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Klimawandel Mehr als 500 Großinvestoren fordern, CO2-Preis drastisch zu erhöhen

In einem gemeinsamen Statement appellieren institutionelle Investoren vor dem globalen Klimastreik für mehr Maßnahmen gegen den Treibhauseffekt.
3 Kommentare
Investoren fordern unter anderem eine Verschärfung nationaler Klimapläne. Quelle: dpa
Weltkugel

Investoren fordern unter anderem eine Verschärfung nationaler Klimapläne.

(Foto: dpa)

Frankfurt Joachim Wenning ist kein Hitzkopf. Doch beim Thema Klimawandel zeigt der Vorstandschef des Rückversicherers Munich Re eine ungewohnte Härte. Öffentlich fordert der Topmanager seit Monaten, den Preis für den Ausstoß von CO2 drastisch zu verteuern. Genauer gesagt: fast zu verfünffachen. Andernfalls würden sich die Folgen des Klimawandels noch dramatisch verschärfen, so Wennings Warnung.

Es ist eine Forderung, mit der Wenning längst nicht mehr alleine steht. Anlässlich des für Freitag geplanten globalen Klimastreiks und der ab Montag angesetzten UN-Klimakonferenz in New York haben 515 institutionelle Investoren die Politik aufgefordert, die Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels zu verstärken, um die Pariser Klimaziele zu erreichen.

Zu den Großinvestoren, die den am Donnerstag veröffentlichten Appell der Initiative „Investor Agenda“ unterschrieben haben, zählen unter anderem die deutschen Unternehmen Allianz, DWS, Munich Re Venture Partners sowie Union Investment.

Der weltweite Übergang zu sauberer Energie sei im Gange, aber es müsse noch viel mehr getan werden, um ihn zu beschleunigen, heißt es in dem Statement der Investoren, das auch der französische Versicherer Axa, der Vermögensverwalter Amundi sowie der britische Hedgefonds Man Group unterzeichnet haben.

Die Großinvestoren warnen davor, dass die derzeitigen Regierungsverpflichtungen nicht ambitioniert genug seien, so dass nicht verhindert werde, dass die globale Durchschnittstemperatur über den Schwellenwert von 1,5 Grad ansteige.

Das Pariser Klimaabkommen sieht unter anderem den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen bis zum Jahr 2050 vor. Doch gilt unter Wissenschaftlern schon jetzt als sicher, dass die formulierten Ziele nicht ausreichen werden, um die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu beschränken.

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Der Aufruf der Großinvestoren ist vor diesem Hintergrund ein wichtiger Appell. Insgesamt verwalten die unterzeichnenden Investoren laut Angaben der Initiative ein Vermögen von 35 Billionen US-Dollar. Im Einzelnen sprechen sich die institutionellen Adressen in ihrem Statement unter anderem für einen globalen Kohleausstieg, die Einführung eines höheren CO2-Preises, die Abschaffung staatlicher Subventionen für fossile Energieträger und eine Verschärfung der nationalen Klimapläne aus.

Der Druck auf die Politik steigt damit, in New York konkrete Ergebnisse zu liefern. UN-Generalsekretär António Guterres hat kommende Woche zu einem Klimagipfel in New York eingeladen, um „mehr Ehrgeiz“ einzufordern und die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens zu beschleunigen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel wird nach New York reisen.

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Damit die Kanzlerin nicht mit leeren Händen in die USA reist, will das Kabinett der Bundesregierung am 20. September Eckpunkte für ein Klimaschutzpaket beschließen. Merkel mahnte bereits vor einigen Tagen, dass in der Klimapolitik ein „gewaltiger Kraftakt“ nötig sei.

Es wird erwartet, dass CO2 einen Preis bekommt, E-Autos zusätzlich gefördert werden, Fliegen teurer wird, Bahn fahren dafür günstiger und Ölheizungen belastet werden. Mit den Beschlüssen sollen die Klimaziele für 2030 eingehalten werden.

Deutschland verfehlt mit der bisherigen Politik sein Ziel von 40 Prozent weniger an Emissionen bis 2020 im Vergleich zu 1990. Merkel hatte im Bundestag betont, der Klimawandel sei eine „Menschheitsherausforderung“.

Europas größter Versicherer, die Allianz, hatte bereits 2018 verkündet, fortan auf die Einzelversicherung von Kohlekraftwerken und Kohleabbau zu verzichten. Zudem will die Allianz bei ihren Kapitalanlagen seitdem nicht mehr in Unternehmen investieren, die durch umfangreichen Zubau von Kohlekraftwerken das Ziel des Pariser Abkommens gefährden, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen.

Auch der Rückversicherer Munich Re änderte 2018 bereits seine Geschäfts- und Anlagestrategie und stieg aus der Kohle aus. Künftig wolle der Konzern weder in Aktien noch in Anleihen von Unternehmen investieren, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle erzielen, kündigte der Konzern damals an.

Die Europäische Union macht vor dem New Yorker UN-Klimagipfel am 23. September jedoch keine neuen Zusagen. Die EU-Kommission bekräftigte jüngst nur die bisherigen Klimaziele und betonte, diese würden wohl übererfüllt. Ein klimaneutrales Europa bis 2050 sei zudem „eine realistische Perspektive“ und werde wohl bis Jahresende von allen EU-Staaten unterstützt, sagte Kommissionsvize Maros Sefcovic vor wenigen Tagen.

Um die Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken, haben Klimaschützer von „Fridays for Future“ für Freitag zum globalen Klimastreik aufgerufen. Die von der jungen Schwedin Greta Thunberg angestoßene Protestbewegung fordert von der Politik mehr Tempo und Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderhitzung.

Im Blick haben die Aktivisten aktuell die Beratungen der Bundesregierung über ein Milliardenpaket zum Klimaschutz, aber auch den UN-Klimagipfel in New York. Für die globale Streikwoche, die Freitag beginnt, sind schon Proteste in mehr als 2300 Städten in 137 Staaten angekündigt. In Deutschland stehen gut 400 Aktionen an.

Nach Meinung der Aktivisten sollte die große Koalition schon bis Jahresende alle Subventionen für fossile Energieträger wie Kohle und Öl streichen, ein Viertel der Kohlekraft abschalten und eine Steuer auf Treibhausgasemissionen erheben.

Mehr: Warum das Klimapaket der Bundesregierung schon jetzt umstritten ist.

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3 Kommentare zu "Klimawandel: Mehr als 500 Großinvestoren fordern, CO2-Preis drastisch zu erhöhen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Diese Großinvestoren könnten ja mal ihre Aktivitäten in unsere Nachbarländer wie z.B. Polen, Tschechien usw. ausdehnen und dort ebenfalls um eine Co2-Bepreisung zu kämpfen.

  • Wer sagt denn, saß die 500 Großinvestoren intelligenter sein müssen????

    Auf jeden Fall, sind sie die g r o ß e n Zocker.!!

    Bitte mal nachdenken.

  • Das einzige, was hier zu erkennen ist, das es eine Gruppe gibt, welche hier wieder das große Geld wittert. Denn der Konsum im allgemeinen ist an einem Scheitelpunkt angekommen, welcher den Umkehrpunkt vom Anstieg zum Abfall darstellt.

    Des Weiteren, wurde vergessen, was einem einmal in der Schule gelehrt wurde. Den Klimawandel gibt es bereits seit Jahrmillionen und nicht erst seit Beginn der Industrialisierung.

    Der Klimawahn ist auch nur ein rein deutsches Phänomen. Schaut man mal nur 1.000km in alles Himmelsrichtungen, gibt es eine derartige Hysterie nicht. Was man aber erkennen kann, ist der starke Abfall an der medialen Präsens von derartigen Aktionen.

    Sicher, wir müssen mehr mit der Natur leben, als gegen sie. Den Klimawandel aufhalten, das werden wir Menschen nicht können.

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