Italiens Bankensektor Unicredit spart, Intesa schüttet aus

Eine 850 Millionen Euro schwere Abschreibung belastet die Großbank Unicredit. Konkurrent Intesa verdient dagegen wieder mehr.
Update: 08.11.2018 - 17:04 Uhr Kommentieren
Italiens Banken: Unicredit spart, Intesa schüttet aus Quelle: dpa
Skyline von Mailand

Die in Mailand ansässige Unicredit enttäuschte Anleger.

(Foto: dpa)

RomDer Franzose legt den Hebel um: Jean-Pierre Mustier, Chef der italienischen Großbank Unicredit, musste am Donnerstag enttäuschende Quartalszahlen vorlegen und die Ertragsziele senken. Das hat Konsequenzen für die Strategie des Hauses. Die Mailänder Bank verbuchte im dritten Quartal einen Nettogewinn von 29 Millionen Euro. Analysten hatten hingegen mit fast 907 Millionen Euro gerechnet.

Die krasse Diskrepanz ist darauf zurückzuführen, dass Unicredit 850 Millionen Euro abschreiben musste auf die Beteiligung an der türkischen Yapi-Kredi-Bank. Folglich senkte Unicredit die Prognose für die Ertragsziele und die Kernkapitalquote für 2018 und 2019. Dennoch sei er „stolz auf unsere Performance in einem immer schwierigeren makroökonomischen Umfeld“, so der Chef.

Zum düsteren Makroklima hat die neue Regierung in Rom maßgeblich beigetragen. Der Haushaltsstreit mit der EU-Kommission belastet die Branche enorm. In der nächsten Woche muss die Regierung einen neuen Entwurf vorlegen, in dem das Defizitziel von 2,4 Prozent abgesenkt werden soll. Doch Rom will seine teuren Wahlversprechen umsetzen. Nach einem Kompromiss sieht es nicht aus.

Im Gegenteil: Am Donnerstag teilte die EU-Kommission mit, dass sie angesichts der Haushaltspläne sogar mit einer deutlich höheren Neuverschuldung rechnet. Für 2019 geht Brüssel von einem Defizit von 2,9 Prozent der Wirtschaftsleistung aus.

Dass die Unicredit dadurch ins Schlingern gerät, zeigt die Schwierigkeiten der gesamten Branche in einem für Italien kritischen Moment. An der Mailänder Börse haben Bankaktien seit Amtsantritt der populistischen Koalitionsregierung im Juni 37 Milliarden Euro an Wert verloren.

Zur Last wird vor allem die steigende Rendite für Staatsanleihen. Der Risikoaufschlag für zehnjährige italienische Bonds im Verhältnis zu Bundesanleihen, der sogenannte Spread, hat sich verdoppelt. Italienische Banken sind massiv in eigene Staatsanleihen investiert: Bonds über 364 Milliarden Euro stehen in den Büchern, zeigen Daten der Notenbank.

Umschichtung des Anleiheportfolios geplant

Da die Bonds an Wert verlieren, die Kurse sinken, steigen die Risikoaufschläge. Das belastet das Eigenkapital der Banken. Für die beiden Großbanken Unicredit und Intesa Sanpaolo gibt die Ratingagentur Scope jedoch Entwarnung und verweist auf eine solide Kapitaldecke.

Um seine Bank fit für die Zukunft zu machen, kündigte Mustier eine Umschichtung des Bondsportfolios an. Bonds im Wert von 57 Milliarden Euro und einer Laufzeit von dreieinhalb Jahren will er auslaufen lassen. Anschließend sollen neue Staatsanleihen gekauft werden, die allerdings ebenfalls bis zum Auslaufen gehalten werden sollen. So könne der Effekt der steigenden Risikoprämien auf das Kernkapital begrenzt werden.

Deutlich besser sieht es beim Turiner Konkurrenten Intesa Sanpaolo aus. Die Zahlen für die ersten neun Monate seien die besten seit 2008, teilte die Bank mit. Umsatz und Nettogewinn lagen über den Erwartungen der Analysten. Der Gewinn stieg im dritten Quartal um 28 Prozent auf 833 Millionen Euro. Während Unicredits Kernkapitalquote sank, konnte Intesa sie auf 13,7 Prozent steigern.

Die Treiber dieser Entwicklung: Steigende Erträge, ein strikter Sparkurs und eine geringere Vorsorge für Kreditausfälle. Zudem ist genug Kapital vorhanden, um 85 Prozent des Gewinns als Dividende weiterzugeben. Bankchef Carlo Messina rechnet auf Jahressicht mit einem höheren Gewinn aus dem operativen Geschäft als im Vorjahr. Wie Unicredit hat Intesa einen hohen Bestand an Staatspapieren in den Büchern und arbeitet am Abbau der faulen Kredite.

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