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Jobkürzungen Warum in der gesamten Bankenbranche Stellen abgebaut werden

Die Deutsche Bank will bis zu 20.000 Stellen streichen. In der Branche kein Einzelfall. Doch die Bafin mahnt: Die Sparmaßnahmen der Banken reichen nicht.
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Die Zahl der Beschäftigten bei deutschen Banken und Sparkassen dürfte zukünftig weiter sinken. Quelle: AP
Deutsche Bank in Frankfurt

Die Zahl der Beschäftigten bei deutschen Banken und Sparkassen dürfte zukünftig weiter sinken.

(Foto: AP)

FrankfurtAls Ende April bekannt wurde, dass der Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank gescheitert ist, gab es zumindest von einer Seite erfreute Stimmen: Die Betriebsratschefs beider Banken und die Gewerkschaften begrüßten das Ende der Fusionsgespräche: „Ein guter Tag für die Deutsche Bank, ein guter Tag für die Commerzbank“, so der Vorsitzende der Gewerkschaft DBV, Stephan Szukalski.

Die Mitarbeiter hatten von Anfang an gegen eine Fusion rebelliert, befürchteten sie doch den Abbau einiger Zehntausend Stellen. Zugleich war den Beschäftigten beider Geldhäuser klar, dass sie nur vorübergehend aufatmen konnten.

Gut 80 Prozent der Mitarbeiter der Deutschen Bank sagten bei einer Umfrage des Betriebsrats, sie würden damit rechnen, dass auch ohne Commerzbank-Übernahme in den nächsten drei Jahren „viele Arbeitsplätze“ verloren gehen. Und das scheint sich angesichts der Umbaupläne bei der Deutschen Bank nun auch zu bewahrheiten.

John Cryan, Vorgänger von Christian Sewing an der Spitze von Deutschlands größter Bank, hatte bereits im Herbst 2017 signalisiert, dass das Geldhaus viele Jobs streichen müsse. „Die meisten Großbanken kommen mit der Hälfte an Angestellten aus“, sagte er damals mit Blick auf die Mitarbeiterzahl seines Hauses.

Im Finanzsektor entstehen zwar auch neue Jobs, bei erfolgreichen Finanz-Start-ups etwa. Doch die Einschätzungen der Bankmitarbeiter und des Ex-Bankchefs machen klar: Die Zahl der Beschäftigten bei deutschen Banken und Sparkassen dürfte zukünftig weiter sinken. Sie ist zwischen 1990 und Ende 2017 um 16 Prozent auf gut 597.000 zurückgegangen, zeigen Zahlen der Bundesbank.

„Aller Wahrscheinlichkeit nach kommt es zu weiterem Schrumpfen bei den Bankbeschäftigten“, sagt auch Michael Grote, Finanzprofessor an der Frankfurt School of Finance & Management. Es gebe einen starken Druck auf den Bankensektor.

Digitalisierung verstärkt Stellenabbau

Das Tempo beim Stellenabbau könnte sich sogar noch beschleunigen. Denn die Digitalisierung des Geschäfts sorgt etwa dafür, dass immer mehr Tätigkeiten automatisiert ablaufen – und weniger Mitarbeiter gebraucht werden. Vor allem aber müssen die Geldhäuser mit den anhaltend niedrigen Zinsen fertigwerden, die die Erträge im wichtigen Kredit- und Einlagengeschäft drücken. Sparzwänge sind die Folge.

Besonders deutlich zeigen sich die Sparbemühungen beim Filialabbau. Die Zahl der Geschäftsstellen ist zwischen 2005 und Ende 2017 um ein Drittel gefallen – von 44.000 auf gut 30.000. Die Gründe: Erstens besuchen immer weniger Kunden die Filialen, zweitens wollen die Geldhäuser so ihre Kosten drücken.

Der Finanzaufsicht Bafin reicht das allerdings nicht, sie verlangt weitere Einsparungen. „Da vermisse ich den gebotenen Rums, den wir in diesem Kontext in Deutschland einfach brauchen“, sagte Bafin-Chef Felix Hufeld im Mai.

Die Kostenbasis im deutschen Bankensystem sei seit der Finanzkrise „nicht um ein Jota“ gesunken, sondern sogar leicht gestiegen. „Das zeigt mir, dass der Druck immer noch nicht hoch genug ist“, so Hufeld. Druck müsse – nicht zuletzt auch durch die Aufsicht – weiter ausgeübt werden.

In der Tat ist die Deutsche Bank ertragsschwach – sowohl im Vergleich mit ausländischen Banken als auch mit der Konkurrenz auf dem Heimatmarkt. Ihre Kosten-Ertrags-Relation betrug 2018 fast 93. Das heißt, sie muss 93 Cent aufwenden, um einen Euro zu verdienen – ein sehr schlechter Wert.

Sparkassen und Volksbanken kommen im Schnitt auf knapp 66 bzw. 67. Die Onlinebank ING in Deutschland schaffte zuletzt eine Quote von 47. Die ING und andere Onlinebanken wie die DKB und die Smartphonebank N26, die rasant neue Kunden gewinnen, erhöhen daher den Druck auf die etablierten Geldhäuser noch weiter.

Mehr: Der Chef der Deutschen Bank will Zehntausende Jobs streichen und den Vorstand verkleinern. Der Aufsichtsrat könnte noch in dieser Woche abstimmen.

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1 Kommentar zu "Jobkürzungen: Warum in der gesamten Bankenbranche Stellen abgebaut werden"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • John Cryan im Herbst 2017: „Die meisten Großbanken kommen mit der Hälfte an Angestellten aus“
    Dafür musste er gehen, oder hatte er nicht die Kraft und den Mut zu handeln?
    Die immer komplexere Digitalisierung und KI werden die Transformation der Finanzbranche beschleunigen und den Großteil der beschäftigten Menschen ablösen. Das ist nicht schön, aber ein Kompetenz- und Konkurrenzthema.

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