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Kanzlerin zu Besuch in Frankfurt Merkels mühsame Annäherung an die Finanzbranche

Die Bundeskanzlerin sagt Frankfurt im Kampf um Geschäfte nach dem Brexit Unterstützung zu. Doch ihr Auftritt in der Bankenmetropole überzeugt nicht alle.
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Merkel – „Ganz Deutschland profitiert vom Finanzplatz Frankfurt“

Frankfurt Viele Finanzmanager haben den Auftritt von Angela Merkel in Frankfurt herbeigesehnt. Vor rund 300 Finanzmanagern – darunter die Chefs von Deutscher Bank, Deka und Helaba – sprach die Kanzlerin am Dienstagabend an der Alten Börse im Stadtzentrum über „die Zukunft des Finanzplatzes Deutschland in Europa“.

Finanzminister Olaf Scholz hatte vergangene Woche bereits angekündigt, dass sich die Bundesregierung künftig stärker um den Finanzsektor kümmern will. Und nun hoffte die versammelte Finanzelite auf ein ähnliches Zeichen von Merkel.

Doch die Kanzlerin, die seit der Finanzkrise demonstrativ auf Distanz zur Geldbranche gegangen ist, tat sich damit sichtlich schwer. Sie sagte der Mainmetropole im Wettstreit um Geschäfte nach dem Brexit zwar grundsätzlich ihre Unterstützung zu. „Wir werden alles tun, um Hessen zu unterstützen, attraktive Rahmenbedingungen am Finanzstandort Deutschland zu ermöglichen.“

Doch das war dann auch schon Merkels klarste Aussage. Bei vielen anderen Themen blieb die Kanzlerin unkonkret oder schwammig – und enttäuschte damit viele Finanzmanager.

Eines der wichtigsten Themen für den Finanzplatz Frankfurt ist die Abwicklung von Derivategeschäften in Euro. Das sogenannte Euro-Clearing findet derzeit überwiegend in London statt, muss wegen des Brexits jedoch möglicherweise in die EU verlagert werden.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier hatte sich vor Merkels Auftritt dafür stark gemacht, das Euro-Clearing nach Frankfurt zu holen. Und was sagte Merkel? „Wir denken konstruktiv mit. Wir müssen uns auch noch mal mit den Kosten beschäftigen. Aber insgesamt leuchtet die Aussage ja ein.“

Das Publikum, um gute Stimmung bemüht, wertete das als Unterstützung und begann zu klatschen. Doch griffiger wurden Merkels Aussagen zum Euro-Clearing auch nach dem Applaus nicht. „Ich würde mal sagen: Die Logik spricht nicht dagegen – und den Rest machen die Fachleute“, sagte die Kanzlerin. „Aber politisch erklären kann ich das jedem, dass das Euro-Clearing in der Euro-Zone stattfindet – und dann ist Frankfurt natürlich der herausragende Ort.“

Einige Gäste waren von Merkels Aufritt enttäuscht. „Das war viel Blabla“, kritisierte ein Finanzmanager. Da habe er sich mehr erhofft. Der französische Präsident Emmanuel Macron hätte bei so einem Auftritt klar gesagt, dass er um das Euro-Clearing kämpfen werde, sagte ein anderer Teilnehmer. „Das hat Merkel nicht gemacht. Und das war schwach.“

Merkel: „Man kann nicht alle Tricks verraten“

Andere Finanzmanager erklärten, die Kanzlerin habe ihre niedrigen Erwartungen übertroffen. „Für ihre Verhältnisse war das doch ganz gut“, sagte einer. Es sei doch offensichtlich, dass Finanzen nicht Merkels Leib- und Magenthema seien.

Positiv hoben manche Finanzmanager hervor, dass Merkel zusagte, den Kündigungsschutz für Top-Banker zu lockern. „An dieser Regelung wird bereits gearbeitet“, erklärte die Kanzlerin.

Für viele ausländische Banken, die im Zuge des Brexits Personal von London nach Frankfurt verlagern wollen, ist das ein wichtiges Zeichen. Denn sie haben Angst, dass sie sich von hochbezahlten Managern sonst auch bei schlechten Leistungen oder Verfehlungen nicht trennen können.

Union und SPD hatten eine Lockerung des Kündigungsschutzes für Top-Banker bereits im Koalitionsvertrag vereinbart. Bisher ist jedoch unklar, ob und wann ein entsprechendes Gesetz in Kraft treten wird.

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Im Rahmen der Brexit-Verhandlungen will sich Merkel für einen geordneten Austritt Großbritanniens aus der EU einsetzen. „Wir wollen nicht, dass diese Verhandlungen scheitern. Wir können es aber auch nicht vollkommen ausschließen“, sagte Merkel. „Aber ich sage Ihnen zu: Wir werden mit aller Kraft und mit aller Kreativität an einem solchen Ergebnis arbeiten.“

Zu ihrer Verhandlungstaktik hielt sich die Bundeskanzlerin bedeckt. Man müsse Dinge, die scheinbar nicht zusammengehören, zusammendenken und auch Zweitrundeneffekte beachten. Und ganz wichtig: „Man kann jetzt auch nicht alle Tricks verraten.“

Für Frankfurt hatte Merkel Lob und Tadel parat. Der Finanzplatz sei attraktiv und im Wettbewerb mit anderen europäischen Städten um Geschäfte nach dem Brexit in einer guten Position, sagte Merkel. Aber auch andere Städte wie Mailand oder Madrid hätten sich gut entwickelt. Zudem müsse die deutsche Finanzbranche schneller und digitaler werden, forderte die Kanzlerin. „Nur mit den alten Fähigkeiten alleine wird es nicht gehen.“

Zudem ist Merkel der Ansicht, dass am Ende auch weiche Faktoren den Ausschlag geben, wohin Londoner Banken ihre Arbeitsplätze verlagern. „Ich freue mich zum Beispiel, dass Frankfurt auch interessante Architektur hat“, sagte Merkel. Und dann gab sie ihrem Gastgeber Theodor Weimer, dem Chef der Deutschen Börse, noch eins mit. „So eine Alte Börse ist schön, aber eben nicht das einzige.“

Am Ende ihres Vortrags merkte Merkel dann offenbar selbst, dass ihre Äußerungen insgesamt relativ verhalten ausgefallen waren – und rechtfertigte das mit ihrer Herkunft. „Ich bin Norddeutsche“, sagte die Kanzlerin. Euphorisches Lob sei nicht ihre Sache. „Das war für mich schon viel.“

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1 Kommentar zu "Kanzlerin zu Besuch in Frankfurt: Merkels mühsame Annäherung an die Finanzbranche"

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  • Würde die Kanzlerin wirklich den Banken und dem Standort Deutschland helfen wollen, würde sie folgendes tun - oder zumindest darauf drängen:

    EZB Einlagezins auf 0% erhöhen
    Die Regulierung stark zurückfahren auf ein vernünftiges Niveau

    Die Regulierung bereitet den Banken immense Kosten, bindet interne Ressourcen und schränkt deren Geschäftsfeld drastisch ein!

    Beispiel aus jüngster Vergangenheit: Ein Freund ruft mich an, er schließt einen Kreditvertrag mit der Bank, ob ich diesen durchlesen können. Das waren dann über 100 Seiten. Da war ich einfach zu faul - 100 Seiten liest keiner - das ist keine gute Regulierung - außer extrem hohen, unnötigen Aufwand und vielen toten, zu Papier verarbeiteten Bäumen bringt das nichts!

    Ein Investor mit hohen Beträgen ist gezwungen diese Seiten zu lesen, zusätzlich hat er auch noch das Risiko seiner Investition zu tragen und bei Gelingen hohe Steuern zu zahlen - das schreckt ab.

    Also entweder die Regulierung auf ein vernünftiges Maß reduzieren oder die Steuern reduzieren!

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