Kapitalerhöhung Commerzbank will den Staat rausschmeißen

Die Commerzbank plant eine Kapitalerhöhung. Damit will sie den Staat ausbezahlen und das Kernkapital aufbessern. Zudem will Bankchef Blessing den Investoren wieder eine Dividende zahlen. Doch die Aktie stürzt ab.
Update: 13.03.2013 - 15:57 Uhr 28 Kommentare
Das Logo der Commerzbank am "Gallileo-Hochhaus" in Frankfurt. Die Bank plant eine weitere Kapitalerhöhung. Quelle: dpa

Das Logo der Commerzbank am "Gallileo-Hochhaus" in Frankfurt. Die Bank plant eine weitere Kapitalerhöhung.

(Foto: dpa)

Martin Blessing kann die Witze nicht mehr hören. Im Bankenverband lästern sie über ihr zweitgrößtes Mitglied, das ja eigentlich dort nichts zu suchen habe, weil es zu einem Viertel keine Privat- sondern eine Staatsbank sei. Und auf einer Tagung der Sparkassen frotzelte kürzlich ein Vorstand: „Die Commerzbank hat das Trennbankensystem schon vollzogen: Hier Staatsbank, dort der Rest.“

Damit soll Schluss sein. Blessing will den Staat loswerden. Der Schritt, der dazu nötig ist, schmerzt allerdings: Mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung plant die Bank, die Stillen Einlagen des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) über rund 1,6 Milliarden Euro sowie der Allianz über 750 Millionen Euro vorzeitig zurückzuzahlen. Die Kapitalerhöhung mit einem Volumen von 2,5 Milliarden Euro soll von der Hauptversammlung der Commerzbank beschlossen werden, die auf den 19. April 2013 vorgezogen wird. Die Anleger reagierten schockiert.

„Die staatliche Unterstützung war immer als temporäre Lösung gedacht“, betonte Bankchef Martin Blessing in einer Telefonkonferenz. „Für uns ist der heutige Tag ein Wendepunkt. Jetzt sind wir eine ganz normale Bank, die einen größeren Aktionär hat.“ Zugleich bedankte er sich ausdrücklich für „die Unterstützung seitens der Politik und des Steuerzahlers.“ Das Kreditinstitut war 2008 während der Finanzkrise unter den Banken-Rettungsschirm geflüchtet.

Nach Durchführung der Transaktion wird der Anteil des Soffin voraussichtlich unter 20 Prozent von derzeit 25 Prozent sinken. Der Staat hat dann keine Sperrminorität mehr. Bislang konnte der Bund bei wichtigen Entscheidungen sein Veto einlegen.

Die Bundesregierung begrüßte den angekündigten Schritt. „Es ist erfreulich, dass die Commerzbank sich im Hinblick auf die zu erwartenden Anforderungen von Basel III am Kapitalmarkt langfristig anrechenbares Kernkapital beschafft“, erklärte das Bundesfinanzministerium in Berlin. „Mit dieser Rückzahlung und durch den infolge der Kapitalmaßnahme verringerten Aktienanteil des Bundes wird nachvollziehbar, aber marktschonend der Einstieg in den Ausstieg vollzogen.“ Dies sei ein wichtiger Schritt, um neue Investorenkreise zu gewinnen und das Vertrauen in das Geschäftsmodell der Commerzbank weiter zu stärken.

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28 Kommentare zu "Kapitalerhöhung: Commerzbank will den Staat rausschmeißen"

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  • Nix für ungut, aber die paar Leerverkäufe tun der Commerzbank auch nicht weh. Im übrigen sind Leerverkäufe alles Andere als risikolose Goldeseln (wie in der Springer-Presse gerne behauptet wird). Ich verstehe ja, daß in der mit der Materie nicht so befassten Masse Sprüche wie "Die Heuschrecken drücken die Preise", "Die Banken machen den Mais teuer" oder "Edelmetalle sind so billig/teuer weil JPMorgan den Kurs manipuliuert" en vogue sind, aber bei der CoBa sind Probleme hausgemacht. Da war man einfach zu optimistisch, was die Bewertung der - teils nicht gänzlich offensichtlichen - Risiken in der Dresdner betrifft. Da hätte man vielleicht besser hinsehen sollen. Aber wenn man 'mal Fehler macht, dann kommt auch meistens noch Pech (hier: sogenannte "Finanzkrise" 2008) dazu. Der Teufel schläft nicht, die "Euro-Schuldenkrise" gibt einem dann den Rest.
    Ich sehe das genau so wie Benutzer "Raus_mit_ihm", der vor mir schrieb, daß die neue Linie mit Fokus auf das Privatkundengeschäft bestimmt auch nicht zielführend ist. Meiner persönlichen Meinung nach ist beim Privatkundengeschäft gar nix zu holen, da ist der Markt beinhart. Die Konkurrenz (Großteils also die Sparkassen und die DB) ist im Filialbereich einfach zu stark und in Zeiten des allgegenwärtigen Internets gehen Sparfüchse ohne Filialbedarf zu DKB, DenizBank, ING und Co. Sinnvoll wäre es gewesen, den Privatkundenbereich zu verkaufen, beispielsweise an die DB. Klar, auch das wäre ein Imageschaden gewesen, aber man hätte sicher einen halbwegs fairen Preis herausschlagen können. Dann hätte man sich voll und ganz aufs Investmentbanking konzentrieren können, denn da sehe ich die Coba eigentlich besser aufgestellt. Aber so wird das nix mehr, mal gucken, ob's nächste Woche noch bezahlbare Puts mit Basis 10 gibt. Letzter Kommentar noch: Der Reverse-Split mit 10:1 ist meiner Meinung auch unglücklich, da ist man bald wieder einstellig. Auch wenn das nur eine psychologische Sache ist, 1:25 wäre besser gewesen, IMO.

  • Das Schlimme ist ja, dass Blessing mitten in der Krise ohne irgendeinen vernünfgigen Grund die marode Dresdner Bank von seinen Spezis aus der Allianz übernommen hat. Ich habe ihm damals via sein Vorzimmer ausrichten lassen, wenn er das in der Schweiz getan hätte, hätte ich gegen ihn ein Trafverfahren wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung (158 CH-StGB) eingeleitet, da es bereits seinerzeit völlig offensichtlich war, dass mit diesem Himmelfahrtskommando nur die Interessen der Allianz wahrgenommen wurden (und, ich vermute mal, auch Blessings eigene in Form eines schönen Kickbacks). Jedenfalls habe ich aus Blessings Vorzimmer vollkommen indiskutable Antwort erhalten, ich möge doch an die Qualität dieser Entscheidung glauben und es komme schon alles gut (sinngemäss). Im Prinzip gehört dem Mann auch in Deutschland ein Strafverfahren an den Hals und er selbst danach mit Schimpf und Schande fortgejagt, aber eben: Deutschland liegt nicht in meiner Zuständigkeit...

  • Die milliardenschweren Subventionen für den offensichtlich völlig unfähige Blessing und seine Commerzbank ist von vorne bis hinten konsequente DDR-Misswirtschaft. Danke Merkel!
    Minderleistung muß sich lohnen! Eine Richtschnur auch der F.D.P!

  • Rückgabe von Staatshilfen? Der Staat ist als (gepresster) Großaktionär weiterhin Eigenkapitalspender

    Die Stille Einlage der SoFFin ist ledigleich ein Teilbaustein der von der Commerzbank beanspruchten staatl. Subventionen.
    Allerdings ist die Stille Beteiligung in besonderer Weise ein Dorn im Auge des Vorstands. Dies, weil die Deckelung der Vorstandsvergütung davon abhängt, ob die Stille Einlage bedient werden kann.
    Mangels Ertragskraft ist es der Commerzbank hier nie gelungen, diese Deckelungsschwelle zu überwinden.
    Beharrlich setzte man im Vorstand daher alles daran, die ungeliebte "Stille Bonusbremse" zu demontieren. So konstruierte man schon zuvor "Rückzahlungen", die faktisch nichts anderes waren, als ein Umtausch in Aktien ( Von Aktien geht keine bonussperrende Wirkung aus).
    Die jetzt angekündigte Kaptitalerhöhung zeigt, dass der Vorstand weiterhin nicht auf Ertragskraft setzt, sondern als Geldquelle lieber "Aktien druckt".
    Für den Geldspender Staat kein Vergnügen:
    Was die eine Hand an Stiller Einlage zurückerhält, verliert die andere Hand als Aktionär durch Anteilsverwässerung.
    (Für seine 1,5 Mrd. Aktien zahlte der Staat im Schnitt je 3,50 Euro)

  • Aufpassen - Leerveräufe!

    Gebt unter bundesanzeiger.de einmal Commerzbank ein. Dort finden sich zwei Bekanntmachungen von Leerverkäufen. Einer vom 12.03.13 und einer vom 11.03.13 0,70% und 0,69% des Aktienkapitals. Beides durch Marshall Wace LLP. Für Leerverkäufe stehen überhaupt nur 17% des Aktienkapitals der Commerzbank zur Verfügung. Am 12ten gab es einen charakteristischen Einbruch heute auch. Mal sehen was morgen im Bundesanzeiger steht. Normalerweise werden 0,8% der Commerzbankaktien täglich gehandelt. Die leerverkauften Pakete können daher schon alleine für den Kurssturz verantwortlich sein und nicht die Ankündigung der Kapitalerhöhung an sich. Die Spekulation der Heuschrecke wird nur dann aufgehen, wenn sich die Aktionäre bange machen lassen. Ewig kann sie den Kurs nicht drücken, weil sie sich dafür nicht genügend Aktien leihen kann.



  • Kennt jemand hier den eigentlichen Hintergrund unternehmerischer Entscheidungen, die z.B zum Niedergang der Telekom führten ? oder Mannesmann ?

    Jeder zweitklassige Banker aus der "Holdman Robber-Sachs New York Ecke" hebt Commerzbank später aus dem Desaster.
    Der US Staat machte Profit bei seinen Bankbeleihungen, und wir ? Trulla-Wachtel versenkt Geld.

  • Der Blessing macht das doch nur um sich wieder die Taschen vollstopfen zu können. Der nimmt die Bank aus wie ne Weihnachtsgans - für miese Leistung.
    Was aus den Mitarbeitern wird ist dem scheissegal.
    Und Gewinn oder Dividende können die Aktionäre doch sowieso abschreiben. Das wird die nächsten Jahrzehnte nix mehr.
    Eher geht die Bank pleite und verschwindet von der Bildfläche - eigentlich traurig, war mal ne schöne, kleine, stabile Universalbank - bis die unfähigen Unternehmensberater in die Führungspositionen kamen.
    Da begann der Niedergang!!

  • Hab es gefunden:

    http://www.welt.de/wirtschaft/article113982471/Top-Bankerin-quittiert-Dienst-bei-Goldman-Sachs.html

    Etwas seltsam ist es ja schon.....

  • Oh, habe ich gar nicht mitbekommen. Interessenkonflikte bei der Dame? Wollte sie Goldman nicht zum Übernahmeangebot 0,50 EUR verhelfen? Hält sie etwa zu ihrem Gatten? Wäre ja mal interessant....
    Oder arbeitet sie jetzt als GF bei einer GmbH, die als Strohmann für die CoBa-Übernahme gegründet wurde?
    Wissen Sie zufällig mehr?

  • Hallo liebes Redaktion,

    >>> Soll es wirklich "das Commerzbank" heißen?

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