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Klage von Großinvestoren Devisenskandal droht die Großbanken wieder einzuholen

Einige der einflussreichsten Vermögensverwalter verklagen die mächtigsten Banken der westlichen Welt. Einer der größten Manipulationsskandale geht in die Verlängerung.
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Jeden Tag Punkt 16 Uhr werden beim sogenannten Londoner Fixing die Wechselkurse für die wichtigsten Weltwährungen festgelegt. Quelle: dpa
Londoner Finanzdistrikt

Jeden Tag Punkt 16 Uhr werden beim sogenannten Londoner Fixing die Wechselkurse für die wichtigsten Weltwährungen festgelegt.

(Foto: dpa)

Frankfurt Ein bisschen mehr Mühe hätten sich die Beschuldigten schon geben können, um ihr Treiben zu verbergen. Die Chatrooms, in denen sich die Händler einiger Großbanken über Jahre hinweg verabredet haben sollen, um die Kurse am Devisenmarkt zu manipulieren, trugen Namen wie „das Kartell“, „die Mafia“ oder „Banditen Club“.

Die Protokolle und Telefonaufnahmen ihrer Unterhaltungen enthüllen nach Meinung der Aufseher, wie die Trader den Währungsmarkt von 2007 bis 2013 systematisch manipuliert haben. Sie sollen Kurse künstlich in die Höhe getrieben haben. Und sie sollen eigene Wetten auf die manipulierten Kurse abgeschlossen haben, indem sie Insiderwissen darüber, wann Kunden kauften, ausnutzten: Sie setzten einfach selbst auf die erwartete Kursbewegung. „Front Running“ heißt das im Fachjargon, und es erfüllt den Tatbestand der Marktmanipulation.

Jetzt droht der Großskandal die Banken wieder einzuholen. Die Manipulationsaffäre, welche die Geldhäuser bereits Milliarden gekostet hat, könnte noch einmal ein gutes Stück teurer werden. Eine Gruppe der weltweit wichtigsten Vermögensverwalter verklagt 16 internationale Großbanken auf Schadensersatz. Nach Informationen des Handelsblatts geht es dabei um einen einstelligen Milliardenbetrag.

Zu den Klägern zählt der weltgrößte Fondsanbieter Blackrock genauso wie der Versicherer Allianz, die norwegische Zentralbank, der Pensionsfonds der kalifornischen Lehrer und die Hedgefonds Brevan Howard und Blue Crest.

Auf der Seite der Beklagten stehen große US-Banken – von Citi über JP Morgan bis hin zu Morgan Stanley und Goldman Sachs. Dazu kommen europäische Institute wie Barclays, UBS, die Royal Bank of Scotland, HSBC, BNP Paribas und die Deutsche Bank.

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„Durch betrügerische Absprachen haben die Beklagten den Handel beeinträchtigt, den Wettbewerb behindert und die Preise künstlich erhöht und damit den Klägern geschadet“, heißt es in der 227 Seiten langen Klageschrift, die die Kanzlei Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan am 7. November beim Gericht im Southern District of New York eingereicht hat.

Es ist ein Skandal der Superlative. Über zehn Aufsichtsbehörden weltweit haben die Affäre untersucht, teilweise laufen die Ermittlungen noch immer. Um die Vorwürfe vom Tisch zu bekommen, mussten 13 Banken zehn Milliarden Dollar für Vergleiche mit Behörden ausgeben. Auf die offiziellen Ermittlungen folgten zivile Sammelklagen von Investoren und Unternehmen, die sich durch die Manipulationen geschädigt fühlen. Bislang bezahlten 15 Institute 2,3 Milliarden Dollar an die Kläger.

Die Vermögensverwalter hinter der neuen Klage hielten sich aus den Zivilverfahren bislang heraus, weil sie hoffen, dass sie mit einem eigenen Prozess mehr Geld für ihre Kunden herausholen können. „Um die Interessen unserer Kunden zu schützen, müssen wir die beschuldigten Banken verklagen, sonst würden wir uns juristisch selbst angreifbar machen“, heißt es bei einem der Kläger.

Winzige Änderungen entscheiden über Milliarden

„Als Treuhänder treten wir den anderen Klägern in diesem Fall bei, um die Interessen unserer Klienten zu schützen“, teilt Blackrock mit. Dieser juristische Fall beziehe sich auf die gleichen Anschuldigungen und Beweise wie die früheren zivilen Sammelklagen, die die Banken bereits Milliarden kosteten.

Die Vermögensverwalter und ihre Anwälte werfen den Banken vor, dass sie die Kurse am Devisenmarkt, wichtige Fixings sowie Kauf- und Verkaufskurse systematisch manipuliert haben, um ihre eigenen Gewinnchancen zu verbessern. Über fünf Billionen Dollar werden Tag für Tag am Devisenmarkt bewegt. Der Handel läuft 24 Stunden am Tag rund um den Globus, und die Kurse werden bis auf die vierte Nachkommastelle berechnet, den sogenannten Pip. Angesichts des enormen Volumens können schon winzige Änderungen über millionenschwere Gewinne oder Verluste entscheiden.

Durch betrügerische Absprachen haben die Beklagten die Preise künstlich erhöht. Klageschrift, Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan

Die Kurse ändern sich im Sekundentakt. Weil aber Unternehmen und Investoren einen festen Maßstab brauchen, um ihre Devisengeschäfte bewerten zu können, gibt es das Londoner Fixing. Jeden Tag Punkt 16 Uhr werden die Wechselkurse für die wichtigsten Weltwährungen festgelegt.

In einem schmalen Zeitfenster 30 Sekunden vor und 30 Sekunden nach vier Uhr nachmittags zeichnete bis 2015 ein Dienstleister die Preise auf, zu denen die Banken gerade Euro, Dollar, Yen oder Franken kauften und verkauften, und errechnete den Durchschnitt. Diese Minute war für Devisenhändler die lebhafteste Zeit des Tages, und sie entschied maßgeblich darüber, wie viel die Banken mit ihrem Geschäft verdienten.

Die Behörden warfen den beschuldigten Banken vor, dass ihre Händler, die in den einschlägigen Chatrooms unter Pseudonymen wie „Robocop“ oder das „Fossil“ auftraten, aggressive Wetten platzierten, um die Kurse zum Fixing in eine bestimmte Richtung zu bewegen – zu ihrem Vorteil und zum Nachteil ihrer Kunden. „Banging the Close“, heißt diese Praxis auf Englisch. Inzwischen ist die Zeitspanne für das Londoner Fixing von einer Minute auf fünf Minuten ausgeweitet worden. Das soll es schwieriger machen, den Markt zu manipulieren.

Auch die Deutsche Bank ist betroffen

Aber bei den Vorwürfen gegen die Banken geht es nicht nur um das Fixing um 16 Uhr. In der Klageschrift findet sich auch ein Vorwurf, in den die Deutsche Bank verwickelt ist. Ein New Yorker Mitarbeiter aus dem Vertrieb soll zwei Händler der Bank informiert haben, dass ein Kunde rund eine Milliarde Pfund gegen Dollar kaufen wollte. Die Händler sollen daraufhin eine eigene Kauforder über 500 Millionen Pfund platziert haben, um damit vom erwarteten Kursanstieg zu profitieren.

Den Kunden habe die Transaktion am Ende 17 Millionen Pfund mehr gekostet, heißt es in den in New York bei Gericht eingereichten Unterlagen. Die Deutsche Bank wollte die Klage der Vermögensverwalter nicht kommentieren. Dabei gehören die Frankfurter zu den kleineren Fischen unter den beschuldigten Banken – zumindest gemessen an den Summen, die das Geldhaus für Vergleiche mit den Aufsehern ausgeben musste. Rund 340 Millionen Dollar stehen laut der Klageschrift zu Buche.

Angeführt wird die Liste von Barclays mit Vergleichszahlungen von insgesamt 2,2 Milliarden Dollar an fünf Aufseher in den USA und Großbritannien. Auf den Rängen zwei und drei folgen Citi, und JP Morgan. Tophändler dieser drei Banken sollen sich gemeinsam mit Kollegen von der Schweizer UBS über Jahre hinweg in den Chatrooms mit den verräterischen Namen verabredet haben, um die Wechselkurse zu manipulieren. Auf dem Höhepunkt ihrer Marktmacht standen die vier Institute für 40 Prozent des Devisengeschäfts.

Die beklagten 16 Banken werden mit Interesse registrieren, dass ein New Yorker Gericht nach zweiwöchiger Verhandlung gerade drei der Händler, die im Mittelpunkt der Manipulationsvorwürfe standen, freigesprochen hat. Die Toptrader hatten für JP Morgan, Citi und Barclays gearbeitet. Alle drei Banken gehören zu jenen Instituten, die sich in den Vergleichen mit US-Aufsehern krimineller Machenschaften schuldig bekennen mussten.

Dennoch sprachen die Geschworenen die Händler nach nur kurzer Beratung frei. Die Beschuldigten hatten stets ihre Unschuld betont. Als das Urteil verlesen wurde, hätten die Ex-Händler geweint, berichtet Bloomberg. „Ein fünfjähriger Albtraum geht zu Ende“, freute sich der Anwalt eines der Angeklagten. Für die von den Vermögensverwaltern verfolgten Banken wird der Albtraum des Devisenskandals dagegen noch eine ganze Weile weitergehen.

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