Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Italien Schmutzige Geschäfte mit Diamanten – Razzia bei Großbanken

Berater großer Banken sollen ihre Kunden mit vermeintlich sicheren Diamantenanlagen betrogen haben. Staatsanwälte ermitteln wegen Korruption und Geldwäsche.
Update: 20.02.2019 - 18:00 Uhr Kommentieren
In  der Diamanten-Affäre ermittelt die Staatsanwaltschaft in Mailand gegen zwei Edelstein-Broker sowie mehrere Geldhäuser. Quelle: AP
Unicredit-Gebäude in Mailand

In der Diamanten-Affäre ermittelt die Staatsanwaltschaft in Mailand gegen zwei Edelstein-Broker sowie mehrere Geldhäuser.

(Foto: AP)

RomDie italienische Finanzwelt ist um einen Skandal reicher. Opfer der Affäre sind gutgläubige Sparer, darunter auch der international bekannte Rockstar Vasco Rossi, die auf eine sichere Anlage in Diamanten gehofft hatten, aber stattdessen aus Sicht der Ermittler von ihren Bankberatern systematisch über den Tisch gezogen wurden.

Zwei Jahre lang hat die Mailänder Wirtschaftsstaatsanwaltschaft ermittelt, dann unterzeichnete Untersuchungsrichterin Natalia Imarisio die Anordnung zur Durchsuchung und Beschlagnahmung. Die italienische Finanzpolizei durchsuchte am Dienstagabend Räume von fünf Banken in Mailand und beschlagnahmte präventiv 700 Millionen Euro. Gegen 75 Personen wird ermittelt wegen schweren Betrugs, Korruption und des Verdachts auf Geldwäsche.

Alle großen italienischen Institute sind betroffen: Unicredit, Intesa Sanpaolo, Monte dei Paschi, Banco Bpm und deren Privatableger Banca Aletti. Die Institute wollen die Razzia nicht kommentieren.

Nach Informationen der Staatsanwaltschaft sind mehr als hundert Sparer betroffen, sie hatten auf ihre Bankberater gehört und als vermeintlich sichere Anlage in Krisenzeiten Diamanten gekauft. Inzwischen ist klar geworden, dass der Wert der Diamanten künstlich aufgebläht worden war. Vermutlich sind noch weit mehr Investoren betroffen, die Ermittlungen haben gerade erst begonnen.

Die Diamanten wurden von den beiden Firmen Intermarket Diamond Business (Idb) und Diamond Private Investment (Dpi) angeboten, gegen die ebenfalls ermittelt wird. Als Idb Anfang des Jahres pleiteging, wurden nach Medienberichten belastende Dokumente gefunden. Im vergangenen März hatte Idb-Chef Claudio Giacobazzi Selbstmord begangen. Seitdem untersuchte auch die italienische Börsenaufsicht Consob den Fall.

Ans Licht gekommen war der Skandal durch einen Fernsehreport vor zwei Jahren, der die Polizei zu ersten Ermittlungen veranlasste. Es geht um Fälle zwischen 2012 und 2016. Das Muster war immer gleich: Bankberater boten ihren Kunden Diamanten als Anlage mit hohem Gewinn an. Ursprünglich sollten in den Bankfilialen nur Infoprospekte ausliegen.

Die Sparer seien nicht in der Lage gewesen zu verstehen, dass die Hälfte ihres Investments durch Mehrwertsteuer, Gebühren und Honorare für die Diamantenfirmen aufgezehrt wurde und dass sie noch einmal zehn Prozent mehr hätten investieren müssen, um aus der Anlage aussteigen zu können, schreibt Untersuchungsrichterin Imarisio.

Die Finanzpolizei hat ermittelt, dass die Filialleiter und die Berater Kunden, „die sie seit Jahren kannten und die ihnen vertrauten“, aktiv die Investition in Diamanten als sichere Anlage anpriesen mit betrügerischer Absicht.

Ihnen wurde eine jährliche Rendite von drei bis vier Prozent des Kapitals versprochen – also mehr, als eine Staatsanleihe abwirft. Als Anreiz, so die Rekonstruktion der Staatsanwaltschaft, seien den Kunden bezahlte, aber als redaktionelle Inhalte getarnte Zeitungsartikel über die gute Performance der Diamanten gezeigt worden.

Und die Bankberater bekamen eine Gegenleistung. Die Diamantenfirmen ihrerseits hätten Millionen in Bankaktien investiert, was wiederum den Bank-Angestellten zu Prämien verholfen hätte.

Mehr: Lesen Sie hier, wie die Regierung in Rom die Krise der italienischen Banken herunterspielt.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Italien - Schmutzige Geschäfte mit Diamanten – Razzia bei Großbanken

0 Kommentare zu "Italien: Schmutzige Geschäfte mit Diamanten – Razzia bei Großbanken"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.