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Kapitalmarktprognose 2020 Banken-Ökonomen schwören Anleger auf harte Zeiten ein

Die Volkswirte der Landesbanken rechnen mit einer schwachen Weltkonjunktur und dauerhaft negativen Zinsen. Anlageentscheidungen fallen immer schwerer.
1 Kommentar

„Wir sind skeptisch, ob die Geldpolitik noch eine Wirkung hat“

Frankfurt Eine schrumpfende oder stagnierende Wirtschaft und dauerhaft negative Zinsen: Mit diesem für Anleger ungünstigen Umfeld rechnen die Volkswirte der öffentlichen Banken im kommenden Jahr. Das geht aus der am Mittwoch veröffentlichten Kapitalmarktprognose des Verbands Öffentlicher Banken (VÖB) hervor. Unter dem Dach des Verbandes sind die Institute Deka, DZ Bank, Helaba, Bayern LB, LBBW, die Hamburg Commercial Bank und die NordLB zusammengeschlossen.

Grund für den Pessimismus der Kapitalmarktstrategen sei die wachsende Unsicherheit weltweit, sagt etwa Ulf Krauss, Anleiheexperte der Helaba. „Die politischen Risiken übertragen sich zunehmend auf die Weltkonjunktur. Der globale Handel zeigt deutliche Anzeichen von Schwäche.“

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Besonders pessimistisch blickt Sintje Boie, Volkswirtin der Hamburg Commercial Bank (HCOB) in die Zukunft. Sie erwartet im vierten Quartal ein leicht sinkendes Bruttoinlandsprodukt in Deutschland.

Da die deutsche Wirtschaft bereits im dritten Quartal geschrumpft sein dürfte, befindet sich Deutschland bereits jetzt in einer leichten Rezession. „Vor allem der Industriesektor leidet unter den Handelsspannungen und der damit einhergehenden Eintrübung der Weltwirtschaft“, sagt Boie.

Ähnlich pessimistisch wie die HCOB ist die Deka. Auch Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater erwartet im vierten Quartal ein schrumpfendes Wirtschaftswachstum und nur eine leichte Erholung der deutschen Wirtschaft Anfang 2020. „Es fehlt die dynamische Nachfrage aus China und anderen Schwellenländern“, sagt Kater.

Mit einem Mini-Wachstum von 0,1 bis 0,3 Prozent gehören die Bayern LB und die Helaba noch zu den Optimisten unter den öffentlichen Banken.

Für 2020 sind die Ökonomen jedoch vorsichtig optimistisch: Im kommenden Jahr erwarten die Ökonomen zwischen 0,3 und 1,2 Prozent Wachstum.

Dass die Inflation in Deutschland und der Eurozone durch dieses Wachstum angeschoben wird und die Europäische Zentralbank ihrem Inflationsziel von zwei Prozent in der Eurozone näherkommt, halt die Experten jedoch für unrealistisch. Für die Eurozone erwarten sie Inflationsraten zwischen 1,2 und 1,6 Prozent.

Dauerhaft Negative Zinsen

Das bedeutet auch: Eine Wende in der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ist nicht abzusehen. Der EZB-Einlagenzins von minus 0,5 Prozent dürfte nicht steigen und auch das neu aufgelegt Anleihekaufprogramm dürfte die Renditen für Staatsanleihen in der Eurozone weiter drücken.

In den kommenden zwölf Monaten dürfte sich die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe zwischen minus 0,4 und minus 0,6 Prozent einpendeln.

Kurzfristig könnte sie sogar nochmals unter das aktuelle Niveau von minus 0,5 Prozent fallen. „Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen dürfte sich daher zumindest zeitweise wieder den historischen Tiefstständen annähern“, erwartet Helaba-Ökonom Krauss. Das Allzeittief markierte die zehnjährige Bundesanleihe im August 2019 bei rund minus 0,75 Prozent.

Nach Ansicht der HCOB könnten diese Allzeittiefs noch unterschritten werden und im vierten Quartal auf 0,85 Prozent fallen. Die Ökonomen sind sich einig: „Das blutleere Wachstum der Industrieländer wird noch geraume Zeit anhalten und die Zinsen werden entsprechend niedrig bleiben.“

Erschwerte Anlageentscheidungen

Für die Anleger sind das schlechte Nachrichten: Auch aus sicheren Anlagen wie Staatsanleihen oder Bankeinlagen sind weiterhin keine positiven Erträge zu erwarten. „Angesichts der Quasi-Abschaffung des positiven Zinses kann es nicht überraschen, dass die Sparer nicht gut auf die Geldpolitik der EZB zu sprechen sind“, sagt Krauss.

Die Ökonomen schwören die Anleger auf harte Zeiten ein. Die Suche nach Anlagealternativen bleibe schwierig. „In einer zunehmend unübersichtlichen Welt sind Investoren gezwungen, sich in unbekanntes Terrain zu
Begeben“, so Krauss.

Zudem würden Anlageentscheidungen durch verzerrte Preise etwa bei Aktien, Anleihen und Immobilien erschwert. „Die weltweiten Ankaufprogramme der Notenbanken haben hier Spuren hinterlassen.“

Mehr: Es gibt viele Warnsignale für die Aktienmärkte aus Wirtschaft und Politik, die Investoren nervös machen. Aber Börsenexperten glauben daran, dass die Konjunktur wieder anspringt.

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1 Kommentar zu "Kapitalmarktprognose 2020: Banken-Ökonomen schwören Anleger auf harte Zeiten ein"

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  • Wieso schwere Zeiten für Anleger,
    harte und schwere Zeiten für Banken ist doch wohl richtiger, oder?