Jahresstatistik für 2017 Zahl der Bankfilialen in Deutschland ist weiter gesunken

Allein Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken schlossen 2017 mehr als sechs Prozent ihrer Filialen. Auslandsbanken und Fintechs drängen auf den Markt.
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„Die Zahl der Banken sinkt, weil die Regulatorik es kleinen Häusern zunehmend erschwert, sich zu behaupten“, sagt der Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken. Quelle: dpa
Volksbankautomat in Magdeburg

„Die Zahl der Banken sinkt, weil die Regulatorik es kleinen Häusern zunehmend erschwert, sich zu behaupten“, sagt der Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken.

(Foto: dpa)

Noch bevor die Bundesbank im Mai ihre Jahresstatistik zur Konsolidierung in der deutschen Bankenbranche veröffentlichen wird, zeichnet sich bereits ab, dass die Anzahl der Institute und Filialen weiter gesunken sein dürfte. Anbieter, die aus dem Ausland kommen oder sich auf ganz bestimmte Kundengruppen konzentrieren, zählen zu den wenigen, die expandieren.

Allein die Anzahl der Sparkassen sowie der Volks- und Raiffeisenbanken, die zwei der traditionell drei Säulen des deutschen Bankensystems ausmachen, sank nach Bloomberg-Berechnungen 2017 um rund fünf Prozent auf 1305. Gleichzeitig schrumpfte die Anzahl ihrer Filialen um mehr als sechs Prozent auf 20.976.

Gesamtdaten für die sonstigen Banken, die dritte Säule, liegen noch nicht vor. Es gibt aber Hinweise. So hatte die Deutsche Bank in den Jahren 2015 und 2016 in Deutschland etwas mehr als 720 Filialen einschließlich der Berliner Bank, aber ohne die Postbank. Ende 2017 waren es nur noch gut 530, wie das Unternehmen auf Nachfrage erklärte.

„Einen Hauptgrund für die Schließung vieler Filialen sehen wir in der zunehmenden Digitalisierung und neuen Kundenanforderungen“, sagte Thomas Schnarr, Partner bei der Strategieberatung Oliver Wyman, zu Bloomberg. „Insbesondere kleinen Einheiten kann es an genügend kritischer Masse fehlen, um sich an das neue Umfeld anzupassen.“

Ein Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, verweist zudem auf aufsichtsrechtliche Vorgaben: „Die Zahl der Banken sinkt, weil die Regulatorik es kleinen Häusern zunehmend erschwert, sich zu behaupten. Sie brauchen zum Beispiel Spezialisten für eine Vielzahl aufsichtlicher Meldungen, die es nicht überall gibt und die teuer sind.“

Oliver Wyman beobachtet gleichzeitig das Entstehen einer neuen vierten Säule aus ausländischen Banken und neuen Marktteilnehmern wie Fintechs, die den Wettbewerb zusätzlich anheize und traditionelle Geschäftsmodelle angreife.

In dieselbe Richtung gehen Aussagen von Peter Barkow, Geschäftsführer der Düsseldorfer Unternehmensberatung Barkow Consulting: „Bei den Banken, die ihre Präsenz in Deutschland gegen den Trend ausbauen, handelt es sich meist um Sonderfälle – etwa Auslandsinstitute, die nach Deutschland drängen.“

Das deckt sich mit den Ankündigungen einiger Unternehmen. So will die österreichische Oberbank in diesem Jahr acht neue Filialen in Deutschland eröffnen. Im Blick hat sie dabei Baden-Württemberg und Sachsen. „Wir schätzen das Marktpotenzial in Deutschland als substanziell ein“, sagte Generaldirektor Franz Gasselsberger. „Der Break-Even-Punkt unserer neuen Standorte liegt im Durchschnitt bei etwa zwei Jahren.“ Derzeit kommt das Unternehmen auf 28 Filialen in Deutschland.

Auf der Fintech-Seite steht unter anderem die Hamburger FFG Finanzcheck Finanzportale, die mit ihren 225 Mitarbeitern ein Kreditvergleichsportal im Internet betreibt und jetzt eine Filiale in ihrer Heimatstadt eröffnet hat. „Weitere Standorte können wir uns gut vorstellen. Spruchreif ist noch nichts, aber wenn, dann wären es die Innenstädte weiterer deutscher Großstädte“, sagte CEO Moritz Thiele.

Sowohl Online- als auch Auslandsanbieter ist die aus Österreich stammende Easybank. Die Tochter von Bawag steht vor einem Markteintritt in Deutschland. Dort will sie mit der Marke Qlick den traditionellen Banken Konkurrenz machen und zunächst Kredite für Privatkunden anbieten. Andere Dienste sollen später hinzukommen. Einen genauen Starttermin konnte das Unternehmen noch nicht nennen.

Die Deutsche Kreditbank (DKB) aus Berlin baut derweil ihr Filialnetz speziell für Geschäftskunden aus. In den vergangenen zwei Jahren eröffnete sie im Bundesgebiet neun neue Standorte, sechs davon 2017. Sie verweist auf den Willen, näher am Kunden zu sein. „Unsere hauseigenen Ingenieure gehen beispielsweise zu den Kunden auf die Baustelle oder in den landwirtschaftlichen Betrieb, um Projekte besser bewerten und betreuen zu können“, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

  • Bloomberg
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