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Investmentbanking-Umbau Bloß keine Kapitalerhöhung: Deutsche Bank erwägt Senkung des Eigenkapitalquote-Ziels

Die Deutsche Bank denkt über einen niedrigeren Kapitalpuffer nach, um ihren Umbau zu finanzieren. Dazu muss sie ihre Risiken weiter senken.
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Zum Ende des 1. Quartals 2019 betrug die Eigenkapitalquote des Geldhauses 13,7 Prozent. Quelle: dpa
Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt

Zum Ende des 1. Quartals 2019 betrug die Eigenkapitalquote des Geldhauses 13,7 Prozent.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Deutsche Bank will beim kostspieligen Umbau des Investmentbankings eine Kapitalerhöhung unbedingt vermeiden. Unter anderem ziehe die Bank einen niedrigeren Eigenkapitalpuffer in Erwägung, sagten zwei mit dem Sachverhalt vertraute Personen dem Handelsblatt.

„Eine Kapitalerhöhung stand zeitweise zwar im Raum, aber man ist mittlerweile zuversichtlicher, dass es auch ohne geht“, sagte einer der beiden Insider dem Handelsblatt. Vorstandschef Christian Sewing sei mit seinem Sparprogramm schneller unterwegs als vermutet. Außerdem spiele die Bank mit dem Gedanken, ihr Ziel für die Eigenkapitalquote zu senken. „Das würde viel Kapital freisetzen“, hieß es.

Überlegungen, wie deutlich der Kapitalpuffer über den Vorgaben der Bankenaufsicht liegen muss, habe es bei der Deutschen Bank immer wieder gegeben, sagte ein anderer Insider. Falls die Bank ihre Risiken senke, ließe sich eine etwas niedrigere Eigenkapitalquote vertreten. Im Vergleich zum einen oder anderen europäischen Wettbewerber leiste sich die Bank einen etwas größeren Puffer in Relation zu den Mindestvorgaben der Aufseher.

Die Deutsche Bank wollte sich zu den Informationen nicht konkret äußern und betonte nur, die Bank starte in eine Phase der Transformation und werde die Öffentlichkeit „zu gegebener Zeit“ informieren.

Derzeit verlangt die Europäische Zentralbank von der Bank ein Kapitalpolster von mindestens 11,82 Prozent. Durch den antizyklischen Kapitalpuffer, den der deutsche Systemrisikorat eingeführt hat, dürfte diese Anforderung noch minimal steigen. Mit einer Quote von zuletzt 13,7 Prozent liegt die Deutsche Bank aber spürbar über dieser Messlatte. Ihr öffentlich erklärtes Ziel ist eine Kapitalquote von mehr als 13 Prozent.

Verzicht auf eine Kapitalerhöhung hängt von Investmentbanking ab

Eine potenzielle Belastung ist in der aktuellen Eigenkapitalquote aber noch nicht verarbeitet: Derzeit prüfen die EZB-Bankenaufseher, mit welchen Modellen Banken ihre Eigenkapitalquote kalkulieren. Die Deutsche Bank erwartet, dass dies zu einer geringeren Eigenkapitalquote führt. Der Effekt könnte aber weniger stark als erwartet ausfallen, so die Hoffnung: nämlich am unteren Ende einer Spanne von 0,2 bis 0,4 Prozentpunkten.

Ob sich der Verzicht auf eine Kapitalerhöhung durchsetzen lässt, hängt auch davon ab, wie tief die Einschnitte ins Investmentbanking ausfallen. Sewing hatte auf der Hauptversammlung „harte Einschnitte“ angekündigt und angedeutet, dass er die Transaktionsbank, in der Zahlungsverkehr und Handelsfinanzierung gebündelt ist, aufwerten will.

Die übrigen Untersparten des Investmentbankings müssten entweder profitabel oder Ertragsbringern wie der Transaktionsbank dienlich sein. Für viele Teile des Wertpapierhandels trifft beides nicht zu.

Angesichts der Veränderungen wachsen die Spekulationen über einen vorzeitigen Abschied von Investmentbanking-Chef Garth Ritchie. Ritchie betont öffentlich, dass er die Strategie von Sewing mittrage und sich seiner Aufgabe in der Bank voll verpflichtet fühle.

Dennoch scheint sich die Bank auf seinen möglichen Abgang einzustellen: Das Institut sehe sich intern wie extern nach Alternativen um für den Fall, dass Ritchie die Bank verlassen sollte, sagten mehrere mit dem Sachverhalt vertraute Personen dem Handelsblatt. Bislang sei die Bank aber nicht fündig geworden, hieß es.

„In der Bank gibt es Zweifel daran, ob es mit Garth Ritchie und Sylvie Matherat noch lange funktioniert“, sagte ein Insider. Entschieden ist über einen Abschied aber noch nicht. Unklar ist auch, ob die Bank Ritchie ablösen will oder ob Ritchie selbst mit einem Abgang liebäugelt.

Kurs der Deutsche-Bank-Aktie unter Druck

Auf der Hauptversammlung hatten Ritchie und Regulierungschefin Sylvie Matherat mit 61 Prozent das schlechteste Ergebnis bei der Entlastung erzielt. Damit lag das Votum für ihn 14 Prozentpunkte unter dem der übrigen Vorstände von 75 Prozent. Bei einer Präsenz von 35 Prozent auf dem Aktionärstreffen heißt das, dass ein Aktienpaket von knapp fünf Prozent gezielt Ritchie und Matherat das Vertrauen entzogen hat.

Finanzkreisen zufolge handelt es sich um die Stimmen eines der beiden Fonds der katarischen Herrscherfamilie. Offiziell gemeldet haben die beiden Fonds einen Anteil von jeweils nur 3,05 Prozent. Ihr tatsächlicher Anteil liegt aber höher, da sie erst wieder bei einem Anteil von über fünf Prozent ihre Beteiligungshöhe melden müssen. Derweil bleibt der Kurs der Deutsche-Bank-Aktie unter Druck: Er fiel am Dienstag zeitweise auf ein neues Tief von 6,29 Euro.

Mehr: Die Deutsche Bank stellt sich auf den Abschied ihres Investmentbanking-Chefs Garth Ritchie ein. Die Spitze sieht sich nach alternativen Kandidaten um.

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