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Kleine Anfrage der FDP-Fraktion Ermittlungen im Fall Wirecard führen zu altbekannten Spekulanten

Die Bundesregierung gibt erstmals Details der Wirecard- Ermittlungen preis. Dieselben Akteure spekulieren offenbar seit Jahren gegen die Firma.
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Der Zahlungsdienstleister reichte Zivilklage gegen die „Financial Times“ ein. Quelle: dpa
Wirecard

Der Zahlungsdienstleister reichte Zivilklage gegen die „Financial Times“ ein.

(Foto: dpa)

Frankfurt, Bangkok, MünchenEs ist ein schwerer Verdacht, dem die Staatsanwaltschaft München seit Februar nachgeht: Haben Leerverkäufer in Absprache mit Journalisten der britischen Zeitung „Financial Times“ (FT) den Kurs des Zahlungsdienstleisters Wirecard manipuliert? Über den Fortgang der Ermittlungen schweigt sich die Staatsanwaltschaft aus: Es gebe keinen neuen Sachstand, hieß es am Donnerstag. Dafür gibt die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, erstmals Details der Ermittlungen preis.

So sind nach Erkenntnissen der Finanzaufsicht Bafin kaum neue Shortseller im Umfeld der FT-Berichte in die Spekulation eingestiegen. Vielmehr handele es sich um altbekannte Akteure. Die 2019 aktiven Shortseller seien „insofern bekannt, als dass sie überwiegend auch schon in der Vergangenheit Netto-Leerverkaufspositionen in der Wirecard AG hielten“, erklärt das zuständige Bundesfinanzministerium. Gegen Wirecard wird seit Jahren spekuliert, von 2016 bis 2018 registrierte die Bafin fünf Attacken.

Hinweise darauf, dass Shortseller ihre Positionen gestückelt haben, um unter der Meldeschwelle von einem halben Prozent Grundkapital zu bleiben, liegen der Bundesregierung laut der Antwort nicht vor. Deutlich angestiegen seien die Positionen ab dem 1. sowie ab dem 7. Februar 2019.

Die Entscheidung der Bafin, nach weiteren Hinweisen auf geplante Attacken am 18. Februar ein Leerverkaufsverbot für Wirecard-Aktien zu erlassen – ein bis dato beispielloser Schritt –, bewertet die Bundesregierung als richtig: „Exzessive Kursbewegungen“ hätten „den Verlust des Marktvertrauens in Deutschland“ bewirken können.

„Die Bafin hat schnell und konsequent reagiert“, lobt auch FDP-Parlamentarier Frank Schäffler, der Autor der Anfrage. „Dass hier ein junges Unternehmen gezielt attackiert wurde, ist offensichtlich.“ Nun müsse Wirecard seine Kommunikation professionalisieren. Der Konzern aus Aschheim wollte die Erkenntnisse am Donnerstag auf Anfrage nicht kommentieren.

Die aktuellen Ermittlungen gegen potenzielle Shortseller laufen seit Februar. Ein Anleger hatte damals in München Strafanzeige gegen die FT gestellt. Ein Londoner Börsenhändler hatte versichert, schon vor Erscheinen des ersten Artikels am 30. Januar informiert worden zu sein. In der Folge reichte Wirecard Zivilklage gegen die FT ein. Im April stellte dann auch noch die Bafin Strafanzeige gegen eine einstellige Zahl von Personen, darunter auch FT-Journalisten.

Die Zeitung hatte wiederholt über dubiose Vorgänge und eine Durchsuchung in Wirecards Singapur-Einheit berichtet. Ende März räumte der Konzern fehlerhafte Buchungen und andere Unregelmäßigkeiten ein, Angestellte könnten sich demnach nach lokalem Recht strafbar gemacht haben.

„Die polizeilichen Ermittlungen gegenüber Wirecard dauern an“, teilte Singapurs Polizei in dieser Woche auf Handelsblatt-Anfrage mit. „Im Rahmen ihrer Untersuchungen steht die Bafin mit ausländischen Aufsichtsbehörden in Kontakt“, heißt es von der Bundesregierung.

Mehr: Der Fall Wirecard zeigt die Gefahr von Trittbrettfahrern, kommentiert Handelsblatt-Redakteur Christian Schnell.

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