes (SocGen) sollen dem Vernehmen nach ganz geschlossen werden. Die US-Bank Morgan Stanley empfiehlt in einem neuen Report sogar noch tiefere Einschnitte. Ihre Analysten befinden, „dass Ertragswachstum, Profitabilität und Renditeziele der Investmentbanking-Divisionen der französischen Institute außer Reichweite liegen, insbesondere bei BNP und SocGen“.

Volker Brühl, Professor am Center for Financial Studies an der Frankfurter Goethe-Universität, glaubt nicht, dass sich diese düsteren Aussichten schnell wieder aufhellen: „Die verschärften Eigenkapitalvorschriften erschweren es, hohe Renditen im Handelsgeschäft zu erzielen. Die US-Banken erwirtschaften trotz Eigenhandelsverbots aufgrund ihrer globalen Präsenz noch auskömmliche Ergebnisse. Die europäischen Banken tun sich, mit wenigen Ausnahmen, schwerer.“

Der aktuelle Strategieschwenk von BNP und Co. sei richtig. „Die deutschen und schweizerischen Institute haben das Investmentbanking früher zusammengestrichen als die französischen. Wie die Entwicklung zeigt, könnte das die richtige Entscheidung gewesen sein“, glaubt Brühl. Vielleicht bleibt den Europäern am Ende also nur der Fokus auf den Heimatmarkt, das Finanzierungsgeschäft und die Beratung von Firmenkunden.

Und was machen die Händler, die „Prop Trader“, die nun ihren Job verlieren? Sie dürften in einem anderen, schnell wachsenden Bereich unterkommen: den sogenannten Schattenbanken, bei Vermögensverwaltern und Hedgefonds also. Die sind, da offiziell nicht systemrelevant, von der Regulierung bisher ausgeklammert. Mancher „Regenmacher“ aus La Défense dürfte hier gerne gesehen sein.

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