Kapitalerhöhungen Es droht eine Welle von Kapitalerhöhungen

Europas Unternehmen haben derzeit ein Liquiditätsproblem. Der Kapitalbedarf ist riesig, doch es gibt kaum noch Wege um an frische Finanzmittel zu kommen. Banker erwarten darum eine Vielzahl von Kapitalerhöhungen im kommenden Jahr. Auch der Staat könnte Finanzmittel beisteuern.
Die schwedische Großbank SEB plant eine Kapitalerhöhung. Foto: dpa Quelle: dpa

Die schwedische Großbank SEB plant eine Kapitalerhöhung. Foto: dpa

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FRANKFURT. Europa steht vor einer Welle von Kapitalerhöhungen. Die Not an Finanzmitteln zwingt Unternehmen dazu, über den Verkauf von Aktien an der Börse Geld einzusammeln. „Unternehmen laufen derzeit in ein Liquiditätsproblem hinein angesichts von fallenden Umsätzen bei teilweise hohen festen Kosten“, sagt Joachim von der Goltz, bei JP Morgan für Aktienemissionen in Deutschland verantwortlich. Nachdem im vergangenen Jahr das Emissionsgeschäft weltweit von Notkapitalerhöhungen der Banken geprägt war, dürften jetzt andere Branchen in den Vordergrund rücken.

Insgesamt erwartet Mark Pohlmann, Ko-Chef Investment-Banking der Schweizer UBS in Deutschland, in Europa im laufenden Jahr ein Volumen von rund 100 Mrd. Euro. Allerdings ist der Markt im Januar erst einmal langsam angelaufen. Nach Berechnungen des Finanzdatenanbieters Thomson Reuters wurden bislang über 21 Kapitalerhöhungen rund 1,5 Mrd. Euro platziert. Im schwierigen vergangenen Jahr war das Volumen in den ersten dreißig Tagen noch mehr als eine Mrd. Euro größer gewesen. Allerdings: Viele Manager müssten die neue, schwierige Finanzierungssituation erst begreifen, urteilt Andreas Bernstorff, Leiter Aktienkapitalmarktgeschäft der Citi in Deutschland. „Sie sind in der Realität noch nicht voll angekommen“, so der Experte. Seit September würden die Manager jedoch umdenken.

Aktuell plant die schwedische Großbank SEB eine Kapitalerhöhung, an der sich die Wallenberg-Finanzgruppe als Großaktionär maßgeblich beteiligen will. Informationen der Wirtschaftszeitung „Dagens Industri“ zufolge hat die Finanzspritze ein Volumen von mindestens 1,4 Mrd. Euro. Doch der Gang der Kreditinstitute zu den Aktionären dürfte eine Ausnahme bleiben. Zwar wird der „Kapitalbedarf der großen Banken noch zunehmen“, sagt Andreas Schreiber, Managing Director bei der Privatbank Lazard, da weitere Verluste drohten und die aufsichtsrechtlichen Anforderungen zunähmen. Doch schon im vierten Quartal 2008 seien zwei Drittel der Mittel für Kapitalerhöhungen vom Staat gekommen. Dieser Anteil dürfte sich künftig noch erhöhen.

Ganz anders sieht es bei börsennotierten Unternehmen aus. Für sie bleiben Kapitalerhöhungen oft ein wichtiger Ausweg, um an frische Finanzmittel zu kommen. So will sich der Schweizer Bergbaukonzern Xstrata über eine Kapitalerhöhung frisches Geld beschaffen und mit dem Milliardenbetrag Schulden abbauen sowie den Kauf eines Kohlevorkommens in Kolumbien bezahlen. „Der Refinanzierungsbedarf entsteht durch das Auslaufen von einem viele Milliarden schweren Markt für Commercial Papers in Europa, die eine Refinanzierung von maximal einem Jahr bieten“, sagt Bernstorff. Dazu kämen noch Eurobonds und syndizierte Kredite, die sich ihrem Laufzeitende näherten, ergänzt der Banker.

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