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Jahresabschluss Finanzdienstleister Klarna macht fast ein Drittel mehr Umsatz

Der schwedische Zahlungsdienstleister ist im vergangenen Jahr stark gewachsen. Einen großen Beitrag dazu haben deutsche Kunden geleistet.
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Klarna legt Zahlen vor – Deutschland ist wichtigster Markt Quelle: Klarna
Klarna-Kreditkarten

Mit bunten Farben und flotten Sprüchen will der Zahlungsdienstleister auffallen.

(Foto: Klarna)

FrankfurtDer Umsatz kann sich sehen lassen: Im vergangenen Jahr hat der schwedische Zahlungsdienstleister Klarna seine Einnahmen auf rund 513 Millionen Euro (5,5 Milliarden Schwedische Kronen) gesteigert. Das entspricht einem Plus von mehr als 30 Prozent.

Als Nettogewinn übrig geblieben sind davon allerdings nur knapp zehn Millionen Euro – im Vorjahr waren es bei geringerem Umsatz noch mehr als 30 Millionen Euro. Das geht aus dem Jahresabschluss hervor, den das Unternehmen am Montag veröffentlichte. Klarna begründet den Rückgang mit einer „erheblichen Steigerung“ seiner Investitionen. Das Unternehmen will wachsen uns sich von einem reinen Zahlungsdienstleister zu einer Zahlungsplattform wandeln.

Investiert hat Klarna dem Bericht zufolge unter anderem in seine Mitarbeiter, die Organisationsstruktur und technische Neuerungen. So zählte Klarna im Durchschnitt mehr als 1700 Vollzeitstellen in 14 Ländern – im Vorjahr waren es 1380.

Aktuell sind laut einem Unternehmenssprecher 2500 Mitarbeiter bei Klarna beschäftigt. Im Zuge einer Umstrukturierung würden sie nun in etwa 300 Teams zu je vier bis acht Personen arbeiten. Teils hätten sie dabei einen permanenten Auftrag und teils kämen sie kurzzeitig für Projekte zusammen.

Die kostenintensive Neuorganisation habe 2017 begonnen und sei im vergangenen Jahr abgeschlossen worden. Darüber hinaus habe Klarna Teile seiner technischen Plattformen modernisiert und neue Produkte entwickelt – unter anderem, um seine Offline-Präsenz zu steigern. Zudem sei die Kunden-App überarbeitet und ein neues Händlerportal entwickelt worden.

Klarna wurde 2005 als Anbieter von Rechnungskauf für den Onlinehandel gegründet und hat sein Geschäftsmodell seitdem stetig erweitert. 2014 hat das Unternehmen die Sofort GmbH, den Anbieter der Sofortüberweisung, übernommen. 2016 folgte das Team der Zahlungs-App Cookies und 2017 der Rechnungskaufkonkurrent Billpay – alle drei Unternehmen stammen aus Deutschland.

Seit Ende vergangenen Jahres vergibt der Zahlungsdienstleister im Rahmen des Programms „Klarna Boost“ Kredite in Höhe von bis zu 100.000 Euro an kleine und mittelständische Händler. Auch in diesem Jahr kamen bereits zwei weitere Geschäftsfelder hinzu: Die Schweden stellen ihre Datenschnittstellen, über die sie Zahlungen auf den Konten von Verbrauchern auslösen, nun auch anderen Firmen bereit. Und über eine Authentifizierungsplattform sollen lokale Identifizierungslösungen für Händler, andere Unternehmen und Banken gebündelt werden.

Darüber hinaus gibt Klarna seit knapp zwei Wochen auch in Deutschland eine Kreditkarte heraus – in Kooperation mit Visa und dank einer 2017 erworbenen Banklizenz. Diese „Klarna Card“ war bisher nur in Schweden verfügbar. Dort sind laut dem Unternehmen nach dem Start im Vorjahr nun bereits 84.000 solcher Kreditkarten in Umlauf. Damit versucht das Unternehmen den Sprung vom Onlinehandel an die Ladenkasse.

Hoher Umsatz mit Ratenzahlung

Eine Besonderheit der Kreditkarte ergibt sich in Kombination mit der Klarna-App, über die Kunden bisher schon ihre Online-Einkäufe verwalten können. Nutzer der Klarna Card können wählen, ob die Kaufbeträge direkt per Lastschrift von ihrem hinterlegten Bankkonto eingezogen werden sollen oder sie darüber eine Rechnung erhalten möchten, die sie dann innerhalb von 14 Tagen begleichen müssen. Auch die Umwandlung in Ratenzahlung ist dabei möglich. Dieses Bezahlen in Raten ist für Klarna besonders einträglich. Die Zinseinnahmen beliefen sich laut Jahresbericht auf rund 170 Millionen Euro. Dem gegenüber wurden etwa 340 Millionen Euro Umsatz über Provisionen erzielt.

Beim Transaktionsvolumen für 2018 meldet Klarna insgesamt eine Steigerung um 36 Prozent auf rund 24 Milliarden Euro (252 Milliarden schwedische Kronen). Zugleich wächst noch immer das Marktpotenzial, so hat der Onlinehandel in Deutschland zuletzt weiter an Bedeutung gewonnen.

Beim Brutto-Umsatz verzeichnete der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (Bevh) für 2018 ein Plus in Höhe von rund elf Prozent auf mehr als 65 Milliarden Euro. Auch die Zahl der angebundenen Händler ist laut Klarna im vergangenen Jahr um mehr als 25.000 auf weltweit rund 130.000 gestiegen.

Bei den Endkunden sollen 26 Millionen neue Nutzer hinzugekommen sein. Wie aktiv diese Nutzer sind, geht aus dem Bericht allerdings nicht genau hervor. Klarna bezeichnet sie lediglich als „sehr verbunden“. In manchen Märkten würden mehr als 70 Prozent von ihnen innerhalb eines Jahres mehrmals Klarna nutzen. Auch die neue Gesamtzahl der Kunden gab das Unternehmen noch nicht preis. Zuletzt war von 60 Millionen die Rede.

Etwa 40 Prozent des Umsatzes im deutschsprachigen Markt

Von besonders großer Bedeutung ist für Klarna der deutschsprachige Markt. Laut Jahresbericht wurde hier etwa 40 Prozent des Umsatzes gemacht. Der Großteil entfiel dabei auf Deutschland, wo Klarna nun mehr Umsatz erzielt als im schwedischen Heimatmarkt.

„Mit 47 Prozent Umsatzwachstum im vergangenen Jahr in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind wir heute der größte Markt innerhalb des Klarna-Kosmos“, sagt Robert Bueninck, der bei Klarna den deutschsprachigen Raum verantwortet. Es sei „viel in die Benutzerfreundlichkeit und die Bedienbarkeit unserer Produkte und Services investiert“ worden, so Bueninck.

Dazu zählt Bueninck auch die Klarna Card. „Durch diese und neue Meilensteine in der Produktentwicklung, die demnächst folgen werden, sind wir sehr zuversichtlich, dass sich unser Wachstumskurs im DACH-Markt weiterhin fortsetzen wird.“

Auch bei britischen Kunden scheint Klarna beliebt zu sein. Nach Aussage des Unternehmens etabliert sich dort der Ausdruck „klarna it“ für Situationen, in denen Kunden über Klarna nicht sofort, sondern mit etwas Verzögerung zahlen.

In Großbritannien hat Klarna dank eigener Lizenz Anfang dieses Jahres auch eine eigene Niederlassung seiner Bank eröffnet. Zudem hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr für mehr als 90 Millionen Euro Close Brothers Retail Finance übernommen. Mit dem Anbieter von Konsumentenkrediten im Online-und Offlinehandel soll die Marktposition in Großbritannien gestärkt werden.

Zu Klarnas Wettbewerbern zählen unter anderem der US-amerikanische Dienstleister Paypal und der niederländische Anbieter Adyen. Paypal hatte in der vergangenen Woche allein für das erste Quartal dieses Jahres einen Umsatz von rund 3,7 Milliarden Dollar und einen Überschuss in Höhe von rund 598 Millionen Euro gemeldet. Letzteres bedeutet im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung in Höhe von 31 Prozent.

Die Zahl der aktiven Kundenkonten liege nun bei 277 Millionen. Für 2018 hatte Paypal einen Gesamtumsatz von knapp 14 Milliarden Dollar und einen Nettogewinn in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar gemeldet. Es wickelte Transaktionen im Wert von 518 Milliarden Euro ab.

Auch Adyen, das 2006 gegründet wurde, hat 2018 stark zugelegt. Mit 131 Millionen Euro lag der Gewinn 84 Prozent höher als im Vorjahr. Es wurden Transaktionen in Höhe von 159 Milliarden Euro abgewickelt. Anders als Klarna und Paypal tritt Adyen allerdings gegenüber den Verbrauchern nicht namentlich in Erscheinung.

Zu Klarnas Investoren gehören Sequoia Capital, Bestseller Group, Atomico, VISA und Permira. Auch der Skandalrapper Snoop Dogg zählt seit Anfang des Jahres zum Investorenkreis und ist zudem das neue Werbegesicht des Unternehmens. Auch viele Privatleute gehören zu Klarnas Geldgebern, denn Klarna bietet auch Festgeldkonten an. Im vergangenen Jahr seien die Einlagen um 76 Prozent auf rund 1,4 Milliarden Euro gestiegen – wobei der Schwerpunkt in Deutschland liege.

Schon seit längerem trauen Finanzexperten Klarna einen Börsengang zu. Im vergangenen Jahr wurde das Unternehmen mit mehr als zwei Milliarden Dollar bewertet. Geschäftsführer und Gründer Sebastian Siemiatkowski sagte kürzlich gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: „Wir haben noch keine formelle Entscheidung über ein Listing getroffen, aber Klarna nähert sich einer Situation an, von der wir glauben, dass wir bereiter für einen Börsengang sind.“

Siemiatkowski scheint mit seinem Unternehmen noch einiges vorzuhaben. An die Gesellschafter gerichtet schreibt er im Jahresbericht: „Gemeinsam werden wir Wunder vollbringen.“

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