JP Morgan im Umbau Banker sollen nur noch werktags arbeiten

Keine Arbeit am Wochenende, schnellere Beförderungen und effizientere Technik: JP Morgan will die Arbeitsbedingungen der eigenen Angestellten verbessern. Die Großbank verspricht sich davon größere Loyalität.
Probleme bei der Suche nach neuen Mitarbeitern hat JPMorgan nach eigenen Angaben nicht. Das Programm solle vor allem dabei helfen, Angestellte zu halten, so die Bank. Quelle: Reuters
Mitarbeiter halten

Probleme bei der Suche nach neuen Mitarbeitern hat JPMorgan nach eigenen Angaben nicht. Das Programm solle vor allem dabei helfen, Angestellte zu halten, so die Bank.

(Foto: Reuters)

New YorkJamie Dimon, der Chef von JP Morgan, hatte bereits im Interview mit dem Handelsblatt angedeutet, dass er nichts davon hält, seine Leute am Wochenende bis zum Umfallen arbeiten zu lassen. Jetzt macht die Bank Nägel mit Köpfen. In einem internen Telefon-Rundruf hat Carlos Hernandez, der Chef des „Global Banking“, ein Vierpunkte-Programm angekündigt, das vor allem jungen Leuten das Leben erleichtern soll.

Zum ersten werden die Mitarbeiter aufgefordert, sich so zu organisieren, dass sie am Wochenende zu Hause bleiben können. Ausnahme ist, wenn sie an laufenden Deals arbeiten. Dabei ist mit „laufend“ gemeint, dass der Endtermin wirklich sehr nah ist, etwa der Montagmorgen.

Der zweite Punkt ist, dass die Beförderungen in einzelnen Fällen beschleunigt werden können. Bisher dauert es in der Regel zwölf Jahre, bis sich jemand vom Analysten zum Managing Director hoch arbeitet. Künftig kann er oder sie den Weg im besten Fall schon in 8,5 Jahren zurücklegen. Dieses Programm ist allerdings für „Super-Stars“ vorgesehen. Die Bank legt kein Limit für diesen Personenkreis fest, aber offensichtlich soll er sehr überschaubar bleiben. Dieser Punkt war bisher schon in den USA in Kraft, soll aber künftig weltweit gelten.

Der dritte Punkt ist ein Programm, mit dem systematisch junge und erfahrene Kollegen in Kontakt gebracht werden und mehr Zeit miteinander verbringen. Offenbar hatten Berufsanfänger geklagt, nicht genug von den Erfahrungen der Älteren profitieren zu können.

Der vierte Punkt betrifft die Technik. Neue Apps sollen dafür sorgen, dass die Mitarbeiter ungebundener werden. Sie müssen dann nicht mehr im Büro warten, bis sie bestimmte Daten abrufen oder ausdrucken können. Sondern sie bekommen ihre Aufträge elektronisch geliefert und können sich zu Hause dran setzen. Damit ist natürlich noch weniger kontrollierbar, ob sie am Wochenende arbeiten oder nicht. Auf der anderen Seite erledigt sich damit aber jede Herumsitzerei im Büro, um Arbeitseifer unter Beweis zu stellen. Außerdem lässt sich die Abgrenzung von privater und beruflicher Zeit flexibler gestalten.

Die Bank hat nach eigenem Bekunden keine Probleme, gute Mitarbeiter zu bekommen. Sie stellt jedes Jahr nur rund drei Prozent der Bewerber ein. Das neue Programm soll vor allem dazu dienen, junge Leute zu halten und zu motivieren. In den letzten Jahren haben verstärkt Unternehmen wie Hedgefonds und Beteiligungsgesellschaften junge Leute nach den ersten Berufsjahren mit höheren Gehältern und der Aussicht auf weniger bürokratisches Arbeiten von Banken abgeworben. Die Banken wiederum haben das Problem, das in vielen Bereichen durch den Druck der Finanzaufsicht der bürokratische Aufwand noch wächst. Zusätzlich wollen viele besonders talentierte Absolventen lieber Unternehmen gründen oder in Start-ups arbeiten als zu einer Bank zu gehen.

MBA-Studenten stehen nicht mehr auf Investmentbanking
Platz 9: MIT Sloan
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Die MIT Sloan School of Management in Massachusetts ist eine der renommiertesten Wirtschaftsschulen der USA. An den Fakultäten lehrten namhafte Forscher wie die Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Samuelson, Franco Modigliani und Robert M. Solow. Zu den ehemaligen Studenten der Universität zählen Kofi Annan, Benjamin Netanjahu und William C. Ford. Alle drei sind keine Investmentbanker – und das scheint kein Zufall zu sein. Denn seit 2008 nimmt die Popularität des Investmentbanking beim MIT Sloan stark ab.

Popularitätsverlust*: 19.8 Prozent

*Popularitätsverlust des Investmentbankings von 2008 bis 2014, Quelle: FT Research

Platz 8: Stanford
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60 Kilometer von San Francisco entfernt liegt die Stanford University. Die private Hochschule ist eine der forschungsstärksten der Welt. Rund 30 Nobelpreisträger brachte Stanford hervor. Investmentbanker hingegen kommen immer seltener von der Stanford University.

Popularitätsverlust: 20 Prozent

Platz 7: Insead
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Die Insead Business School wurde 1957 gegründet und bietet interessierten Studenten die Möglichkeiten sich an den Fakultäten in Fontainebleau (Frankreich) und Singapur zu bilden. 2010 wurden in Abu Dhabi ein weiterer Campus eröffnet. Außerdem arbeitet Insead eng mit der Wharton School zusammen. Die MBA-Absolventen aus den drei Standorten meiden jedoch zunehmend das Investmentbanking. Seit 2008 hat sich die Zahl um mehr als ein Drittel verkleinert.

Popularitätsverlust: 31 Prozent

Platz 6: Booth University
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Die University of Chicago Booth School of Business ist die zweitälteste Business-Schule der USA. Gegründet wurde sie 1898. Aber auch in der Booth School sinkt das Interesse am Investmentbanking. Zahlreiche MBAs suchen immer öfter den Weg in Unternehmen abseits der Finanzbranche. Hoch im Kurs sind Tech-Konzerne wie Google und Amazon. Sie locken vor allem mit arbeitnehmerfreundlichen Arbeitsbedingungen.

Popularitätsverlust: 32 Prozent

Platz 5: Wharton University
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Der US-Industrielle Joseph Wharton hat mit der Wharton School in Philadelphia 1881 die erste Business School in den USA gegründet. Seitdem hat sich die Universität als einer der führenden Wirtschaftsschulen etabliert. Der altehrwürdige Ruf kann den Interessensschwund am Investmentbanking allerdings nicht kaschieren. Als Gründe dafür werden die hohe regulatorischen Einschränkungen im Investmentbanking, die zu langen Arbeitszeiten, der Sexismus in der Finanzbranche und der mangelnde gesellschaftliche Nutzen der Arbeit als Investmentbanker genannt.

Popularitätsverlust: 43 Prozent

Platz 4: Haas School of Business
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Die Haas School of Business ist die Wirtschaftsfakultät der Berkeley University in Kalifornien. Gegründet wurde sie 1898. Viele der MBAs auf der Haas School und anderen MBA-Schulen schrecken - neben den Arbeitsbedingungen - auch die milliardenschweren Verluste im Investmentbanking, die Skandale und die sinkenden Boni-Zahlung der vergangenen Jahre ab.

Popularitätsverluste: 44 Prozent

Platz 3: Columbia Business School
7 von 9

Nicht nur das Investmentbanking ist betroffen. Immer mehr Uni-Absolventen meiden auch andere Bereiche des Finanzwesens. So laufen etwa der Versicherungsbranche, den Fondsmanagements und Unternehmensberatungen die Talente davon. Besonders viele der begabten Studenten, die mit der Finanzbranche auf Kriegsfuß stehen, kommen von der Columbia Business School.

Popularitätsverlust: 45,6 Prozent

Andere Geldhäuser versuchen daher auch, das Leben für ihre Mitarbeiter leichter zu machen. Goldman Sachs zum Beispiel möchte ebenfalls die Wochenendarbeit eindämmen. Seit einiger Zeit veröffentlicht diese Bank auf ihrer Website auch Beiträge von Mitarbeitern, die über ihr Privatleben erzählen.

Das Programm von JP Morgan passt auch zu den Umfragen einer neuen Umfrage des Conference Board bei mehr als 600 Unternehmenschefs weltweit. Danach sind deren größte Sorgen, gute Mitarbeiter zu finden, zu halten und als künftige Top-Manager auszubilden.

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