JP Morgan, Wells Fargo, Citigroup, Bank of America Traumhafte Milliardengewinne – US-Banken profitieren vom Wirtschafts-Boom

Trotz Rekordgewinnen schwächelt bei vielen US-Banken der Anleihehandel. Für die Ergebnisse der Deutschen Bank ist das ein schlechtes Omen.
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Die US-Banken sind deutlich besser aus der Krise gekommen als die deutschen Institute. Quelle: AFP
New York Stock Exchange (NYSE)

Die US-Banken sind deutlich besser aus der Krise gekommen als die deutschen Institute.

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New York, FrankfurtDie US-Großbanken können dank der Steuerreform des US-Präsidenten Donald Trump Rekordergebnisse verzeichnen. Nach JP Morgan Chase, Wells Fargo und Citigroup hat am Montag auch die Bank of America ihre Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt und die Erwartungen der Analysten übertroffen.

Die Bank of America hat dank der US-Steuerreform und höherer Zinsen den Reingewinn um ein Drittel auf 7,2 Milliarden Dollar gesteigert. Damit habe die zweitgrößte US-Bank den höchsten Quartalsgewinn ihrer Geschichte erreicht, sagte Vorstandschef Brian Moynihan.

Dabei profitierte das Institut wie seine Wettbewerber vom Wirtschaftswachstum in den USA und einem guten Geschäft mit Privatkunden. Die US-Regierung hat die Unternehmensteuer Anfang des Jahres von 35 Prozent auf 21 Prozent gesenkt. Das hilft nicht nur den Banken, weil sie selbst weniger Steuern zahlen müssen. Es hilft auch den Kunden – allen voran den Unternehmen.

Dank der brummenden Konjunktur haben die Kunden weniger Probleme, ihre Kredite zu bedienen. JP Morgan und Bank of America etwa konnten daher auch ihre Rückstellungen für faule Kredite deutlich senken. Auch das Retailbanking läuft bei den meisten Banken besser als erwartet. Schließlich haben die meisten Menschen einen Job und zahlen auch als Privatpersonen weniger Steuern als zuvor.

Auch bei der Bank of America lief vor allem das Geschäft mit Verbraucherkrediten gut. Insgesamt steigerte das Haus seinen Zinsüberschuss um sechs Prozent auf 11,9 Milliarden Dollar. Die gesamten Erträge legten um vier Prozent auf 22,8 Milliarden Dollar zu.

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Angesichts der starken Ergebnisse sorgen sich einige Beobachter bereits, dass die Geldhäuser den Gipfel der Profite bald erreicht haben könnten. „Etwas Vorsicht ist durchaus angebracht“, warnt etwa Chris Beauchamp vom Broker IG.

Die Ergebnisse der US-Banken haben einen weiteren Schönheitsfehler: Bei den meisten lief der Anleihehandel deutlich schlechter als im Vorjahr. So schrumpfte bei der Bank of America das Ergebnis aus dem Handel mit festverzinslichen Wertpapieren um fünf Prozent – stärker als erwartet. JP Morgan hatte sogar ein um zehn Prozent niedrigeres Ergebnis aus dem Anleihehandel gemeldet.

Der Ertragsmix der US-Banken ist ein ungünstiges Omen für die Quartalszahlen der Deutschen Bank am 24. Oktober. Im Privatkundengeschäft sprudeln die Gewinne des Geldhauses weniger als bei den US-Rivalen, da die Margen im hart umkämpften Heimatmarkt traditionell gering sind.

Die Ertragslage des größten deutschen Kreditinstituts wird vom Firmenkundengeschäft und Investmentbanking geprägt. Allein aus dem Anleihe- und Devisenhandel stammte im ersten Halbjahr ein Viertel aller Erträge.

Und gerade dort zeigte die US-Konkurrenz überwiegend Schwächen. Bank of America und JP Morgan konnten Rückschläge im Anleihehandel zumindest teilweise mit Zuwächsen im Aktiengeschäft kompensieren. Bei der Deutschen Bank ist das Anleihegeschäft aber deutlich größer als der Aktienhandel.

Außerdem hat das Institut sein Aktiengeschäft, das sich ohnehin unterdurchschnittlich entwickelte, in diesem Jahr auch noch kräftig gestutzt. Kein Wunder, dass Analysten im Durchschnitt dort ein erneutes Ertragsminus erwarten.

Ähnlich düster sind die Prognosen für den dominierenden Anleihe- und Devisenhandel der Deutschen Bank. Dort haben die Auguren einen Ertragsrückgang von zwölf Prozent auf 1,36 Milliarden Euro einkalkuliert. Die eher skeptischen Analysten der britischen Barclays Bank befürchten gar einen noch stärkeren Rückschlag.

Etwas besser läuft es im Beratungsgeschäft: Die Bank gewann zuletzt einige Mandate für Börsengänge, etwa von Knorr Bremse oder dem chinesischen Hausgerätehersteller Haier. Für weitere Mandate, etwa den Börsengang der Mobilfunksparte des japanischen Technologiekonzerns Softbank ist das Institut im Gespräch. Die Einnahmen aus solchen Geschäften spielen aber keine so tragende Rolle wie für das Handelsgeschäft.

Unter dem Strich rechnen die Analysten für das dritte Quartal mit einem Vorsteuergewinn von 328 Millionen Euro, wie die Konsensschätzungen zeigen. Das entspräche einem Gewinnrückgang von etwa zwei Dritteln. Finanzvorstand James von Moltke hatte Ende September gesagt, er fühle sich mit den Analystenschätzungen recht wohl.

Wichtiger noch als die Erträge dürfte die Höhe der Kosten sein: Nachdem sich das Institut in der Vergangenheit schwer damit tat, seine Kostenziele zu erreichen, dürften sich die meisten Finanzexperten auf diesen Bilanzposten stürzen.

Analysten gehen davon aus, dass die bereinigten Kosten bei knapp 5,5 Milliarden Euro liegen. Von Moltke hatte angedeutet, dass die Bank auf 5,5 Milliarden Euro eher abrunden als aufrunden müsse. Wie groß diese Rundungsdifferenz aussehen wird, ist aktuell die Gretchenfrage der Bank.

Eines aber ist jetzt schon klar: Von den Rekordergebnissen ihrer US-Pendants kann die Deutsche Bank weiterhin nur träumen.

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