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Italienische Banken Die hohen Staatsschulden Italiens nehmen den Bankensektor in Geiselhaft

Italiens Banken sitzen auf hohen Beständen heimischer Staatsanleihen. Das macht sie anfällig für die Turbulenzen, die der Haushaltsstreit auslöst.
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Noch läuft die Konjunktur – aber ein Abschwung scheint dennoch nicht weit. Quelle: via Bloomberg
Geschäftsviertel in Mailand

Noch läuft die Konjunktur – aber ein Abschwung scheint dennoch nicht weit.

(Foto: via Bloomberg)

Rom, FrankfurtDie Lage in Italien hat nicht nur aus Sicht von JP-Morgan-Chef Jamie Dimon das Potenzial, eine Krise auszulösen. Das hat weniger damit zu tun, dass der italienische Staat in naher Zukunft Probleme damit bekommen könnte, sich zu finanzieren: Die Regierung in Rom hat die Phase niedriger Zinsen genutzt, um sich langfristig zu günstigen Konditionen zu verschulden. Prekärer ist die Lage schon für die italienischen Banken. Sie trifft das wachsende Misstrauen der Investoren gegenüber Italien gleich mehrfach.

Viele von ihnen haben sich mit italienischen Staatspapieren vollgesogen. In den vergangenen Jahren ließ sich damit gut verdienen: Italiens Institute liehen sich enorm günstig Geld von der Europäischen Zentralbank und investierten die Mittel in Staatsanleihen, die sich höher verzinsten als die EZB-Kredite.

Doch je kritischer Ratingagenturen auf den hochverschuldeten italienischen Staat blicken, je tiefer die Kurse der Regierungspapiere sinken, desto mehr werden diese Papiere nun zu einer Belastung in den Bankbilanzen.

Aus Sicht des Bankenexperten Marcello Messori von der Wirtschaftsuniversität Luiss sind die hohen Bestände an Staatsanleihen selbst im Vergleich zu den faulen Krediten, auf denen viele italienische Banken noch sitzen, „das schwerwiegendere Problem“. Viele Institute hätten ihre Bestände an Problemkrediten in den vergangenen Jahren auch unter Druck der EZB reduziert.

Im August lagen heimische Staatsanleihen im Umfang von 364 Milliarden Euro in den Büchern italienischer Banken, wie Zahlen der italienischen Notenbank zeigen. Sie hat die Institute aufgefordert, das Volumen ihrer Bestände zu melden. Die Großbank Intesa etwa hält italienische Anleihen im Umfang von 75 Milliarden Euro, das entspricht etwa drei Viertel ihres gesamten Staatsanleihe-Portfolios.

Bei Unicredit liegt der Italienanteil dagegen mit 54 Milliarden Euro und einem Anteil am Gesamtportfolio von 45 Prozent deutlich niedriger. Die UBI Banca dagegen baut ihre Bestände an italienischen Bonds im Staatsanleihe-Portfolio zügig ab: „Ursprünglich lag der Anteil an den Staatsanleihen bei 90 Prozent, jetzt sind es nur noch etwa 60 Prozent“, sagte UBI-Chef Victor Massiah. Bis 2020 will er 50 Prozent erreichen.

Abbau der Staatsanleihen lohnt sich für Banken nicht

Der Abbau der Staatsanleihen ist angesichts der gesunkenen Kurse ein Verlustgeschäft für die Banken, zumindest wenn sie nicht das Glück haben, dass die Laufzeit der Papiere gerade endet und sie ausgezahlt werden. Doch die rund 17 Milliarden Euro an italienischen Staatsanleihen, auf denen die Krisenbank Monte dei Paschi di Siena sitzt, laufen meist noch neun Jahre oder länger.

Das Problem für die Banken: Wegen der steigenden Risikoprämien italienischer Bonds wird immer mehr Kernkapital abgezogen. Nach Schätzungen der Analysten von Credit Suisse wird es für die Institute eng, wenn der Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen die Schwelle von vier Prozentpunkten erreicht. Dann wären die Institute zu Kapitalerhöhungen gezwungen.

Nach Ansicht von Messori gibt es aber Banken, für die es schon bei einem Renditeabstand von 3,5 bis 3,7 Prozentpunkten eng wird, in einigen Fällen fangen die Probleme sogar noch früher an. Aktuell liegt der Abstand bei etwa drei Prozentpunkten. Entwarnung gibt die Ratingagentur Scope für Italiens Großbanken Intesa und Unicredit. Der Wertverfall der italienischen Staatsanleihen dürfte angesichts der soliden Kapitaldecke dieser Institute beherrschbar sein.

Der Haushaltsstreit könnte auch die Konjunktur gefährden. Seit 2015 ist der Umfang von Darlehen, die in irgendeiner Form problembehaftet sind, laut der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) von 340 Milliarden Euro auf 221 Milliarden Euro gesunken – immer noch ein hoher Wert, der etwa zehn Prozent des Eigenkapitals der Banken entspricht. Der italienische Bankenverband ABI taxiert die Summe ausfallgefährdeter Darlehen, die noch gänzlich ungedeckt sind, auf 40 Milliarden Euro.

Es gibt also Fortschritte. Falls aber der Haushaltsstreit in Italien die Konjunktur abwürgen sollte, könnte die Zahl der Unternehmensinsolvenzen wieder steigen – und damit auch der Umfang der faulen Kreditengagements der Banken. Diese sind aus Sicht von S&P gefährlich groß, wenn die Konjunktur kräftig einbricht.

Schwierige Bedingungen am Kapitalmarkt

Es gibt aber noch ein anderes Thema: „Die Frage, ob die Banken einen Konjunkturabschwung schultern können, ist nicht nur mit den notleidenden Krediten verbunden“, sagt Lorenzo Codogno, Dozent an der London School of Economics: Die höheren Risikoaufschläge für Italien machen es auch für die Banken teurer, sich am Kapitalmarkt Geld zu leihen.

Das könne die Profitabilität der Institute schmälern, warnt auch S&P. Das Problem verschärft sich aus Sicht von Codogno, weil die Banken in den nächsten zwei bis drei Jahren zusätzliche Anleihen platzieren müssen, um neue Abwicklungsregeln der Europäischen Union zu erfüllen. Zu den aktuellen Konditionen wäre das enorm teuer.

Kein Wunder, dass die Regierung in Rom bereits wieder über Rettungsaktionen für die Banken nachdenkt. Eine Option für Hilfe ist ein Fonds, der einst für die Rettung Monte dei Paschis geschaffen wurde und in dem noch ungenutzte Gelder in Höhe von 15 Milliarden Euro liegen. Viele Beobachter bezweifeln allerdings, dass diese Summe im Ernstfall ausreichen würde.

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