Kirch-Prozess Haftstrafen für Ex-Chefs der Deutschen Bank gefordert

Im Strafprozess gegen fünf ehemalige Top-Banker der Deutschen Bank fordert die Staatsanwaltschaft mehrjährige Haftstrafen. Nur der noch amtierende Co-Chef des Instituts, Jürgen Fitschen, soll glimpflich davonkommen.
Update: 12.04.2016 - 15:49 Uhr
Die Staatsanwalt will die Zentral der Deutschen Bank nochmals durchsuchen lassen. Quelle: dapd
Deutsche Bank soll wieder durchsucht werden

Die Staatsanwalt will die Zentral der Deutschen Bank nochmals durchsuchen lassen.

(Foto: dapd)

MünchenIm Prozess wegen versuchten Prozessbetrugs will die Staatsanwaltschaft München die früheren Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann und Rolf Breuer hinter Gitter bringen. Der noch bis Mitte Mai amtierende Co-Chef des Instituts, Jürgen Fitschen, solle zu einer Bewährungsstrafe mit Geldauflage verurteilt werden, forderte Staatsanwalt Stephan Necknig am Dienstag in seinem Plädoyer vor dem Landgericht München.

Breuer solle dreieinhalb Jahre, Ackermann zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Fitschen solle eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten erhalten und zwei Millionen Euro zahlen. Sie hätten versucht, im Schadenersatzprozess des Medienunternehmers Leo Kirch die Justiz zu täuschen und sich damit des versuchten schweren Betrugs schuldig gemacht, sagte der Staatsanwalt.

Cryan ist der neue starke Mann
Die Vorstandschefs der Deutschen Bank
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Hermann Josef Abs (1957-1967, oben links): Der gelernte Banker handelt in den 50er Jahren das Londoner Abkommen über deutsche Auslandsschulden aus. Ministerangebote von Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) schlägt er aus. Als Aufsichtsratsvorsitzender von zeitweise bis zu 30 Aktiengesellschaften erlangt Abs später enormen wirtschaftlichen Einfluss in der Bundesrepublik.

Franz Heinrich Ulrich (1967-1976) und Karl Klasen (1967-1969): Die erste Doppelsitze besteht, bis Klasen 1970 Präsident der Bundesbank wird. Ulrich setzt sich gegen den „Ausverkauf“ der deutschen Wirtschaft ins Ausland ein. Die Deutsche Bank übernimmt etwa 29 Prozent des Grundkapitals der Daimler-Benz AG von der Familie Flick.

John Cryan (Seit Juli 2015)
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Anfang Juli löste der Brite John Cryan zunächst Anshu Jain in der Doppelspitze mit Jürgen Fitschen ab. Seit Mai 2016 führte er die Deutsche Bank allein. John Cryan war von 2012bis 2014 Präsident Europa von Temasek, dem Staatsfonds Singapurs. Von 2008 bis 2011 war er Finanzvorstand der UBS. Er hatte die Bank als Finanzchef durch die Krise nach der Lehman-Pleite geführt. Als klar war, dass der damalige Chef Oswald Grübel den heutigen CEO Sergio Ermotti befördern würde, trat Cryan bei der Schweizer Großbank „aus persönlichen Gründen“ zurück. Seit 1987 hatte Cryan verschiedene Funktionen im Corporate Finance-Geschäft und in der Kundenberatung von UBS und SG Warburg inne. Er verfügt über einen Abschluss der Universität Cambridge.

Anshu Jain und Jürgen Fitschen (2012-2015/16)
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Jain (l.) verdiente jahrelang als oberster Investmentbanker Milliarden für die Deutsche Bank. Viele Probleme des Hauses haben ihre Wurzeln in der von ihm geführten Sparte. Fitschen musste sich im Strafprozess vor dem Landgericht München gegen den Vorwurf des versuchten Prozessbetrugs im Schadenersatz-Verfahren um die Kirch-Pleite wehren. Mittlerweile ist er Senior Advisor der Bank, Aufsichtsratsvorsitzender des Handelsunternehmens Ceconomy und sitzt im Verwaltungsrat von Kühne & Nagel in der Schweiz. Fitschen leitet außerdem ab dem Frühjahr 2018 den Aufsichtsrat des Dax-Konzerns Vonovia.

Josef Ackermann (2002-2012)
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Der Schweizer polarisiert wie kaum ein anderer Bankmanager. Im Mannesmann-Prozess zeigt er 2004 im Gerichtssaal das Victory-Zeichen, 2005 streicht er tausende Stellen und verkündet zugleich ein Renditeziel von 25 Prozent. Die Deutsche Bank wird unter Ackermann eine weltweit führende Investmentbank, er steuert sie ohne Staatshilfen durch die Finanzkrise.

Rolf-Ernst Breuer (1997-2002)
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Als „Mister Finanzplatz“ baut er Frankfurt zu einem internationalen Finanzstandort aus. Ein Rückschlag ist 2000 die gescheiterte Fusion mit der Dresdner Bank. Später äußert sich Breuer kritisch zur Kreditwürdigkeit Leo Kirchs. Der Medienkonzern bricht zusammen, der Unternehmer verklagt Breuer und die Deutsche Bank. Eine juristische Dauerfehde beginnt.

Hilmar Kopper (1989-1997)
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Kopper baut das Investmentbanking aus und richtet die Bank zunehmend international aus. Eine der größten Pannen ist der Crash des Immobilien-Imperiums von Jürgen Schneider. Aus Koppers Bemerkung, offene Rechnungen in Höhe von 50 Millionen Euro seien „Peanuts“, wird das Unwort des Jahres 1994.

Alfred Herrhausen (1985-1989)
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Der Politikwissenschaftler will die Deutsche Bank zu einem Institut mit Weltstatus umbauen. Er fädelt große Übernahmen anderer Geldhäuser ein. Das „Allfinanz“-Konzept (Finanzprodukte aus einer Hand) wird zum Vorbild für andere deutsche Banken. Herrhausen kommt 1989 durch ein Attentat der RAF ums Leben.

Zuvor hatte Richter Peter Noll den Angeklagten allerdings Hoffnungen auf Freisprüche gemacht. Mit überraschend deutlichen Worten wies Noll die Vorwürfe der Anklage zurück und kritisierte die Staatsanwaltschaft scharf, als diese einen Antrag zur Beschaffung weiterer Beweismittel gestellt hatte. Die Anklagebehörde hatte überraschend einen Antrag auf eine Untersuchung des Geldinstituts gestellt. Noll sagte aber, in der seit fast einem Jahr laufenden Gerichtsverhandlung hätten sich keine Belege für die Anklage wegen versuchten Prozessbetrugs ergeben. Ein Urteil wolle er am Dienstag allerdings noch nicht sprechen.

Ziel der geforderten Untersuchung war es, von der Bank in Auftrag gegebene Gutachten über den Vergleich zwischen dem ehemaligen Vorstandssprecher Rolf-E. Breuer und dem Institut zu erhalten. Mehrfach habe die Behörde bei der Deutschen Bank versucht, diese Unterlagen zu erhalten oder zumindest eine Zusicherung vom Aufsichtsrat, dass in ihnen keine neuen Tatsachen über den Fall drin stehen, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Antrag verärgerte die Verteidigung
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