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Jahreszahlen Munich Re will zurück in alte Gewinnregionen – die Bilanz in der Blitzanalyse

Update: 15.03.2018 - 13:40 Uhr Kommentieren
Vergleichsweise bescheidenes Ergebnis für 2017. Quelle: dapd
Skulptur „Walking Man“ vor der Munich-Re-Zentrale in München

Vergleichsweise bescheidenes Ergebnis für 2017.

(Foto: dapd)

München Die schlechten Nachrichten sind schon seit dem Herbst bekannt. Insofern überraschte es auch nicht, dass die Munich Re am Donnerstagmorgen ein für ihre Verhältnisse sehr bescheidenes Ergebnis verkünden musste. Die wichtigsten Zahlen im Überblick:

  • Der Rückversicherer hat 2017 einen Gewinn von 392 Millionen Euro erzielt. Früher gab es beinahe traditionell ein Plus zwischen zwei und drei Milliarden Euro.
  • In diese Regionen soll es in diesem Jahr auch wieder gehen. Munich Re kündigt einen Überschuss für 2018 von 2,1 bis 2,5 Milliarden Euro an.
  • „Ergo setzt das Strategieprogramm Schritt für Schritt mit Erfolg um, und in der Rückversicherung erhalten unsere Wachstumsinitiativen zusätzlichen Rückenwind durch anziehende Preise“, sagt Konzernchef Joachim Wenning zur Begründung.
  • 4,3 Milliarden Euro musste der Rückversicherer 2017 für Großschäden auszahlen, dreimal so viel wie in den Jahren davor.
  • Das Unternehmen will rund 900 Stellen streichen, vor allem in der Zentrale und im Auslandsgeschäft.

Das fällt positiv auf

Aktienrückkaufprogramm wird fortgesetzt: Auch wenn die Verpflichtungen aus Unwetterschäden die Munich Re diesmal besonders heftig erwischt haben, so ist das 138 Jahre alte Traditionshaus dennoch kerngesund. Das Eigenkapital sank zwar zuletzt um 3,6 Milliarden Euro. Auskömmliche 28,2 Milliarden Euro verdeutlichen jedoch weiter die Kapitalstärke des Hauses.

Deswegen sollen die Anleger auch nicht leiden: 8,60 Euro Dividende je Aktie sollen an sie ausgezahlt werden. Bei einem Kurs von 182,80 Euro am Mittwoch ergibt sich so immer noch eine außergewöhnlich hohe Dividendenrendite von 4,7 Prozent. Danach müssen Anleger anderswo lange suchen.

Bei der Munich Re gilt es indes bereits als Makel, dass die Dividende für das abgelaufene Jahr lediglich auf der Stelle tritt. Gewöhnlich steigt sie leicht an. Beim Aktienkurs gab es im Herbst ohnehin nur einen leichten Einbruch. In der Jahresabrechnung stand am Ende sogar ein leichtes Kursplus.

Deswegen wird auch das Aktienrückkaufprogramm weiter fortgeführt. Aktien im Wert von einer Milliarde Euro will der Rückversicherer bis zur Hauptversammlung 2019 erwerben. Bei der Munich Re haben solche Programme Tradition, nur zum Höhepunkt der Finanzkrise fiel das Programm für ein Jahr aus. Hätte diesmal die Ankündigung gefehlt, hätte man sich auf Anlegerseite um den Konzern sorgen müssen.

Auch das einstige Sorgenkind Ergo, der Erstversicherer des Konzerns, hat es zurück in die Gewinnzone geschafft. 273 Millionen Euro wurden dort an Gewinn erzielt. Erst im Sommer wurde das Gewinnziel auf die Spanne von 200 bis 250 Millionen Euro angehoben.

In diesem Jahr ist eine Spanne von 250 bis 300 Millionen Euro angepeilt. Kontinuierlich soll es in den kommenden Jahren in Richtung 600 Millionen Euro gehen.

Das fällt negativ auf

Großschäden: Wettbewerber waren von den schweren Unwettern im vergangenen Jahr weit weniger hart betroffen als die Munich Re. Die deutlich kleinere Hannover Re meldete am Dienstag nur einen leichten Ergebnisrückgang auf 958 Millionen Euro nach 1,17 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Sogar die ab dem Herbst reduzierte Prognose von 800 Millionen Euro wurde so deutlich übertroffen.

Die Belastung durch Großschäden lag beim Konkurrenten zwar ebenfalls auf Rekordniveau, die veranschlagten 1,27 Milliarden Euro waren aber bei weniger als einem Drittel dessen, was die Munich Re bezahlen musste. Noch weniger waren es bei der Allianz, die geschädigten Kunden 1,1 Milliarden Euro überwiesen hat.

Arbeitsplatzabbau: Das Unternehmen streicht in der Zentrale und im Auslandsgeschäft in der Rückversicherung rund 900 Stellen. Vorstandschef Joachim Wenning will damit 200 Millionen Euro einsparen, wie er am Donnerstag in München bestätigte. Er hatte das „Transformationsprogramm“ intern im Februar angekündigt, aber keine Zahlen genannt. Etwa die Hälfte des Abbaus entfällt auf München, der Rest vor allem auf die USA. In der Rückversicherung und in Zentralfunktionen arbeiten rund 11.500 Menschen für den Konzern. In der Münchner Zentrale läuft laut Wenning seit drei Wochen ein sechsmonatiges Freiwilligenprogramm mit Abfindungen, für den Rest setzt die Münchener Rück auf Fluktuation und Altersteilzeit. Die Verwaltungskosten-Quote soll damit auf rund fünf von derzeit sechs Prozent sinken.

Was jetzt passiert

Wennings Schonfrist beendet: Der neue Konzernchef Joachim Wenning ist erst seit der Hauptversammlung seit Ende April im Amt. Für die oft langfristig angelegten Verträge, die zu den hohen Schadenzahlungen geführt haben, ist er nicht verantwortlich.

Diese Schonfrist ist ab sofort aber vorbei. Wenning muss zeigen, dass er den Konzern wieder in alte Gewinnzonen zurück bringen kann. Daran wird er künftig gemessen werden.

Bei den künftigen Verhandlungsrunden wird es für die Munich Re darum gehen, profitables und dennoch weniger riskantes Geschäft zu zeichnen. Bei den jüngsten Erneuerungsrunden – so heißen die Neuabschlüsse von Verträgen bei Rückversicherern – haben sich die Verantwortlichen der Munich Re von den jüngsten Verlusten im Geschäft unbeeindruckt gezeigt. Das Geschäftsvolumen erhöhte sich um 19 Prozent auf knappe zehn Milliarden Euro. Besonders großvolumige Verträge in den USA und in Australien wurden gezeichnet.

Auch grundsätzlichere Themen sind anzupacken. Zum einen muss er den digitalen Umbau des Traditionshauses rasch angehen. Zum wesentlichen Kapital eines Rückversicherers gehört Wissen und die Aufarbeitung von Daten. Da deren Menge in den vergangenen Jahren rasant gewachsen ist, muss nicht nur konsequent in Richtung Digitalisierung umgestellt, sondern auch radikal vereinfacht werden.

Zugleich muss Wenning die Kosten bei Munich Re runterkriegen. Das Haus gilt noch immer als in manchen Bereichen zu üppig aufgestellt im Vergleich zur Konkurrenz. Hier gilt es schneller und dynamischer zu werden. Wie das geht, macht im Moment ausgerechnet die viel gescholtene Tochter Ergo vor. Dort sind die internen Kosten zuletzt spürbar gesunken.

Dass Wenning auch bei der Rückversicherung kürzen will, machte er Anfang Februar in einem Interview im Intranet des Hauses deutlich. Sein Transformationsprogramm beinhaltet auch einen Jobabbau. Vor allem die Münchener Zentrale und die US-Tochter sollen betroffen sein.

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