Kirch vs. Deutsche Bank Das teuerste Interview aller Zeiten

Den Tag wird der damalige Deutsche-Bank-Chef Breuer nie vergessen. In einem Interview hatte er die Kreditwürdigkeit von Leo Kirch angezweifelt. Jetzt ist klar: Diese Äußerung wird die Bank wohl 800 Millionen Euro kosten.
Update: 13.02.2012 - 15:36 Uhr 30 Kommentare
Erbitterte Gegner: der inzwischen verstorbene Medienunternehmer Leo Kirch (l.) und Rolf Breuer, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, vor dem Oberlandesgericht in München. Quelle: dpa

Erbitterte Gegner: der inzwischen verstorbene Medienunternehmer Leo Kirch (l.) und Rolf Breuer, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, vor dem Oberlandesgericht in München.

(Foto: dpa)

MünchenLeo Kirch war ein Freund der klaren Worte. „Erschossen hat mich der Rolf“, sagte der Medienunternehmer - und zielte damit auf den ehemaligen Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer. Kirch behauptete bis zu seinem Tod, dass ein Interview, das Breuer der Nachrichtenagentur Bloomberg gegeben hatte, für den Zusammenbruch seines Medienimperiums verantwortlich gewesen sei. „Was man alles lesen und hören kann, ist, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“, sagte Breuer damals über Leo Kirch.

Mit dieser Aussage aus dem Jahr 2002 hat Breuer das wahrscheinlich teuerste Interview der Welt gegeben.

Wie das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen erfuhr, haben sich die Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch und die Deutsche Bank jetzt auf einen Vergleich in ihrem milliardenschweren Streit um die Pleite des Kirch-Konzerns im Jahre 2002 geeinigt. Demnach soll Deutschlands größtes Geldhaus der Kirch-Seite über 800 Millionen Euro zahlen. Geht alles glatt über die Bühne, geht der Betrag jeweils zur Hälfte an den Insolvenzverwalter Michael Jaffé und die Kirch-Familie einschließlich Stiftung, hieß es heute in Verhandlungskreisen. Über das Wochenende trafen sich die Parteien, um Einzelheiten abzustimmen. Im Gegenzug sind damit alle Schadenersatzforderungen für das größte deutsche Geldhaus erledigt.

Die Bank wollte die Berichte auf Anfrage des Handelsblatts nicht kommentieren. Die Anwälte der Kirch-Seite waren ebenso wie das Oberlandesgericht München (OLG) zunächst nicht erreichbar. Der Vorstand der Deutschen Bank muss dem Vergleich auf seiner nächsten Sitzung am Dienstag noch zustimmen.

Kirch-Insolvenzverwalter Michael Jaffé wollte sich gestern nicht zu der Einigung äußern. Im Verhandlungsumfeld geht man davon aus, dass die Insolvenzverwaltung stets über die Gespräche infomiert war. Schließlich können sich die Gläubiger auf einen Geldsegen freuen: Nach Informationen des Handelsblatts soll die Hälfte der Vergleichssumme an den Insolvenzverwalter fließen. Damit dürfte die Auszahlungsquote im Fall Kirch deutlich steigen. Bislang waren 16 Prozent der anerkannten Forderungen in Höhe von vier Milliarden Euro beglichen worden. Dies war bereits eine Quote, die deutlich über dem Schnitt bei Insolvenzen in Deutschland lag. Zudem dürfte die Einigung zwischen der Kirch-Seite und der Deutschen Bank das Insolvenzverfahren verkürzen, da der Streit einer der wichtigsten noch offenen Punkte war.

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30 Kommentare zu "Kirch vs. Deutsche Bank: Das wohl teuerste Fernsehinterview aller Zeiten"

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  • Es ist eine Justiz-Skandal.
    Die Pleite von Kirch hat Anleger bereits Milliarden durch entgangene Gewinne gekostet.

    Jetzt erhalten die Kirch-Erbe weitere 400 Millionen Euro aufgrund einer Dolchstoßlegende. Kirch hat nicht mals 16% seiner Schulden begliechen!!!
    Die Schuld liegt nicht bei Breuer sondern bei dem skandalösen Verhalten des Gerichts.
    Münchner Gerichte sind befangen.

    Anleger werden enteignet.

  • Es ist einen Riesen-Skandal für die Deutsche Justiz.
    Schlimmer als bei der amerikanischen Justiz, wenn eine Frau 1 Million Euro erhält, wenn Sie Ihren Katz in dem Mikrowelllen Ofen gesteckt hat.

    Kirch war pleite. Jeder wußte das. Bis jetzt sind nicht 16% der Schulden von Kirch begliechen: die Situation von Kirch war viel schlimmer als di Situation von Griechenland jetzt.

    Muss die Deutsche Bank für die Heizungskosten im Winter bezahlen, wenn am 15. November die Deutsche Bank sagt, dass man auf Winter zusteuert?

  • Breuer hat sicherlich einen Fehler gemacht. Aber ich frage mich auch, wie solide war ein Unternehmen aufgestellt, wenn eine einzige solche Aussage den Untergang bedeutet. Vielleicht hat Breuer auch nur einen noch gewaltigeren Crash verhindert.

  • Eliten-Nieten in Vorständen

    Die Unprovessionalität und Naivität von Herrn Breuer ist keine Einmaligkeit in den schienbaren "Eliten-Zirkeln".

    Offensichtlich sind die Auswahlkriterien für solche Funktionsbesetzungen schlechter als die für einfache Sachbearbeiter in jedwegem Gewerbe.

    Und das setzt sich fort in der Bereitstellung ebensolcher "Eliten-Nieten" in der Politik.

    Beinahe jeder Sachbearbeiter hat hier höhere Qualifikationen und Kompetenzen. Es sollte letztlich darauf hinaus laufen, dass sich die Fähigen in diesem Land (bitte ohne die derzeitigen "Eliten"!) an die Macht setzen

    hofft

    sagbar

  • ... mit anschließendem ...

  • Richtig: Es müsste eine Totalenteignung mit anschließenden Berufsverbot geben. Sollte er dann versuchen, in einer Firma anzuheuern, um deren korruptem Management Vorteile zu verschaffen - einfach zehn Jahre Knast.

    Aber bevor so etwas geschieht, kommt ein geisteskranker Politiker auf die Idee, das verlorene Geld unter dem öden Vorwand, die Bank müsse gerettet werden - zugunsten der Einleger (höhöhö!), zu sichern, um in Wahrheit die reichen Industriellen und Konsorten zu schützen, die die Einleger zuungunsten der Masse darstellen, der Masse, die sie zuvor schon unter Gesetzen ausgebeutet haben, die wahnsinnige Politiker mithilfe der Staats-Beamten für ebendiese Gruppen verabschiedet haben.

    Ganz nach dem Motto: Freiheit (für die Hyperreichen) bedeutet, wenn die anderen (die Bürgen, entschuldigen Sie bitte meinen Fehler: die Bürger!) geknechtet werden!

  • Peanuts!

  • Die DB wäre gut beraten, Herrn Breuer schadensersatzpflichtig zu machen, egal was dabei rauskommt! Auch darf dieser Deal mit den Kirch-Erben zu keinen Einbußen in der Dividende führen

  • Sehr richtig joe.by, zumal bei uns alle Vorstände in der Zwischenzeit eine von ihrem Arbeitgeber bezahlte Versicherung haben. D.h., dass Vorstände bei uns keinerlei unternehmerisches Risiko tragen. Nicht nur deshalb, sondern auch zum Schutz der Aktionäre gehört hier dringend sowohl ein Mitspracherecht als auch eine gesetzliche Regelung her, die diese Bezüge zumindest eingrenzt.

  • 800 Mio. verloren - Bonus trotzdem gezahlt?

    Die unbedachte Aussage des Vorstandes der Deutschen Bank wird das Institut wohl 800 Mio. Euro kosten. Ich nehme an, dass in dem Jahr dieser Äußerung dem Vorstand wohl der übliche großzügige Bonus für seine außergewöhnlichen "Verdienste" gutgeschrieben wurde.

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