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Jahresergebnis Sieben Erkenntnisse aus den Zahlen der Deutschen Bank

Alte Sorgenkinder bleiben erhalten, neue Cashbringer überraschen – und mit Skandalen soll Schluss ein. Was das Jahresergebnis noch über den Zustand der Deutschen Bank verrät.
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„Die Deutsche Bank sollte so schnell wie möglich mit der Commerzbank fusionieren“

FrankfurtAlle ausgegebenen Ziele erreicht, Anleger und Analysten trotzdem enttäuscht: Das ist das durchwachsene Fazit des großen Zahlentages der Deutschen Bank. An diesem Freitag um sieben Uhr hat das größte heimische Geldhaus seine Zahlen für das Jahr 2018 veröffentlicht. Um acht Uhr sprachen Vorstandschef Christian Sewing und Finanzchef James von Moltke mit den Analysten. Ab zehn Uhr stellte sich die Führungsriege der Bank dann den Fragen der Journalisten.

Es war einer der wichtigsten Tage für Sewing seit er Anfang April an die Spitze der Deutschen Bank rückte. Zum ersten Mal präsentierte er das Jahresergebnis und musste Investoren, Kunden und Öffentlichkeit davon überzeugen, dass sein Sanierungskurs zum Ziel führt, und sich die Bank nicht in eine Fusion mit der Commerzbank flüchten muss.

Immerhin: Wie versprochen hat die Bank nach drei Verlustjahren in Folge wieder einen Gewinn gemacht, auch wenn die 267 Millionen Euro nur für eine winzige Eigenkapitalrendite von 0,5 Prozent reichen. Sewings Zusage, die Kosten unter 23 Milliarden Euro zu drücken, hat er ebenfalls erfüllt.

Aus den Zahlen und aus dem was die Top-Banker sagten oder auch aus dem, was sie nicht sagten, lassen sich einige Erkenntnisse gewinnen. Das sind die sieben wichtigsten:

1. Die Fusionsspekulationen sind längst nicht vom Tisch

Die Deutsche Bank hat ihre eigene Gretchenfrage: Fusioniert sie oder fusioniert sie nicht? Den ganzen Tag über nahm der Vorstandschef weder das Wort Übernahme, noch Fusion, noch Commerzbank in den Mund. Stattdessen betonte er, dass er an seinem Vorhaben festhalte, die Bank aus eigener Kraft zu sanieren. „Wir haben unseren Plan und den arbeiten wir ab, über alles andere mache ich mir keine Gedanken“, sagte Sewing. 2018 stand erstmals nach drei Verlustjahren in Folge immerhin wieder ein Gewinn zu Buche.

Sewing sieht darin die Bestätigung, dass das Institut auf dem „richtigen Weg“ ist. Die Formulierung aus dem vergangenen Herbst, dass die Bank in den kommenden 18 Monaten erst einmal ihre Hausaufgaben erledigen werde und keine größeren strategischen Änderungen anstünden, wollte der Vorstandschef allerdings nicht wiederholen.

Die Ratingagentur Scope kommt zu folgendem Schluss: Die Zahlen der Deutschen Bank „waren nicht beruhigend, eine Fusion würde einige inhärente – aber nicht unüberwindbare Schwierigkeiten bedeuten, und sie wäre mit Unsicherheiten belastet. Aber mit ein bisschen kluger und geduldiger Steuerung hätte ein Zusammenschluss eine vernünftige Erfolgschance. Europas stärkste Wirtschaft hat ein Recht auf zumindest eine Bank mit robusten Geschäfts- und Finanzdaten.“

2. Die Bank verteidigt ihre Renditeziele eisern

Auch wenn kaum ein Analyst glaubt, dass das gelingen kann: Der Vorstand hält eisern an seinem Renditeziel von vier Prozent in diesem Jahr fest. Zum Vergleich: 2018 lag die Rendite auf das materielle Eigenkapital bei  0,5 Prozent. Sewing räumt ein, dass der Sprung auf vier Prozent „auf den ersten Blick groß und nicht machbar“ wirkt.

Er erklärt dann aber auch, warum er trotzdem daran glaubt: Etwa 2,5 Prozentpunkte mehr sollen die Sparerfolge beitragen. Außerdem war die Steuerquote im vergangenen Jahr unnormal hoch und dürfte sich normalisieren.

Außerdem will die Bank einen Teil ihrer bei der EZB zum Minuszins geparkten Gelder in sichere und liquide Wertpapiere umschichten. Dann wäre man bei drei Prozentpunkten und damit schon über den 2,5 Prozent, die die Analystenschar für glaubwürdig hält.

Den Rest erhofft sich Sewing vor allem aus den Erträgen, namentlich auch von der Investmentbank. „Klar ist aber auch: Wenn wir wieder in das extrem unfreundliche Marktklima des vierten Quartals zurückfallen sollten, würde das unsere Planung sicher herausfordern“, schränkte er ein. Wenn der Rückenwind von den Märkten ausbleibe, müsse noch härter gespart werden, machte James von Moltke im Analysten-Call klar.

3. Die Deutsche Bank kann sparen

Für 2018 hatte Sewing den Anlegern nicht nur einen Gewinn versprochen, er wollte auch die bereinigten Kosten auf 23 Milliarden Euro senken. Dazu sollten tausende von Stellen wegfallen, und die Zahl der Mitarbeiter unter 93.000 fallen. Beide Ziele hat der Vorstandschef übererfüllt. Die Kosten lagen am Ende bei 22,8 Milliarden Euro, und die Belegschaft sank um 6000 Vollzeitkräfte auf gut 91.700 Mitarbeiter.

Bis Ende 2019 sollen es „deutlich unter 90.000“ sein. Die Sparziele hat Sewing noch einmal verschärft.  Die bereinigten Kosten sollen nun auf 21,8 Milliarden Euro fallen, gegenüber 22 Milliarden Euro zuvor. Selbstverständlich ist das Überfüllen der Ziele nicht. Kräftige Einsparungen hatte die Deutsche Bank schon öfter versprochen, aber in der Vergangenheit wurden die eigenen Vorgaben immer wieder verfehlt.

4. Mit stabilen Geschäften lässt sich Geld verdienen

Es muss nicht immer der Wertpapierhandel sein. Zu den positiven Überraschungen zählte im ansonsten düsteren vierten Quartal die Transaktionsbank, in der die Deutsche Bank Geschäfte wie den Zahlungsverkehr, Handelsfinanzierungen oder auch das Verwahr- und Depotgeschäft bündelt.

Sie verdiente mit fast einer Milliarde Euro sogar mehr als die Analysten geglaubt hatten. Kein Wunder, dass die Bank innerhalb der Sparte Unternehmens- und Investmentbank ihre Investitionen in neue Technologie auf die Transaktionsbank und das Währungsgeschäft konzentrieren will. „In diesen Feldern werden leistungsfähige Plattformen entscheidend sein für den langfristigen Erfolg“, sagt Sewing. Und diesen Erfolg will er sich ganz offensichtlich von keinem Wettbewerber nehmen lassen.

5. Die Investmentbank bereitet weiter Sorgen

Die Erfolge der Transaktionsbank werden zwar im Bereich Unternehmens- und Investmentbank verbucht, aber dennoch bleibt die Sparte für die Investoren ein Problemfall. Vor allem der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren – einst die Paradedisziplin der Frankfurter – schwächelt. Dort brachen die Erträge um 23 Prozent auf 786 Millionen Euro ein. Das Investmentbanking insgesamt, das neben dem Handel auch das Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen und die Begleitung von Kunden etwa bei Börsengängen umfasst, musste im Gesamtjahr deutliche Einbußen hinnehmen.

Die Erträge sanken um mehr als eine Milliarde auf rund 13 Milliarden Euro. Vor Steuern blieben davon nur 530 Millionen Euro übrig – halb so viel wie vor Jahresfrist. Alexandra Annecke, Fondsmanagerin bei Union Investment, sieht die Deutsche Bank entsprechend kritisch: „Die Schwäche im Investmentbanking ist eklatant. Hier muss es endlich gelingen, die Marktanteilsverluste zu stoppen. Die Investoren brauchen einen langen Atem. Die Wende lässt weiter auf sich warten.“

6. Fortschritte bei den Rechtsrisiken

Skandale sind schlecht fürs Geschäft, und die Affären der Vergangenheit haben die Bank viele Milliarden gekostet. Damit soll nun Schluss sein. Aus der Präsentation von Vizevorstandschef Karl von Rohr lässt sich herauslesen, dass das Geldhaus aktuell mit keinen dramatischen Strafzahlungen rechnet. Von den 20 gefährlichsten Rechtsfällen, die für 90 Prozent der üppigen Rückstellungen standen, hat die Bank 19 ganz oder teilweise abgeschlossen.

Jüngst hatte die Geschäftsbeziehung der Deutschen Bank zur Danske Bank, die in einen riesigen Geldwäscheskandal verwickelt ist, für Schlagzeilen gesorgt. Außerdem führte die Frankfurter Staatsanwaltschaft eine medienwirksame Razzia wegen Geldwäschevorwürfen im Zusammenhang mit den „Panama Papers“ Ende November durch.

Die Bank ist aber in beiden Fällen überzeugt, dass sie sich nichts vorzuwerfen hat, was viel Geld kosten könnte. „Insofern haben wir auch weder für Panama Papers noch für Danske Bank Estonia Rückstellungen gebildet oder Eventualverbindlichkeiten festgestellt. Und auch seit der Geldwäsche-Razzia der Frankfurter Staatsanwaltschaft habe die Bank „nach etwa zwei Monaten der Recherche keinerlei Hinweise auf ein Fehlverhalten der Bank oder unserer Mitarbeiter feststellen können“, so von Rohr.

7. Es gibt wieder Boni für Vorstände

Im vergangenen Jahr waren die Bonuszahlungen für Mitarbeiter und Vorstand noch riesiger Aufreger. Nach einer Reihe bitterböser Kommentare aus der Politik verzichtete der Vorstand angesichts des damals dritten Verlustjahres in Folge doch auf die variable Vergütung.

„Es war für den Vorstand keine Frage, bei einem Verlust die Boni nicht anzunehmen“, sagte Sewing dazu an diesem Freitag im Rückblick. Das habe etwas mit Haltung und Anstand zu tun, so der Manager. „Die Situation ist aufgrund des Gewinns dieses Jahres eine andere“, fügte er dann noch an. Am Ende entscheide über die Boni für das Top-Management natürlich der Aufsichtsrat.

Streng genommen hält der Tag sogar noch eine weitere, achte Erkenntnis bereit: Die aber kommt nicht aus der Finanzmetropole Frankfurt, sondern aus Berlin. Genauer gesagt von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Er listet in seiner „Nationalen Industriestrategie 2030“ jene Unternehmen auf, deren dauerhafter Erfolg seinem Ministerium zufolge von nationaler Bedeutung für Deutschland ist. Siemens gehört dazu und Thyssen Krupp, aber auch die Deutsche Bank.

Die Commerzbank, an der der Bund immerhin mit 15 Prozent beteiligt ist, fehlt dagegen. Aber vielleicht hat Altmaier auch nur jene Fusion vorweggenommen, über die in den Doppeltürmen der Deutschen Bank an diesem Freitag so eisern geschwiegen wurde.

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