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Jahresbilanz Auf diese fünf Punkte müssen Commerzbank-Aktionäre achten

Am Donnerstag legt die Commerzbank ihre Zahlen für 2018 vor. Experten zweifeln, dass das Institut sein Gewinnziel im Jahr 2020 noch erreichen kann.
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Commerzbank: Auf diese 5 Punkte müssen Aktionäre achten Quelle: Reuters
Commerzbank-Zentrale in Frankfurt

Das Geldhaus legt am Donnerstag neue Geschäftszahlen vor.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDie Commerzbank präsentiert am Donnerstag ihre Zahlen für das vergangene Jahr. Analysten gehen im Schnitt von einem Gewinn von 828 Millionen Euro aus, nach 141 Millionen Euro im Jahr zuvor. Außerdem hat Vorstandschef Martin Zielke angekündigt, für 2018 eine Dividende von 20 Cent je Aktien zu bezahlen. Es wäre – nach dem Geschäftsjahr 2015 – erst das zweite Mal seit der staatlichen Rettung des Instituts während der Finanzkrise, dass die Aktionäre eine Ausschüttung erhalten.

Finanzchef Stephan Engels hat angekündigt, dass das Geldhaus auch eine Zwischenbilanz ziehen will, wie es mit der Strategie „Commerzbank 4.0“ vorankommt. Diese wurde im Herbst 2016 verkündet und ist bis Ende 2020 angelegt. Beim Umbau der Bank und bei der Gewinnung neuer Kunden hat das Institut Fortschritte gemacht. Die Erträge und der Gewinn haben sich dagegen bisher schwächer entwickelt als erhofft.

Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsen und der sich abzeichnenden Konjunkturabschwächung hegen viele Experten Zweifel, dass die Commerzbank ihre für 2020 ausgegebenen Ziele erreichen kann. Besonders genau werden sie am Donnerstag auf fünf Bereiche schauen.

1. Privatkunden

Kurz und knapp: Die Commerzbank gewinnt Kunden und Erträge, kann diese bislang aber nicht in höhere Gewinne ummünzen. Die Frage ist, ob und wann sich das ändert.

Das Institut hat das Ziel ausgegeben, von Herbst 2016 bis Ende 2020 unter dem Strich zwei Millionen neue Privatkunden zu gewinnen. Der zuständige Vorstand Michael Mandel hat bereits vorab erklärt, dass die Bank die Marke von einer Million bis Ende 2018 wie geplant übersprungen hat. Die Onlinetochter Comdirect steuerte dazu allerdings 548.000 Neukunden bei – und mit diesen fährt der Konzern im Schnitt weniger Erträge als mit Commerzbank-Kunden ein.

In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres sind die Erträge der Commerzbank in praktisch allen Einzelsegmenten gestiegen, im deutschen Filialgeschäft sogar stärker als bei den Töchtern MBank und Comdirect. Doch der operative Gewinn sank um gut ein Fünftel auf 565 Millionen Euro.

Die Bank führt dafür im Wesentlichen drei Gründe an: Im Vorjahr hatte der Verkauf einer Beteiligung am Zahlungsdienstleister Concardis außerordentliche Erträge in die Kasse gespült, daneben ist im Jahr 2018 aber auch die Risikovorsorge gestiegen. Außerdem fielen auch die Verwaltungsaufwendungen höher aus, unter anderem wegen der Einführung von neuen regulatorischen Vorgaben im Wertpapiergeschäft (Mifid II).


2. Firmenkunden

Kurz und knapp: Die Commerzbank gewinnt Kunden und dehnt ihr Kreditvolumen aus, kann damit bislang aber nicht den Ertragsschwund und erst recht nicht die Erosion der Gewinne abbremsen. Die Frage ist, ob sich der Abwärtstrend abmildert oder verstärkt.

Einst war die Firmenkundensparte dank der starken Stellung der Commerzbank im Mittelstandsgeschäft die Ertragsperle des Instituts. Mittlerweile ist sie so etwas wie das Sorgenkind. Die Erträge sind in den ersten neun Monaten 2018 um sechs Prozent auf 2,8 Milliarden Euro gesunken, der operative Gewinn sogar um fast 30 Prozent auf 523 Millionen Euro.

Dabei hatte die Bank sogar noch Glück: Die Risikovorsorge fiel mit 124 Millionen Euro mikroskopisch klein aus, weil die Bank einige Wertberichtigungen auf faule Kredite auflösen konnte. Wie stark das Ergebnis dadurch gestützt wurde, sagte das Institut nicht.

An mangelndem Kundenwachstum liegt der Ertragsschwund jedenfalls nicht: Die Sparte gewinnt laufend neue Kunden hinzu – das Zwischenziel für 2018 von 7.000 Neukunden hatte die Bank bereits im September mit 8.500 neuen Kunden übertroffen, bis 2020 sind 10.000 neue Kunden geplant. Auch das gewünschte Kreditwachstum lag Ende September mit einem Bestand von 81 Milliarden Euro voll im Plan. Doch mit seinen Firmenkunden verdient das Institut weniger Geld als erhofft.

Die Bank macht dafür den beinharten Preiskampf in Deutschland, die Niedrig- und Negativzinsen sowie für das Firmenkundengeschäft ungünstige regulatorische Trends verantwortlich. Abgesehen davon scheinen sich auch die Hoffnungen nicht zu erfüllen, den Kunden mehr Kapitalmarktprodukte zu verkaufen.

Die Commerzbank hatte 2016 ihre Kapitalmarkt- mit der Mittelstandssparte eigentlich aus diesem Grunde zusammengelegt. Doch zumindest für die ersten drei Quartale 2018 stellte die Commerzbank eine „verhaltene Nachfrage nach Kapitalmarkt- und Absicherungsprodukten“ ihrer Kunden fest.

Die operativen Ergebnisse der Sparte fielen in den ersten drei Quartalen jeweils niedriger als im Vorjahr aus. Mit einer operativen Eigenkapitalrendite von 6,4 Prozent steht das Segment schlechter als die Privatkundensparte da.

3. Kosten

Kurz und knapp: Die Commerzbank musste ihr Zwischenziel für die Kosten für 2018 kassieren, nun wird eine neue Kostenprognose für 2019 erwartet.

Die Commerzbank hat 2016 angekündigt, ihre Kosten von gut sieben auf 6,5 Milliarden Euro im Jahr 2020 zu drücken. Dieses Ziel hat Finanzchef Engels mehrfach bestätigt. Das Zwischenziel, 2018 die Marke von sieben Milliarden Euro zu erreichen, kassierte er jedoch im vergangenen Sommer, was bei vielen Investoren nicht gut ankam.

Das ist verständlich: Ihre Ertragsprognosen hat die Commerzbank in den vergangenen Jahren immer mal wieder verfehlt, das Kostenmanagement zählte dagegen bislang zu den Stärken des Geldhauses.

Angesichts des laufenden Abbaus von 9.600 Vollzeitstellen erwarten Investoren allerdings, dass die Verwaltungsaufwendungen der Bank 2019 spürbar sinken. „Hier sind Fortschritte im Jahr 2019 entscheidend, um die ausgegebenen Ziele zu erreichen und das Vertrauen zu stärken“, betont Deutsche-Bank-Analyst Benjamin Goy. Er geht davon aus, dass die Kosten im laufenden Jahr auf 6,75 Milliarden Euro sinken werden – und erwartet von der Bankspitze am Donnerstag eine konkrete Kostenprognose für 2019.


4. Prognosen

Spannend wird darüber hinaus sein, ob die Commerzbank andere für 2020 ausgegebene Ziele modifiziert. Die Ertragsprognose von mindestens 9,8 Milliarden Euro hat Finanzchef Engels bereits im November kassiert – und dafür vor allem externe Effekte verantwortlich gemacht: die niedrigen Zinsen, den Brexit und die weltweiten Handelsstreitigkeiten. Laut Engels sind 2020 aber weiter Erträge zwischen 9,2 und 9,8 Milliarden Euro realistisch. Auch diese revidierte Prognose ist aus Sicht von Experten ambitioniert.

Große Zweifel haben Analysten, ob die Bank 2020 wie angepeilt eine Eigenkapitalrendite von mehr als sechs Prozent erreichen kann. Für das vergangene Jahr erwarten sie aktuell im Schnitt eine Rendite von rund drei Prozent, für 2020 von gut vier Prozent.

Anpassungspotenzial nach oben gibt es dagegen beim angepeilten Geschäftsvolumen (Assets under Control), das im Privatkundengeschäft bis 2020 auf über 400 Milliarden Euro steigen soll. Bis Ende September 2018 hatte die Commerzbank bereits 392 Milliarden Euro erreicht – und könnte die Latte für 2020 deshalb in absehbarer Zeit höher legen.


5. Fusion mit der Deutschen Bank

Besonders spannend wären Aussagen zu einer möglichen Fusion mit der Deutschen Bank, auch wenn sich die Commerzbank-Spitze zu diesem Thema traditionell bedeckt hält. „Konsolidierung in Europa ist etwas, was angesichts der Vielzahl von Banken und der großen Belastungen, die wir alle haben, ganz offensichtlich Sinn macht“, sagte Finanzchef Engels im November. Das sei aber auch schon vor drei Jahren der Fall gewesen. „Und wie wir alle gesehen haben, ist da bis jetzt relativ wenig passiert.“

Experten sind uneinig, ob eine Fusion mit der Deutschen Bank sinnvoll wäre. Die Ratingagentur Scope sieht große, aber keine unüberwindbaren Hürden für einen solchen Deal. „Bei einer Fusion wäre die Commerzbank im Gegensatz zu früheren Zeiten der weniger angeschlagene Partner“, sagt Scope-Analyst Samuel Theodore. „Die Deutsche Bank würde von einer solchen Transaktion mehr profitieren als die Commerzbank, weil sie dann einen stärkeren Anker in der deutschen Wirtschaft hätte.“ Die Commerzbank könnte ihren Kunden nach einer Fusion ein umfangreicheres Produktangebot bieten als bisher.

Der größte Vorteil einer Fusion wären aus Sicht von Experten jedoch milliardenschwere Kostensynergien. Für Mitarbeiter wäre ein Zusammenschluss somit eine Horrorvorstellung, denn dabei würden sicherlich erneut Tausende Arbeitsplätze gestrichen. Zudem verweisen viele Beschäftigte auf die großen kulturellen Unterschiede zwischen beiden Häusern. Bei der Commerzbank haben mehrere Mitarbeiter und Manager im kleinen Kreis angekündigt, das Institut zu verlassen, falls es tatsächlich zu einer Fusion mit der Deutschen Bank kommt.

Darüber hinaus gibt es geschäftliche Risiken für einen Zusammenschluss: Beim Kundenstamm dürfte es bei beiden Häusern viele Überschneidungen geben. Das dürfte einige Kunden dazu veranlassen, bei einer Fusion zumindest Teile ihrer Bankgeschäfte auf andere Institute zu übertragen. Vor allem Unternehmen machen sich ungern von einer Bank zu abhängig. Und auch die fusionierte Bank müsste sich überlegen, ob sie mit einzelnen Kunden nicht zu viel Kreditgeschäft macht, Stichwort Klumpenrisiken.

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